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Rostock 700 Wohnungen: Verlassene Kleingartenanlage in Rostock wird neues Stadtviertel
Mecklenburg Rostock 700 Wohnungen: Verlassene Kleingartenanlage in Rostock wird neues Stadtviertel
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05:00 13.08.2019
Auf dem Gelände der Gartenanlage Am Groten Pohl soll Bauland für künftiges Wohnen entstehen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Leben, wohnen und arbeiten: Am Groten Pohl in der Rostocker Südstadt soll ein modernes Stadtviertel entstehen. Neben 700 Wohnungen sind Schule, Kita, Geschäfte und ein Kreativ-Campus geplant. Aktuell herrscht auf dem Gelände jedoch Wildwuchs. Auch geriet eine der leer stehenden Gartenlauben kürzlich in Brand.

Zum Schutz vor Vandalismus habe das Rathaus bereits Tore und Zäune sichern lassen, teilt Stadtsprecher Ulrich Kunze mit. „Letztlich hilft nur ein Abriss der verlassenen Anlagen.“ Dieser sei in der aktuellen Brutschutzzeit jedoch nicht möglich, so Kunze.

So sieht es am Groten Pohl aus:

Eindrücke vom Gelände, auf dem 700 Wohnungen entstehen sollen.

Der Zustand wird wohl noch weiter andauern: Denn das Rathaus rechnet damit, dass die Erschließungsarbeiten am Groten Pohl frühestens Ende 2020 beginnen können. Grund: Nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanes gab es Einwände, die nun in einen neuen Entwurf eingearbeitet werden müssen. Zum Beispiel entfällt der geplante Kreisel im Eingangsbereich des Gebietes nordwestlich von Kaufland. Auch soll ein Gewerbegebiet in ein Mischgebiet umgewandelt werden. Die OZ gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der Planungen.

Das sind die Bauherren

Die Stadt will das 22 Hektar große Filetstück ohne Ausschreibung verkaufen – auf dem Wege der so genannten Direktvergabe. Aktuell steht das Rathaus mit einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) aus sechs Rostocker Wohnungsgenossenschaften in Verkaufsverhandlungen. Die Genossenschaften Marienehe, Neptun, Warnow, Rostock-Süd, Schiffahrt-Hafen und Neue Rostocker sollen sich verpflichten, sämtliche Planungs- und Erschließungskosten zu übernehmen. Auch sollen 20 Prozent der 700 neuen Wohnungen für untere und mittlere Einkommensschichten zur Verfügung stehen. Die WG Schiffahrt-Hafen koordiniert die Arge.

Das Rathaus will ein durchmischtes und modernes Innenstadt-Viertel am Groten Pohl schaffen. Dazu gehören Kita, Schule und weiterführende Bildungsangebote. Im Inneren des Viertels sollen die Wohnungen entstehen, außen herum sind Büro- und Gewerbegebäude geplant. Auch Ärzte wird es geben.

Brücke zum Lindenpark

Das neue Viertel soll frei von Durchgangsverkehr bleiben, Autos müssen in einem von zwei Parkhäusern am Rand abgestellt werden. Deshalb gab es bereits vor Jahren vom Ortsbeirat Südstadt den Hinweis, am nördlichen Ende des Quartiers über die bestehenden Bahngleise für Fußgänger sowie Radfahrer eine Verbindung zum Lindenpark zu schaffen. In der Grünanlage soll die Querung nahe des Borenweges auf einem städtischen Grundstück ankommen, wo aktuell Rohre über die Schienen verlaufen. „Die geplante Brücke in den Lindenpark ist im Bebauungsplan verankert“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Das passiert mit den Kleingärten

Am Groten Pohl gab es einmal 358 Kleingärten in vier Anlagen. „Die meisten Parzelleninhaber haben vom Angebot der Stadt Gebrauch gemacht und gegen Zahlung einer höheren Entschädigung ihre Parzelle aufgegeben“, sagt Kunze. Inzwischen seien alle Gelder ausgezahlt worden, so der Stadtsprecher.

Rund 20 Parzelleninhaber aus der Anlage „Pütterweg“ sperren sich jedoch und wollen ihre Anlage aufrechterhalten. „Sowohl Politik als auch Verwaltung haben mehrfach klar gemacht, dass an dieser Stelle keine Kleingartenanlagen erhalten werden können“, sagt Kunze dazu. Es sei angeboten worden, die neu erschlossene Kleingartenanlage in der Südstadt als Gemeinschaft zu übernehmen. „Das wurde abgelehnt.“

Das sind die nächsten Schritte

Derzeit wird der Bebauungsplan im Ergebnis der ersten öffentlichen Auslegung und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange überarbeitet. Geplant ist ein Beschluss der Bürgerschaft zur notwendigen zweiten Auslegung Ende 2019.

„Gesetzt den Fall, dass mit B-Plan, Erschließungsplan, Ausschreibungen der Erschließungsleistungen, die Verfügbarkeit von Firmen, Wetter und einigen Faktoren mehr, alles nach Idealfall verläuft, könnte in der Theorie im vierten Quartal 2020 Erschließungsbeginn sein“, sagt Kunze. Der Hochbau erfolge dann nach Erschließungsfortgang.

Roland Blank, Vorstand der WG Schiffahrt-Hafen, hofft ebenfalls, dass im nächsten Jahr Baurecht besteht. Dann können Wettbewerbe und Ausschreibungen folgen. „Wir werden sehr zügig arbeiten“, sagt Blank. Baubeginn könnte Ende 2021 sein. Und wann die ersten Mieter einziehen? Dazu wollte Blank lieber noch keine Aussage treffen.

Das regelt ein Bebauungsplan

Der Bebauungsplan (B-Plan) regelt, was wo gebaut werden darf, also die Art und Weise der möglichen Bebauung von Grundstücken und die Nutzung einer von Bebauung freizuhaltenden Fläche. Erstellt wird der B-Plan von der jeweiligen Gemeinde. B-Pläne sind Satzungen und damit örtliche Gesetze, an die Bauherren sich halten müssen. Eingesehen werden können die Pläne der Hansestadt unter www.rathaus.rostock.de.

An dem Plan können Bauherren erkennen, ob sich ein Grundstück in einem reinen Wohngebiet oder in einem Gewerbegebiet befindet. Auch ist geregelt, mit wie vielen Stockwerken oder bis zu welcher Höhe ein Haus errichtet werden darf, welche Flächenversiegelung zulässig ist und wie dicht die Bebauung auf dem Grundstück sein darf.

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