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Mecklenburg Philipp Kaiser verlässt den Ribnitzer HV
Mecklenburg Philipp Kaiser verlässt den Ribnitzer HV
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16:07 21.02.2019
Coach Philipp Kaiser brachte neue Spiel- und Trainingsideen beim Ribnitzer HV ein. Der kurzfristige Abschied fällt ihm schwer.
Coach Philipp Kaiser brachte neue Spiel- und Trainingsideen beim Ribnitzer HV ein. Der kurzfristige Abschied fällt ihm schwer. Quelle: FOTO: Tommy Bastian
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Ribnitz-Damgarten

Irgendwie war es absehbar, doch der Zeitpunkt kommt überraschend: Philipp Kaiser ist nicht mehr Trainer der MV­Liga-Handballer des Ribnitzer HV. Der 27-jährige Coach, der erst vor Saisonbeginn in die Bernsteinstadt gewechselt war und zuvor die A-Jugend des HC  Empor Rostock trainiert hat, verabschiedete sich am Dienstagabend aus beruflichen und privaten Gründen von seinem bisherigen Team.

„Es fällt mir wirklich schwer, die Mannschaft mitten in der Saison zurückzulassen. So bleibt viel von dem, was ich noch vor hatte, erst einmal liegen“, sagt Philipp Kaiser. Er fange normalerweise ungern etwas an und bringe es dann nicht zu Ende. „Allerdings sind der Handball und meine Tätigkeit in Ribnitz nicht mein täglich Brot. Ich musste ab­wägen. Meine berufliche Perspek­tive ist aktuell wirklich toll und die steigenden Anforderungen an mich sowie meine private Situation lassen leider nicht die gewünschte Zeit, um die Jungs so zu betreuen, wie sie es verdient hätten“, meint der Rostocker.

Kaiser arbeitet in der Immobilienbranche und reist berufsbedingt durch ganz Deutschland. Die da­neben verbleibende Zeit will er fortan für Privates nutzen. Seine Freundin ist schwanger. Im April wird Philipp Kaiser zum ersten Mal Vater.

RHV-Vorstand Stefan Stuht bedauert den vorzeitigen Abschied von Philipp Kaiser. „Die Situation ist unbefriedigend für alle Beteiligten, denn wir hätten die laufenden Saison gern gemeinsam beendet. Aber wir haben Verständnis für Philipp. Familie und Beruf gehen vor“, sagt der 47-Jährige. Stuht und Kaiser haben stets offen kommuniziert. Von Beginn an sei klar gewesen, dass das Engagement des Trainers in der Bernsteinstadt nach der Spielzeit enden könnte. „Dass Philipp so schnell beruflich so stark eingebunden sein wird, war zu Saisonbeginn noch nicht abzusehen“, sagt Stefan Stuht.

„Es war eine prägende Zeit“

Philipp Kaiser findet es bemerkenswert, dass die Ribnitzer Verantwortlichen und Spieler viel Verständnis zeigen. „Die Reaktion aller Beteiligten beim RHV hat mich noch einmal in meiner Entscheidung bestätigt, das Projekt in Ribnitz anzugehen. Es war eine tolle Zeit, die mich sehr geprägt und mir viel gegeben hat“, bedankt sich der ge­bürtige Magdeburger.

Kaiser hat viele neue Trainings- und Spielideen in Ribnitz-Dangarten eingebracht. Allerdings fehlte er schon in den vergangenen Wochen ab und an beim Training, weil er nicht rechtzeitig rankam. „Schade, dass Philipp seine Trainerarbeit nicht fortsetzen und sich dafür belohnen kann“, bedauert Stefan Stuht. „Er ist mit den Jungs ins Finalturnier um den Landespokal eingezogen, hat die Mannschaft auf den vierten Tabellenplatz in der höchsten Landesspielklasse geführt und die Spieler weiterentwickelt.“ Trotz des frühen Abschieds sei seine Verpflichtung die richtige Entscheidung gewesen. „Philipp hat frischen Wind in den Klub gebracht.“

RHV-Kapitän Michael Jacobsen (32) wünscht dem scheidenden Coach alles Gute und meint: „Die Beweggründe für den Abschied kann ich nachvollziehen. Wir sind eben kein Profi-Verein. Es ist schade, dass Philipp uns verlässt, denn er hat uns viel gegeben mit seinem technischen Verständnis, taktischen Hinweisen und seiner Herangehensweise an den Handball und die Trainerarbeit.“

Fortan wird Stefan Stuht gemeinsam mit dem bisherigen Co-Trainer Thilo Meyer (52) als Interimscoach an der Seitenlinie die Verantwortung tragen. Die erste Herausforderung für das Duo wird am Sonnabend (18  Uhr, Sporthalle Am Mühlenberg) das Heimspiel gegen Meisterschaftsanwärter TSG  Wismar, der aktuell mit 27:3  Punkten und damit nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter Güstrower HV den zweiten Tabellenrang einnimmt. Das Hinspiel hat der RHV trotz einer ansprechenden Leistung mit 24:28 verloren. Gelingt diesmal eine Über­raschung?

„Für uns wird das ein dankbares Spiel zum Einstieg. Wir können nur gewinnen. Die TSG  Wismar geht als klarer Favorit in die Partie“, meint Stefan Stuht. Bis auf Rückraumspieler Alexander Dukart (24), den immer wieder Verletzungen zurückwerfen und der ­voraussichtlich länger ausfallen wird, sollen alle RHV-Spieler einsatzbereit sein.

Für den Ribnitzer HV wird das Spiel gegen die Truppe aus Wismar auch eine gute Standortbestimmung für das Landespokal-Halb­finale. Im Rahmen des Final four am 7.  April in der Güstrower Sport- und Kongresshalle werden beide Seiten nämlich einen der beiden Finalisten ermitteln. Das andere Halbfinale bestreiten dort der Sieger aus dem Viertelfinale SV  Warnemünde gegen Güstrower  HV, das am Freitag (19.30  Uhr, Sporthalle Gerüstbauerring) in Rostock nachgeholt wird, und der Stralsunder  HV  II.

Tommy Bastian