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Rostock 17 Hippies: „Die Welt wird oberflächlicher – wir nicht“
Mecklenburg Rostock 17 Hippies: „Die Welt wird oberflächlicher – wir nicht“
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16:10 17.01.2019
Die 17 Hippies setzen ihre Musik gegen Verunsicherung und Selbstzweifel. Nun touren sie mit ihrer neuen Platte „Kirschenzeit“ durch Deutschland. Quelle: Schmidt-Schliebener
Rostock

Die 17 Hippies haben die Welt umtourt, angekommen sind sie dabei nie. Jetzt gehen die 13 Virtuosen wieder auf Deutschland-Tour und sind mit ihrem neuen Album „Kirschenzeit“ tiefgründiger, kritischer, reifer als je zuvor. Mit ihrer charmanten Mischung aus schrägen Balkanrhythmen, Seemansschunkelei, französischem Chanson, mexikanischen Trompeten und amerikanischen Country-Anleihen sind sie mit dem, was sie machen, einzigartig. Am 30. Januar sind die 17 Hippies im Rostocker Mau-Club. Wir haben mit Songwriterin und Gründungsmitglied Kristin „Kiki“ Sauer über Aufbruch, Wachstum und das neue Album gesprochen.

Kiki, du verbringst schon mehr als 20 Jahre mit den 17 Hippies. Macht das nicht müde?

Nein, es hält unglaublich wach. Wir entwickeln uns miteinander und sind neugierig auf das, was man noch rausholen kann. Die Welt dreht sich gnadenlos weiter. Digitalisierung verändert alles. Wir dachten schon nach der Wende, jetzt passiert hier etwas, aber heute passiert noch viel mehr. Auch nach 18 Platten sind wir nicht fertig, denken um, denken anders. Wir lehnen uns nicht zurück, suchen weiter und hinterfragen das, was in der Welt passiert. Mit „Kirschenzeit“ haben wir eine Kehrtwende gemacht und wollten wissen, wo wir heute eigentlich stehen.

Und was ist eure „Kirschenzeit“?

Das Album ist sehr privat geworden. Wir kommen zurück zu uns und unseren Empfindungen. Die neue Welt mit den Medien ist anders, oft unsicher und oberflächlich. Wir wollen Tiefgang zeigen und dafür sensibilisieren, wo unsere Gefühle sind. Mit dem Album haben wir etwas sehr Intimes geschaffen. Wir zeigen, was sich nur im Schutz eines starken Zusammenhalts bewahren lässt: Die Gefühle, die das Leben ausmachen. Der Albumtitel bezieht sich auf die deutsch-französische Geschichte. In Frankreich steht der Begriff „Kirschenzeit“ („Le temps des cerises“) sinnbildlich für Aufbruch. Die Barrikaden-Aufstände der Pariser Kommune von 1871 wollten die Welt verändern. Es gibt also jeden Grund, immer wieder neu anzufangen und nie aufzugeben. Ich bin jetzt Anfang 50 und sehe, dass viele Menschen keinen Bock mehr auf kritische Auseinandersetzung haben. Es wird oberflächlicher. Wir machen das Gegenteil.

Wie arbeiten 13 Musiker an einem Album?

Wir scheuen keine Auseinandersetzungen und bei uns hat jeder einen festen Platz. Ich schreibe viele Songs, Christopher macht die englischen Texte. Wir sind 13 starke Charaktere, unser Schlagzeuger ist 30 Jahre alt, das älteste Mitglied 66. Es gibt Tränen und Versöhnung, wir vertrauen uns blind und können einander zuhören. Das ist übrigens auch eine Sache, die manchen Menschen heute abhandenkommt. Wir sind wie eine Gang, die sich manchmal erschreckend einig ist. Auf Zeitreise durch unser eigenes Schaffen arrangieren wir alte Songs neu, entdecken etwas wieder, sehen Dinge mit anderen Augen.

Wie verändert sich eine Band, die es schon seit 1995 gibt?

Am Anfang waren wir wie Rattenfänger, die Leute kamen und gingen, wir lebten das Berlin der 1990er Jahre. Uns wurde bald k lar, wir wollten keine Hobbykapelle sein. Anfang der 2000er wurden die Flüge günstig und wir sind durch die ganze Welt gejettet. Das war eine intensive Zeit. Unsere Alben begleiten uns wie Momentaufnahmen und sind die Summe unserer Reisen, der Konzerte, der Höhen und Tiefen. Die Band hat seither eine Reife bekommen. Dass das Leben auch mal wehtut und es trotzdem weiter geht, thematisiert „Kirschenzeit“.

Also geht es im neuen Album auch um Wachstumsschmerz?

Jeder interpretiert unsere Musik anders – und das ist fantastisch. Wir spielen alte Songs und neue Lieder wie „Wach vor Liebe“. Das Stück erzählt davon, nachts vor Liebeskummer nicht schlafen zu können. Wer kennt das Gefühl nicht? Heute wissen wir, dieser Moment bringt uns weiter, es ist nicht schlimm. Deshalb haben unsere Songs etwas Versöhnliches. Es gibt immer einen Ausweg, wir entwickeln uns und sind mit unseren Empfindungen nicht allein. Egal wo, egal wie. Auch in Rostock nicht.

17 Hippies in Rostock

Im Frühjahr 1995 begannen Carsten Wegener, Christopher Blenkinsop, Kristin „Kiki“ Sauer und Reinhard „Koma“ Lüderitz mit den ersten traditionellen Songs. Seither sind die 17 Hippies durch die ganze Welt getourt. 17 Alben hat die dreizehnköpfige Berliner Band in Deutschland veröffentlicht. Am 7. Januar begann ihre Tour zum aktuellen Album „Kirschenzeit“. Einen Zwischenstopp machen sie auch in Rostock.

Kirschenzeit-Tour Mittwoch, 30.01.2019 im Rostocker M.A.U. Club Einlass: 19:00 Uhr / Beginn: 20:00 Uhr Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.kulturbotschafter-events.de Infos zur Band unter www.17hippies.de

Lea-Marie Kenzler

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