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Mecklenburg Seltene Friesenpferde bei Güstrow: „Reiten kann wie Tanzen sein“
Mecklenburg Seltene Friesenpferde bei Güstrow: „Reiten kann wie Tanzen sein“
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05:00 20.04.2019
Hof Steendans Connected bei Güstrow: Stefanie Schröder auf ihrem Friesenpferd „Larus“ Quelle: Elke Ehlers
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Güstrow

Stefanie Schröder schwärmt von ihren Pferden. Kräftige Rösser sind es, schwarz und majestätisch, mit breiter Brust und üppiger Mähne. „Dabei ruhig, gelehrig und verlässlich“, lobt sie ihre Schützlinge. Die Rappen auf Hof Steendans Connected in Hägerfelde bei Güstrow (Landkreis Rostock) sind Friesenpferde. Damit gehören sie zu einer der ältesten Rassen Europas, die ursprünglich aus dem niederländischen Friesland stammt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Friesenpferde vom Aussterben bedroht, durch engagierte Züchter blieb sie erhalten.

Friesenpferde – seltene Rasse in MV

In Mecklenburg-Vorpommern gehören die stattlichen Tiere zu den selteneren Rassen. „Aber sie haben auch hier viele Liebhaber“, weiß Pferdekenner Franz Wego aus Dummerstorf (Landkreis Rostock). Auch er lobt die besondere Schönheit der Rasse. „Früher waren sie sogar Statussymbol von Herzögen und Grafen“, berichtet Wego. „Ein Vierspänner mit Friesen, der macht schon war her“, meint der Pferdesport-Experte. Als Gespannpferde seien sie nicht nur eine imposante Erscheinung, sondern auch für den Reit- und Fahrsport gut geeignet.

Stefanie Schröder erfüllt sich mit den Friesen einen Traum. „Als Kind zog es mich immer dorthin, wo Pferde waren“, erzählt die Unternehmerin, die inzwischen selbst zwei Kinder hat. Als Neunjährige habe sie ihren ersten Friesen geputzt, „in einem Zirkus im Sauerland“. Schon damals habe sie sich gewünscht, selbst einmal Pferde zu haben. Doch bis dahin sollten noch gut 20 Jahre ins Land gehen. Erst als ihr Mann Stefan, ein Mediziner, aus beruflichen Gründen nach Mecklenburg ging, bot sich die Chance den Traum zu verwirklichen. Der Chefarzt am Krankenhaus Güstrow holte die Familie aus Nordrhein-Westfalen nach. Acht Jahre ist das jetzt her.

Hof war einer der größten Friesenzuchten bundesweit

Hier stand für die gebürtige Siegerländerin fest: „Jetzt kaufen wir ein Pferd.“ Es wurden gleich zwei – eine Ponystute und das Friesenfohlen „Larus“. Beide fand sie auf Hof Steendans (plattdeutsch: Steintanz). So nannten dessen Gründer, Maren und René Meier, das Terrain in Hägerfelde – weil dort unzählige Feldsteine verbaut sind. Der Hof war viele Jahre eine der größten Friesenzuchten bundesweit. „Hier wollte ich arbeiten, selbst auch Reitunterricht geben und dabei meinen eigenen Stil entwickeln können“, schildert Stefanie Schröder ihre Begeisterung, die bis heute anhält. Mit der Weite der Landschaft sei Mecklenburg-Vorpommern sei für sie ein ideales Pferdeland.

Pferdeland MV: Fast 20 verschiedene Rassen

24 000 Pferdeleben in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 1000 Fohlen werden pro Jahr geboren, die meisten bei Hobbyzüchtern. Rund 1700 private Züchter gibt es laut Pferdezuchtverband in MV. Viele sind erfolgreich – mit nur einer oder zwei Stuten im Stall.

Das Landgestüt Redefin, das Lewitz-Gestüt in Neustadt-Glewe (beide Landkreis Ludwigslust-Parchim) und das Gestüt Ganschow bei Güstrow stehen für die professionelle Pferdezucht. Mecklenburger Warmblut und Lewitzer sind traditionelle Rassen der Region. In Ganschow gibt es auch eine bekannte Trakehner-Zucht. Das Lewitz-Gestüt von Ex-Springreiter Paul Schockemöhle hält vor allem Oldenburger.

Fast 20 verschiedene Rassenbetreut der Pferdezuchtverband in MV insgesamt - Shetland-, Welsh- und Deutsche Reitponys ebenso wie Haflinger, Schwarzwälder und Rheinisch-Deutsche Kaltblüter, Fjord- und Friesen- und Islandpferde.

300 Reiterhöfeund Wanderreitstationen prägen das touristische Profil. Reiturlauber tragen mit rund 57 Millionen Euro pro Jahr zum Umsatz der Branche bei. Im Land gibt es rund 6400 Kilometer Reitwege, 25 Kilometer kamen 2018 neu dazu. Auch Kutschfahrten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

1,3 Millionen Pferde und etwa 900 000 Pferdebesitzer gibt es bundesweit. Nach Branchenangaben liegt der Umsatz der deutschen Pferdewirtschaft bei geschätzten 6,7 Milliarden Euro.

Ihre Leidenschaft gehört dem Dressurreiten. „Springen ist mir zu aufregend“, meint die gelernte Krankenschwester und Coaching-Spezialistin. Sie ist überzeugt: „Der Umgang mit Pferden hält gesund – körperlich und seelisch“. Ihr Prinzip: Mensch und Tier sollen sich aufeinander einlassen, einander Raum geben. „Aber der Mensch behält die Zügel in der Hand.“ Beim Reiten wie im Leben.

Besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier

Inzwischen besitzt die Stefanie Schröder drei eigene Friesenpferde. Seit Anfang 2019 hat sie den Betrieb samt Pferdepension mit Platz für rund 30 Vierbeiner gepachtet und führt ihn unter der Marke „Steendans Connected“. Damit betont die neue Chefin nicht nur, dass sie auf Teamgeist setzt, sondern auch, dass sie eine besondere Ausrichtung des Trainings anbietet.

„Es geht dabei um eine spezielle Verbindung zwischen Pferd und Reiter, um einen dynamischen Kontakt zum Pferd nach biomechanischen Grundsätzen – ohne Druck“, erläutert die Dressurreiterin. Bei der US-Amerikanerin Peggy Cummings, die die „Connected riding“-Methode entwickelt hat, absolvierte die Wahl-Mecklenburgerin im vorigen Jahr eine Ausbildung. „Reiten kann wie Tanzen sein, wenn beide Partner einander Raum geben“, Stefanie Schröder.

Erfolgreicher Dressurreiter trainiert dort seine Pferde

Hof Steendans Connected hat zudem einen in der Pferdeszene gut bekannten „Untermieter“: Ronald Lüders, einer der erfolgreichsten Dressurreiter und Ausbilder Mecklenburg-Vorpommerns trainiert die Pferde, die er aktuell ausbildet, auf dem feldsteingesäumten Gelände. Er schätzt dort „die gute Unterbringung der Tiere“, aber auch die Ruhe in der mecklenburgischen Idylle. „Keine großen Straßen, idyllische Landschaft, die Koppel gleich hinter dem Stall.“ Das sei ideal für Mensch und Tier, meint der 53-Jährige.

Trotz der Abgeschiedenheit liegt der Pferdehof verkehrsgünstig: Wenn es zu Turnieren geht, sind es bis zur Autobahn nur ein paar Kilometer. Außerdem: Viel näher kann Lüders es zur Arbeit nicht haben. Er wohnt im Nachbardorf Gutow.

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