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Rostock 100 Trecker rollen von Laage nach Rostock
Mecklenburg Rostock

100 Trecker rollen von Laage nach Rostock

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20:32 17.01.2020
Als es dunkel wurde, sah die beleuchtete Trecker-Karawane besonders beeindruckend aus. Quelle: Martin Börner
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Rostock/Laage

Hundert Trecker waren es am Ende, die durch den ganzen Landkreis und schließlich durch die Hansestadt Rostock rollten: Parallel zu den Bauernprotesten anlässlich der Grünen Woche in Berlinhaben am Freitag auch in MV wieder viele Landwirte ihren Unmut über die derzeitige Agrarpolitik zum Ausdruck gebracht. Von Laage ging der Rundkurs über Schwaan und Lambrechtshagen nach Rostock und dann über Sanitz wieder zurück nach Laage.

Das befürchtete Stau-Chaos in Rostock blieb aus – wohl auch, weil die Landwirte hinter ihrem Zeitplan zurückblieben. Erst kurz vor 18 Uhr erreichte der Korso die Hansestadt, da war der Feierabendverkehr zum Start ins Wochenende schon weitgehend durch. „Alles lief völlig problemlos – damit haben wir selbst nicht gerechnet“, sagte Polizei-Einsatzleiter Norbert Nissen am Ende. Nur ein Unfall am Rande des Protestkonvois trübte die Bilanz: Kurz hinter Laage fuhren vier Autos im Gegenverkehr ineinander. Dabei blieb es aber bei Blechschäden.

Leerer Kühlschrank

Eine Kundgebung, wie beim ersten großen Treckertreffen im Herbst in Rostock, gab es diesmal nicht. Der Weg war sozusagen das Ziel, denn der Termin am verkehrsreichen Freitagnachmittag war bewusst gewählt, erklärte Veranstaltungsleiter Detlef Nickel: „Wir wollten ein bisschen mehr Druck machen, auch auf den Verbraucher. Wir wollten ihm bewusst machen: Da gibt es Leute, die günstige Lebensmittel produzieren, die du im Supermarkt kaufst. Wenn wir nicht mehr da sind, ist der Kühlschrank morgen leer.“

Mit seinem Trecker war auch Landwirt Matthias Jähnke aus Wilsen bei Rostock dabei. Das Agrarpaket der Bundesregierung, das die Proteste ins Rollen gebracht hatte, würde für ihn massive Mindereinnahmen bedeuten, fürchtet er: „Durch die Düngeverordnung hätte ich Ertragsverluste von 10 bis 15 Prozent beim Getreide. Das wären für mich insgesamt 30 000 bis 40 000 Euro weniger.“ Auch die Einschränkungen beim Pflanzenschutz würden Jähnke treffen, meint er: „Der Aufwand für die Bodenbearbeitung wäre deutlich größer: Statt einem Mal müsste ich die Felder drei Mal pflügen. Das kostet Zeit und Geld.“ Und auch die Umwelt würde leiden: „Der Dieselverbrauch wäre durch das zusätzliche Pflügen um einige tausend Liter höher.“

Schon 1000 Mitglieder

Mit dem Erfolg der bisherigen Aktionen sind die Organisatoren zufrieden: „Die Reaktionen sind viel positiver als erwartet“, stellt Steven Hirschberg, Chef der Papendorfer Agrargenossenschaft, fest. Der 31-Jährige gehört zum Team der Initiative „Land schafft Verbindung MV“, die inzwischen gut 1000 Mitglieder zählt. Seit ihrer ersten Sternfahrt am 22. Oktober, bei der mehr als 1000 Landwirte mit rund 550 Traktoren aus ganz MV nach Rostock gekommen waren, um gegen das Agrarpaket zu protestieren, suchten die Bauern immer wieder das Gespräch mit Verbrauchern und Politik.

„Wir waren mit unserer Technik in Hamburg und Berlin, haben uns unter dem Motto ,Bauer sucht Kunde’ vor Supermärkten vorgestellt. Wir haben unseren Bundestagsabgeordneten Frühstückskörbe mit regionalen Produkten gepackt und die Probleme gleich oben drauf gelegt“, erzählt Hirschberg. „Wir wollen den Dialog und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeiten“, betont der Agrar-Chef. Der Vorstoß der Bauern trägt Früchte. „Die Politik hat uns bisher nur wahrgenommen – jetzt nimmt sie uns ernst und redet mit uns.“

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