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Rostock 10 000 neuen Wohnungen - aber kein Platz für Häuslebauer
Mecklenburg Rostock 10 000 neuen Wohnungen - aber kein Platz für Häuslebauer
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05:45 08.08.2018
Wer ein Eigenheim bauen möchte, findet in Rostock kaum noch Platz dafür (Symbolbild). Quelle: Jens Büttner/dpa
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Rostock

Derart scharf ist Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) schon lang nicht mehr attackiert worden: Der OB (und „seine“ Verwaltung) würden das Umland blockieren, sagt der Verwaltungschef der Nachbarschaft, Landrat Sebastian Constien (SPD), im OZ-Interview. Und – noch schlimmer für die ganze Region: In Rostock gäbe es keine Entwicklung in puncto neues Bauland. Jetzt schlägt Methling aber zurück: Bis 2023 werden in der Hansestadt mehr als 10 000 neue Wohnungen entstehen, verspricht er – und setzt dabei auf „Klein-Klein“.

Viele kleine, aber kein riesiges Baugebiet

Dass sich auf dem Rostocker Wohnungsmarkt nichts tue – das stimme einfach nicht, sagt der OB. Vor zwei Jahren hatte er das Ziel ausgegeben, 2000 neue Wohnungen pro Jahr zu schaffen. Und das werde Rostock auch erfüllen: „Wir weisen gegenwärtig in Bebauungsplänen und durch die Verdichtung vorhandener Wohngebiete 10 315 neue Wohneinheiten aus – und das allein bis zum Jahr 2023“, so Methling. Er setzt auf „kleine Lösungen“: Statt einiger weniger, dafür aber umso größerer Wohngebiete will das Amt für Stadtplanung viele kleine Flächen zu Bauland machen. Der Oberbürgermeister dazu: „Insgesamt wurden 82 Flächen mit Potenzialen für den Wohnungsbau identifiziert. Das ist ein sehr dynamischer Prozess.“ Unter den 82 Projekten, mit denen Rostock wachsen will, befinden sich viele kleine Bau-Vorhaben: Am Vogelnest im Stadtteil Dierkow beispielsweise soll ein Mehrfamilienhaus mit 25 Wohnungen entstehen. In der Südstadt weisen die internen Listen der Stadtplaner eine Fläche für acht Einfamilienhäuser aus, in der Straße „Utkiek“ in Brinckmansdorf sei noch Potenziel für sechs weitere Wohnhäuser. Zu den größeren Vorhaben zählt ein Projekt am Nord-Rand von Lichtenhagen. Dort sollen 160 Wohneinheiten entstehen.

1700 neue Wohnungen in 2018

Nach außen gibt sich Methling mit der Arbeit seiner Stadtplaner zufrieden: Allein in diesem Jahr rechne das Amt mit 1731 neuen Wohnungen in Rostock. „Im kommenden Jahr werden es bis zu 1475 sein, 2020 dann sogar knapp 2000“, sagt der Rathaus-Chef. Methling behält sich ausdrücklich noch eine weitere Option offen: Die Idee von Groß Biestow – einem neuen Stadtteil für rund 13 500 Einwohner im Süden der Hansestadt – werden weiterverfolgt. „Wir fangen ja mit Groß Biestow schon am Kiefernweg an. Der neue Stadtteil ist weiterhin Teil der Planungen.“ Allerdings nur perspektivisch. Und: Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass auch im Nordwesten ein neuer Stadtteil entstehen könnte – zwischen Lichtenhagen, Diedrichshagen und der Nachbargemeinde Elmenhorst. Projektname soll, so heißt es aus den Ämtern, ist Neu-Lichtenhagen.

Rostock setzt auf Mehrgeschosser

In puncto Wachstum ist der Kurs der Verwaltung aber klar: Rostock setzt auf Mehrgeschosser. Viele Wohnungen auf möglichst wenig Fläche. Neues Bauland für Häuslebauer hingegen wird es in absehbarer Zeit kaum geben: Nach OZ-Informationen sollen bis 2023 gerade mal etwas mehr als 800 Grundstücke für Einfamilienhäuser in der Stadt ausgewiesen werden – am Kiefernweg etwa und auch in Gehlsdorf. Zum Vergleich: Allein Bad Doberan, Rostocks kleine Nachbarstadt, hat in den vergangenen beiden Jahr 250 neue Flächen für Einfamilienhäuser geschaffen – und mit dem Verkauf der stadteigenen Flächen um die zehn Millionen Euro verdient. Die neuen Zahlen dürften Wasser auf die Mühlen von Landrat Sebastian Constien sein: „Es fehlen jetzt schon Standorte für Eigenheime. Die kriegen Sie in Rostock derzeit nicht.“ Die Nachbarn im Landkreis wollen Bauland für Häuslebauer ausweisen – Nienhagen zum Beispiel, Rövershagen ebenfalls. Doch gegen diese beiden Kommunen und ihre Bauvorhaben klagt das Rostocker Rathaus. Dass es einen enormen Bedarf für Einfamilienhäuser gibt, hatte dabei Ende 2015 Rostocks Chef-Stadtplaner Ralph Müller selbst konstatiert: „Wir haben die klassischen Häuslebauer vernachlässigt“, sagt er der OZ und kündigte mehr als 1500 neue Grundstücke für Einfamilienhäuser an. Übrig geblieben ist knapp die Hälfte.

OB erneuert Kritik am Umland

Roland Methling erneut indes seine Kritik am Umland – und hält die Blockade neuer Baugebiete für gerechtfertigt: Der Landrat und die Umlandgemeinden würden sich nicht an den „planungsrechtlichen Rahmen“ halten, den das Land gesetzt habe. Er will, dass die Nachbarn sich finanziell stärker an jenen Angeboten beteiligen, die Rostock auch für die Bürger aus dem Umland vorhalten: „Wir gehen für diese Angebote ja sogar in Vorleistung geht - bei Schulen, Kindertagesstätten, der Volkshochschule oder dem Konservatorium. Ein kleines Beispiel: Wir zahlen den kommunalen Anteil für 300 Musikschulkinder aus dem Umlandraum. Allein dies sind jährlich rund 200 000 Euro.“ Und: Rund 1000 Kinder aus den Umlandgemeinden besuchen eine Kita in Rostock „Das entspricht einer Größenordnung von insgesamt etwa zehn Kitas, von denen jede etwa drei Millionen Euro kostet.“ Die Baukosten würden die Eltern und Gemeinden zwar über 50 Jahre mit ihren Anteilen anteiligen mittragen. „Aber Rostock muss in Vorleistungen gehen. Und dieses Geld für bei uns - zum Beispiel für den Neubau einer Schwimmhalle.“

Andreas Meyer

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