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Rostock 70 Jahre verheiratet: Rostocker Paar verrät Geheimnis seiner Liebe
Mecklenburg Rostock 70 Jahre verheiratet: Rostocker Paar verrät Geheimnis seiner Liebe
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20:30 17.04.2019
Anneliese und Hans Wrobel sind beide 90 Jahre alt und feiern am 21. Mai ihren 70. Hochzeitstag. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Die Liebesgeschichte beginnt mit einem Donnerwetter: Es ist der 2. Mai 1946 und ein Gewitter tobt, als Hans Wrobel an die Schlosspforte klopft. Hier, im Spreewald-Dorf Groß Beuchow, hofft der 17-Jährige seine Eltern zu finden. Kriegs- und Wanderjahre liegen hinter ihm. Die Familie hat die alte Heimat Ostpreußen längst verlassen und soll nun in Groß Beuchow leben. Tatsächlich: Am Schloss schickt man den Fremden weiter zu einem Haus, in dem ein Wrobel wohnen soll. „Das erste, was ich dort sah, war ein hübsches, blondes Mädel, das mir gleich gut gefallen hat.“

„Es ist noch immer Liebe“

Die junge Frau, die Hans Wrobel damals so verzückte, sitzt heute, fast 73 Jahre später, in einer Rostocker Plattenbauwohnung neben ihm auf der Couch. Ihre Haare sind grau, die Augen fältchenumspielt. Dem Gefühl, das der 90-Jährige beim Anblick seiner Anneliese verspürt, hat die kleine Ewigkeit nichts anhaben können. „Es ist noch immer Liebe“, sagt er und drückt ihr sanft einen Kuss auf den Mund. Sie lächelt.

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Es funkt auf den dritten Blick

Vor dem allerersten Kuss muss Hans Wrobel erst einen Nebenbuhler ausstechen. „Sie hatte einen Kumpel, der hat mir nicht gepasst.“ Bei einer Party mit der Clique reichts ihm. „Da hab’ ich sie mir einfach geschnappt“, sagt er und lacht. Bei ihm sei es Liebe auf den zweiten Blick gewesen. „Dann war’s bei mir auf den dritten“, scherzt Anneliese Wrobel.

Beim ersten „Date“ gibt’s Pudding

Wobei auf den vierten wohl zutreffender wäre. Ihr erstes Treffen liegt nämlich solange zurück, dass sich nur Hans Wrobel daran erinnert. „Als Fünfjährige haben wir auf der Hochzeit meines ältesten Bruders zusammen Pudding gegessen“, erzählt er. Die Familienbande ist verzwickt: Denn besagter Bruder hat 1934 die Mutter von Anneliese geheiratet. Deshalb muss diese vor ihrer eigenen Trauung erst beweisen, dass sie mit ihrem Hans nicht blutsverwandt ist.

Dorfjugend als Hochzeitsplaner

Am 21. Mai 1949 dürfen sie endlich „Ja“ zueinander sagen. Die Dorfjugend richtet die Feier aus. „Brautkleid und Anzug haben wir uns von Freunden geliehen“, sagt Anneliese Wrobel, als sie gedankenversunken über das Schwarz-Weißfoto von ihrem Hochzeitstag streicht. Die Zeiten damals seien hart gewesen. „Wir waren so jung, hatten keine Unterstützung.“

Mit Kind und Kegel durch die DDR

In jenen ersten Ehejahren muss sie viel entbehren, auch ihren Mann. Der will seiner Familie Besseres bieten, als die kleine Bude, in der sie mehr schlecht als recht lebt. 1952 geht Hans Wrobel zur kasernierten Volkspolizei, dem Vorläufer der Nationalen Volksarmee, wird ein Jahr später Unterkommissar. Was er verdient, sendet er nach Hause. Er selbst wird kreuz und quer durch die DDR geschickt. Wohin er auch versetzt wird, seine Frau und die Kinder – eine Tochter und zwei Söhne – folgen ihm. Das geht nicht ohne weiteres. Manchmal leben Anneliese und Hans Wrobel ein Jahr lang in verschiedenen Orten, sehen sich nur an den Wochenenden.

