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In Afrika geboren, in Mecklenburg zu Hause: Uradel belebt Schloss Kölzow wieder

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14:08 19.01.2020
Ute von der Lühe (83, M.), Detlef von der Lühe (85, l.) und Augustin von der Lühe (53) sowie Fira (14), die portugiesische Hirtenhündin (Cão da Serra da Estrela), vor dem Landhaus Schloß Kölzow. Quelle: Bernhard Schmidtbauer
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Kölzow

Mecklenburgischer Uradel: Wenn diese Bezeichnung auf eine Familie zutrifft, dann auf die Familie von der Lühe: Ihre Geschichte führt mehr als 800 Jahre zurück, bis ins 12. Jahrhundert, zum Welfen Heinrich dem Löwen, dem Herzog von Sachsen sowie von Bayern. Kölzow, das zur Gemeinde Dettmannsdorf gehört, ist der Urstammsitz der von der Lühes.

Mit Unterbrechungen hatte die Familie viele Jahrhunderte ihren Sitz in dem kleinen Dorf. Heute führen Ute von der Lühe (83) und Detlef von der Lühe (85) sowie ihr Sohn Augustin von der Lühe (53) die Tradition fort. An ihrer Seite wacht Fira (14), die portugiesische Hirtenhündin (Cão da Serra da Estrela).

Jahrzehntelang in aller Welt zu Hause

Erst seit Anfang der 2000er Jahre ist die Familie wieder in Kölzow heimisch. Vorausgegangen war eine jahrelange „Reise“ der Familie über mehrere Kontinente, die Ute, Detlef und Augustin von der Lühe schließlich in die Heimat nach Kölzow führte. Der Vater wurde auf einer Kaffeeplantage im Osten Afrikas geboren. Der Junge lernte zuerst Swaheli – und dann Plattdeutsch.

„Mein Vater sagte oft zu mir: ‚Moin, du Mors.‘“ Und: „Heimat ist Mecklenburg.“ Danach lebte Detlef von der Lühe etliche Jahre bei seinen Tanten in Bad Doberan – damit war der Familienstammsitz gar nicht mehr so fern. Nach dem Krieg legte er in Bremen sein Abitur ab und absolvierte eine Banklehre. Das sollte wohl Schicksal sein: Am Schalter eines Geldinstituts in Spanien begegnete er seiner zukünftigen Frau Ute, die aus Franken stammt.

Bildergalerie: Eindrücke von Schloss Kölzow

Augustin von der Lühe sowie seine Eltern Ute und Detlef von der Lühe betreiben das „Landhaus Schloß Kölzow“.

Immer mit Mecklenburg und Platt verbunden

In den folgenden Jahren zog die junge Familie fast um die ganze Welt: Die Stationen waren Florida, Namibia, Südafrika und Japan, es folgten Hongkong und schließlich China. „Wenn mich jemand gefragt hat, wo meine Heimat ist, habe ich immer Mecklenburg gesagt“, erklärt Detlef von der Lühe, der lange Zeit Direktor einer deutschen Kaffee-Firma in der Pazifik-Region war – und daran beteiligt war, den Asiaten das Kaffeetrinken beizubringen.

Die Bilder seiner Ahnen im Elternhaus, natürlich das Platt, die vielen Verwandten im Nordosten: Es habe also vieles gegeben, das ihn mit Kölzow und mit der Region im damaligen DDR-Bezirk Rostock verbunden hat. „Wenn mich jemand fragte, warum ich nicht in Mecklenburg lebe, dann erzählte ich von einer Mauer, die ich nicht überwinden konnte.“

Sanierungskonzept für marodes Gutshaus

Seit dem 9. November 1989 gab es diesen Hinderungsgrund nicht mehr. 1990 besuchte er erstmals Kölzow während eines Familientags in der Nähe. „Das Haus war in einem schlimmen Zustand, vom Turm konnte man bis in den Keller sehen, das Parkett war teilweise verheizt. Auch der 80 000 Quadratmeter große Landschaftspark im authentischen Stil der Romantik war damals komplett zugewachsen und die typischen Sichtachsen des historischen Parks kaum mehr zu erkennen“, erinnert sich Detlef von der Lühe.

