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Rostock Ratten der Lüfte: Rostock verbietet das Taubenfüttern
Mecklenburg Rostock Ratten der Lüfte: Rostock verbietet das Taubenfüttern
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10:13 30.04.2019
Tauben auf dem Universitätsplatz in Rostock Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Ihr Kot verätzt Hausfassaden, Dächer und Denkmäler – und er kann Menschen sogar krank machen: Tauben werden in der Rostocker Innenstadt mehr und mehr zu einem Problem. „Vor allem rund um den Universitätsplatz und im Bereich der Marienkirche“, sagt Dr. Heike Neumann, Veterinärin der Stadtverwaltung.

Doch nun wird Rostock reagieren: Noch in diesem Jahr will das Rathaus das Füttern von Tauben per Satzung offiziell verbieten – und unter Strafe stellen. Wer den als „Ratten der Lüfte“ verschrienen Tieren dann noch Nahrung hinwirft, riskiert bis zu 5000 Euro Buße.

5000 Tauben in Rostock

Wie viele Tauben genau in Rostock leben – das Veterinäramt kann das für das gesamte Stadtgebiet nur schätzen. Bei einer Erhebung vor 20 Jahren wurden rund 5000 Tiere gezählt. „Der Bestand dürfte stabil geblieben, eher sogar zurückgegangen sein“, schätzt Amtstierärztin Neumann.

Aber: In einigen Bereichen der Hansestadt seien die Tiere dennoch zu einer Plage geworden. Auslöser ist der Mensch selbst – allen voran eine selbst ernannte Tierschützerin: „Seit Ende 2016 füttert eine Bürgerin die Tauben systematisch im Bereich der Marienkirche und am Universitätsplatz“, heißt es in der Antwort von Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) auf eine Anfrage der Linken.

Die Folge der Fütterung: Mehr und mehr Tauben würden in diese Bereiche gelockt. „Die Tiere haben kaum natürliche Feinde und vermehren sich durch unkontrolliertes Füttern stetig.“ Aus rund 70 Tauben, die rund um den Uni-Platz lebten, seien so in etwas mehr als zwei Jahren fast 300 Vögel geworden.

Mehrfach habe das Amt – so Amtstierärztin Neumann – das Gespräch mit der Frau gesucht und ihr klar gemacht, dass ihre Fütterungen auch für die Tiere nicht gut seien. „Eine Überpopulation verursacht auch bei den Tieren Stress und Leiden. Tauben zu füttern – das ist falsch verstandene Tierliebe.“

Gefahr aus der Luft

Für die Stadt und ihre Bewohner werden die Vögel zunehmend zum Problem: Der Kot der Tauben besteht zum überwiegenden Teil aus aggressiver Harnsäure. Sie frisst sich selbst durch das Gestein von Häusern.

Der Kot könne zudem stinken – und sei oft mit Keimen und Parasiten belastet. Nach Angaben des Veterinäramtes könnten die Exkremente zudem Salmonellen, Chlamydien und weitere gefährliche Erreger enthalten. „Besonders Personen, die aufgrund chronischer Erkrankungen oder nach einer medizinischen Behandlung ein eingeschränktes Immunsystem haben, könnten an diesen Erregern schwerwiegend erkranken“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Das Land MV habe verwilderte Haustauben daher als Gesundheitsschädlinge eingestuft – und die dürften im Zweifelsfall auch zum Schutz der Menschen „bekämpft“ werden.

Fütterverbot für Möwen und Tauben

Auch die Hansestadt reagiert nun auf die Plage: Eine neue Satzung, die das Füttern von Tauben im gesamten Stadtgebiet verbietet, sei in Arbeit. „Wir rechnen damit, dass die Satzung noch 2019 in Kraft treten kann“, sagt Heike Neumann. Eine ähnliche Verordnung gibt es in der Hansestadt für Möwen: Sie dürfen schon jetzt nicht gefüttert werden. Nach Angaben von Stadtsprecher Ulrich Kunze können diese Ordnungswidrigkeiten mit bis zu 5000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Andere Städte hätten mit einem Fütterverbot bereits gute Erfahrungen gemacht, sagt die Veterinärin der Hansestadt: „Die Tauben sterben nicht, wenn der Mensch sie nicht füttert. Sie finden selbst genügend Nahrung“, so Neumann. Aber je mehr Zeit die Tiere mit der Futtersuche verbringen müssen, desto weniger Zeit bleibe ihnen für das Brüten. „So reguliert man gezielt die Population.“

Wie sehr sich die Tiere an das Füttern durch den Menschen gewöhnen, zeige sich am Uni-Platz: Die Bürgerin, die der Stadt das Leben schwer macht, sei dort in der Regel zwischen 8 und 9 Uhr am Morgen unterwegs. „Die Tauben kommen zu dieser Zeit schon von alleine in die Stadt geflogen.“

Städtische Taubenschlag?

Und noch einen Plan gegen die Tauben-Plage hat die Stadt erarbeitet: Rostock will städtische Taubenschläge bauen. „Wir wollen die Tiere gezielt dorthin locken. Das hat mehrere Vorteile“, sagt Neumann und zählt auf: „Erstens haben wir die Population sehr genau im Blick – und auch etwaige Gesundheitsgefahren für die Menschen. Zweitens landet ein großer Teil des Kots dann im Schlag und nicht auf der Straße. Und drittens: Wir können die Eier der Tiere gegen Gipsnachbildungen austauschen und so die Zahl der Tauben regulieren.“

Das Projekt will das Veterinäramt gemeinsam mit dem Rostocker Tierschutzverein, dem Rostocker Rassetaubenverein und dem Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV betreuen. Alle Immobilieneigentümer in der Innenstadt und auch alle städtischen Liegenschaften seien dafür angeschrieben worden – mit der Bitte um Mithilfe. Ein konkreter Standort konnte aber noch nicht gefunden werden.

Unterstützung kommt nun aber von Rostocks Linken: „Zu viele Tauben sind für die Menschen eine Belastung und für die Tiere selbst auch. Ich wäre für ein Fütterungsverbot und für einen Taubenschlag. Davon profitieren beide, Mensch und Tier“, so Partei- und Fraktionschefin Eva-Maria Kröger.

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