Dickkopf und große Klappe

Die Fernbeziehung hält, weil sich die Wrobels bedingungslos vertrauen. Und weil seine Anneliese zu Hause den Laden schmeißt. Sie zieht die Kinder groß, geht arbeiten und ist immer wieder bereit, sich in fremden Städten einzuleben. „Davor habe ich eine große Achtung“, sagt Hans Wrobel. Die zupackende und selbstbewusste Art seiner Frau habe ihm von jeher imponiert. „Ja, früher hab’ ich eine große Klappe gehabt“, gesteht Anneliese Wrobel und lacht.

Zwei auf Achse

Den Ton gibt sie – wenn auch leiser – noch immer gerne an. Die Richtung auch: Das Paar spaziert täglich durch die Straßen von Groß Klein. „Manchmal auch weiter“, sagt Anneliese Wrobel. „Ja, wenn du mal wieder deinen Vogel kriegst“, neckt ihr Mann. „Ach was“, sagt sie. „Ich ströper gerne und Bewegung tut uns gut.“ Das Ausflüge halten den Körper fit, kleine Kabbeleien den Geist.

„Den Promis geht’s zu gut“

Na klar, es habe in ihrer Ehe auch hin und wieder größeren Krach gegeben. „Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen“, sagt Anneliese Wrobel. Doch wenn sie von Promi-Ehen hört, die schon nach wenigen Monaten scheitern, kann sie nur mit dem Kopf schütteln. „Denen geht es zu gut.“ Trennung? Das wäre ihnen nie in den Sinn gekommen, sagen die Wrobels. „Wir haben immer um unser Liebe Willen gekämpft.“ Manchmal gegen-, meistens miteinander.

Was sich neckt, das liebt sich

70 Jahre. Wenn eine Ehe so lange glücklich ist, muss es doch ein Geheimnis geben, oder? „Toleranz und Akzeptanz“, sagt Hans Wrobel. „Man muss einander vertrauen, Rücksicht nehmen, sich zuhören und aufeinadern eingehen.“ „Und den eigenen Kopf letztendlich doch durchsetzen“, fügt seine Liebste lachend hinzu. Was sich liebt, das neckt sich – bei den Wrobels stimmt der Spruch.

Er gibt klein bei

Richtigen Streit gibt es nur selten – zum Beispiel um das Fernsehprogramm. „Dann ist auch mal Funkstille, jeder liest sein Buch und nach ein paar Minuten ist alles wieder gut“, sagt Hans Wrobel. Lange böse sein können sie einander nicht. Sich anschweigen, wie es in vielen Langzeitehen passiert, auch nicht. Meist gebe er klein bei, sagt Hans Wrobel. „Ich bin der, der wieder Öl auf die Wogen gießt.“

„Wir sorgen füreinander“

Neben der Liebe zueinander verbindet die Beiden auch die zu ihren vier Enkeln und neun Urenkeln. Die Familie hilft, wenn Hilfe nötig ist. Vieles bewältigt das Paar allein. „Wir sorgen füreinander und hängen aneinander. Ich brauche meine Frau – nicht nur, weil sie gut kochen kann“, sagt Hans Wrobel schmunzelnd. Er wiederum ist seiner Frau eine Stütze, begleitet sie zu jedem Arzttermin und – in seinem Fall ein echter Liebesbeweis – beim Schaufensterbummeln.

„Unsere Liebe bleibt bis zum Schluss“

Anneliese und Hans Wrobel sind unzertrennlich. Doch Beiden ist bewusst, dass ihnen nicht unendlich viel gemeinsame Zeit mehr bleibt. Den Gedanken daran, dass einer von ihnen stirbt und den anderen zurücklässt, verdrängen sie. Lieber schauen sie auf das Schöne, was noch vor ihnen liegt: Am 21. Mai feiert das Paar seine Gnadenhochzeit, ein Essen mit der Familie ist geplant.

„Ewig werden wir nicht leben“, sagt Hans Wrobel und drückt die Hand seiner Anneliese. „Aber unsere Liebe, die bleibt bis zum Schluss.“

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