An den Erwerb des Anwesens sei nicht zu denken gewesen. Die Gemeinde hatte aufgrund des Bauzustandes wohl auch einen Abriss in Erwägung gezogen.

Das ehemalige Schloss in Kölzow – Foto vom 13. März 1991. Quelle: OZ-Archiv

Den Anstoß, das ganze Ensemble zu erwerben, gaben schließlich ein Architektengutachten sowie ein Student, der mit seiner Diplomarbeit zum Thema „Sanierung eines Gutshauses in den neuen Bundesländern“ ein Nutzungskonzept und „überschaubare“ Zahlen für das Sanierungsprojekt vorlegte. Dazu die positive Resonanz in Kölzow und die Unterstützung durch Bürgermeister Stefan Schmidt. Der bis dahin unausgesprochene Gedanke, das alte Lühesche Gut zu sanieren und nach den vielen Jahren „des bunten Lebens in der Welt“ im mecklenburgischen Kölzow heimisch zu werden, entwickelte sich mehr und mehr.

Denkmalschutzgerechte Sanierung

Die Familie kaufte im Jahr 2000 das Gutshaus mit Park für 200 000 Euro. Mit der Renovierung kostete das „Projekt Heimat“ dann ein Vielfaches. „Eigenes Geld, Fördermittel, Kredite und Eigenleistungen sind in das Haus geflossen“, sagt Augustin von der Lühe. Die ganze Familie sei daran beteiligt gewesen.

Im Herbst 2001 begann die Sanierung. Es wurden nicht nur die Gemäuer vor dem Zerfall bewahrt und von Grund auf saniert. Das Haus mit seinen 16 Schlafzimmern, dem kleinen und großen Saal, zwei Vorräumen, der Küche, dem Gewölbekeller, einer Bühne und dem Trauzimmer wurden denkmalschutzgerecht renoviert.

Vor 800 Jahren nach Mecklenburg gezogen

Die Vorfahren der Familie von der Lühe kamen wahrscheinlich aus der heutigen Samtgemeinde Lühe entlang der gleichnamigen Lühe, einem Nebenfluss der Unterelbe im Alten Land. Ende des 12. Jahrhunderts erhielt die Familie von Heinrich dem Löwen (gestorben 1195) den Auftrag, im Osten Mecklenburgs Siedler aus Sachsen (heute Niedersachsen und Teile Westfalens) anzusiedeln. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht am 28. Juni 1240 mit den Ordensrittern Reinhardus, Olricus, Johannes, Heidenricus, Hermannus und Heinricus de Lu. Die Familie wählte Kölzow als Stammsitz und baute dort zunächst eine erste Befestigung – einen Ringgraben mit einem Wehrturm auf einer Insel – und anschließend die Feldsteinkirche. Sie wurde 1233 geweiht. Der Stammsitz Kölzow war bis 1768 in Familienbesitz und ging dann an die Familie von Prollius auf Stubbendorf. 1925 erwarb es Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, der das Gut bis 1945 behielt. Nach dem zweiten Weltkrieg wohnten etwa 100 Flüchtlinge im Gutshaus. In den Jahren danach fanden in dem Gebäude der Konsum, ein Jugendtreff und der Kindergarten des Dorfes ihren Platz. 2011 erwarben Angehörige der Familie von der Lühe das bei Damgarten gelegene Gutshaus Pütnitz.

Zwischen bewährten Angeboten und neuen Ideen

Seit Mai 2004 lädt das Gutshaus als „Landhaus Schloss Kölzow“ Gäste ein. „Geburtstage, Hochzeiten, Familienfeste und Seminare veranstalten wir hier, auch Feriengäste entdecken das Erholungspotenzial im Gutshaus und die Ruhe der umgebenden Natur“, sagt Augustin von der Lühe, der seine Eltern Ute und Detlef von der Lühe im April 2019 als Geschäftsführer abgelöst hat.

