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Rostock 20 Vietnamesen starten Ausbildung in der Krankenpflege
Mecklenburg Rostock 20 Vietnamesen starten Ausbildung in der Krankenpflege
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00:00 21.08.2018
Pflegevorstand Annett Laban (3.v.l.) mit Projektassistentin Caren Erdmann (2.v.l.) und einer vietnamesischen Delegation beim Besuch des St.-Paul-Hospitals in Hanoi. Quelle: Foto: Unimedizin Rostock
Hansaviertel

Sind Krankenpfleger aus Vietnam ein gutes Rezept gegen den deutschen Fachkräftemangel? Dieser Frage wollen Politikwissenschaftler der Universität Rostock nachgehen. Die Experten des Lehrstuhls für Internationale Politik und Entwicklungszusammenarbeit begleiten ein bislang einmaliges Ausbildungsprojekt der Unimedizin an der Warnow.

Am 3. September beginnen 20 Vietnamesen eine duale Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die 16 Frauen und vier Männer haben bereits eine Pflegeausbildung in ihrer Heimat absolviert sowie ein Jahr die deutsche Sprache in Hanoi studiert.

Die dreijährige Berufsausbildung in Rostock findet im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojektes statt: Bis 2019 wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erprobt, Vietnamesen zu Krankenpflegern für den deutschen Arbeitsmarkt auszubilden – aktuell in Berlin, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. An der Universitätsmedizin Rostock ist für 2019 schon ein weiterer Ausbildungsgang mit Vietnamesen geplant.

Asiaten pflegen kranke Menschen am anderen Ende Welt: Wie dieses grenzüberschreitende Modell langfristig funktioniert, wollen die Rostocker Politikwissenschaftler unter Leitung von Professor Dr. Jörn Dosch untersuchen. „Sowohl die Bundesregierung als auch Mecklenburg-Vorpommern setzen wegen des Fachkräftemangels verstärkt auf Personal aus dem Ausland“, erklärt Politologin Dr. Ludmila Lutz-Auras.

„Uns interessieren die Ursachen dieser Entwicklung, aber auch die langfristigen Folgen.“ Weshalb entscheiden sich Vietnamesen für eine deutsche Ausbildung im 10000 Kilometer entfernten Rostock? Lassen sie sich langfristig halten? Und warum kooperieren beide Länder?

„Aus unserer Sicht profitieren alle Beteiligten“, sagt Caren Erdmann, Assistentin des Pflegevorstandes der Rostocker Unimedizin. Auf dem deutschen und dem europäischen Arbeitsmarkt sei kaum noch Pflegepersonal zu finden. Selbst Zeitarbeitsfirmen aus Rostock rekrutierten in Asien. Aufgrund der Überalterung der Gesellschaft wird sich die Situation weiter verschärfen, sagen Experten: Danach ist bis 2030 mit einem Bedarf von 100000 bis 500000 Pflegekräften zu rechnen. „Wir ziehen aber keine Fachkräfte aus Vietnam ab, sondern leisten Aufbauhilfe“, betont Caren Erdmann. So fänden viele vietnamesische Pfleger in ihrer Heimat keine Anstellung – trotz Universitätsabschluss. Die Pflege von Alten und Kranken ist dort noch oft eine Familienangelegenheit. „Durch die Ausbildung in Rostock fassen sie beruflich Fuß. Mit ihren Erfahrungen können sie in Vietnam eine Pflegeausbildung nach deutschen Vorbild aufbauen.“

Oberstes Ziel ist jedoch, die Azubis an Rostock und die Unimedizin zu binden. Die unterschiedliche Herkunft der Kollegen wird dabei zur Herausforderung. Das haben bisherige Erfahrungen mit Pflegekräften aus Serbien und Ungarn gezeigt. Um das gegenseitige Verständnis zu fördern, haben die Rostocker Politikwissenschaftler die Klinikmitarbeiter deshalb im Mai über Vietnam und nationale Eigenheiten informiert. „Typisch deutsche Umgangsformen wie offene Kritik oder anerkennendes Schulterklopfen sind für Vietnamesen tabu“, erklärt Politologin Lutz- Auras.

Ebenso werden die Vietnamesen in interkultureller Kommunikation und Kompetenz geschult: in Kursen des Rostocker Vereins „Diên Hông“, den ehemalige Vertragsarbeiter aus Vietnam 1992 gegründet haben.

Dass es in der Hansestadt seit den 1980er Jahren eine vietnamesische Gemeinde gibt, könnte ein Standortvorteil sein – und ein gutes Rezept gegen Heimweh. Ebenso wie die vietnamesischen Reiskocher, mit denen die Unimedizin die Wohnheimzimmer der neuen Azubis ausstattet.

OZ

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