Auch Jagdgesellschaften kommen gern im Haus. Die monatlichen Konzerte des „Kölzower Kultursalons“ haben bereits eine lange Tradition, zu Gast sind hochkarätige Musiker, zum Teil mit Erfahrungen in den großen internationalen Konzertsälen. Zum Jahresauftakt spielt das Rostocker Streichquartett „Rossini Strings“ am 25. Januar um 18 Uhr im Gutshaus. Und am 14. Februar spielt die international renommierte Pianistin Lilit Grigorian ab 19 Uhr Werke von Schubert und Chopin.

„Es gibt jedoch jede Menge zu tun, um eine Rentabilität des Unternehmens zu erreichen“, betont Augustin von der Lühe. Das Haus liege schließlich nicht an der Ostseeküste, sondern im touristischen Hinterland. Aber auch das habe seine Vorzüge und Reize. Allein der Park biete zahlreiche seltene Bäume, die vor etwa 200 Jahren gepflanzt wurden – unter anderem Ginkgo, amerikanische Rot-Eiche, Blut-Buche und Weiße Rosskastanie. Unter dem Titel „Geheimnis Baum“ haben die Gastgeber in einer Broschüre viele Informationen zu ihren Bäumen zusammengestellt. So bietet ein Spaziergang durch die Anlage neben Erholung auch eine kleine Lehrstunde in Dendrologie.

Angebote aus der Region für Gäste nutzen

Die Attraktivität des „Landhauses Schloss Kölzow“ will Augustin von der Lühe weiterentwickeln. Auf seinem Plan stehe eine kontinuierliche Verbesserung der Ausstattung im ganzen Haus, sagt er. Das Angebot der Arrangements solle erweitert werden. Und er gehe jetzt konsequent auf die Kritiken und Wünsche der Gäste ein.

Außerdem werbe er mit der Vielseitigkeit der Region rund um Kölzow, um den Gästen attraktive Angebote für ihren Urlaub zu machen, betont der Junior. Dazu hat er viele Ideen: Etwa therapeutisches Reiten auf dem nahen Ponyhof, auf dem Kinder den Umgang mit Tieren erlernen können. Außerdem Besuche beim Imker im Dorf, beim Kanuverleih in Marlow oder beim Fahrradverleih in Tessin sowie beim Tessiner Golfclub und in guten Restaurants in der Nähe. Auch Oldtimer-Sternfahrten mit dem Ziel Kölzow plane er.

Ein Hingucker für die Gäste seien die überall im Gutshaus zu findenden traditionellen Utensilien von zwei fernen Kontinenten: Möbel, Skulpturen, Vasen, Bilder, Mosaikarbeiten. Sie stammen aus der Zeit, in der die Familie von der Lühe in Afrika, Hongkong und China gelebt hat.

Familiensage von der geretteten Prinzessin

„Eines unserer Markenzeichen ist die Authentizität“, sagt Augustin von der Lühe. Davon würden im ganzen Haus die vielen Gemälde der Vorfahren sowie Malereien zeugen. Vielleicht zieht ja auch die Geschichte rund um das Wappen der von der Lühes mehr Gäste in deren Stammsitz.

In der Sage heißt es: Im 12. Jahrhundert befreiten zwei heldenhafte Brüder eine slawische Prinzessin aus einer brennenden Burg, vermutlich aus der Burg Ilow des Wenden-Fürsten Niklot bei Wismar. Beide Edelmänner verfielen der Schönheit der Prinzessin. In der Sage heißt es: „Dem Einen gab sie einen Strauß, er ging allein betrübt nach Haus. Dem Anderen gab sie ein kleines Ding, es war ihr eigener goldener Ring, und ging mit ihm und ward sein Weib“. Auf dem Wappen ist eine golden gekleidete Jungfrau abgebildet, die mit beiden Händen einen goldenen Ring vor sich hält. Von der Wahl ihres Gemahls künden auch eine Freskenmalerei in der nahen Kölzower Dorfkirche sowie eine Malerei am „Von-der-Lühe“-Haus in Güstrow.

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Von Bernhard Schmidtbauer