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Rostock Abschied nach 14 Jahren: Das alles hat Rostock OB Methling zu verdanken
Mecklenburg Rostock Abschied nach 14 Jahren: Das alles hat Rostock OB Methling zu verdanken
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17:11 28.08.2019
Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling steht vor dem Rathaus der Hanse- und Universitätsstadt: Am Sonnabend hat er seinen letzten Arbeitstag. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Nein, glamourös ist der Rahmen nicht. Staatstragend schon gar nicht, aber irgendwie dann doch passend: Roland Methling beendet seine politische Karriere dort, wo er sie auch begann – bei den Menschen „seiner“ Hansestadt, bei einem Volksfest. Am Sonnabendnachmittag – zur besten Kaffeezeit – hat Rostocks Noch-Oberbürgermeister seinen letzten offiziellen Termin. Beim Mühlenfest in Dierkow und Toitenwinkel. Danach ist Schluss, danach geht er in Rente. 14 Jahre seines Lebens hat er dann für Rostock gegeben. Was bleibt ist ein oft unterschätztes Lebenswerk.

Der Undiplomatische

Roland Methling habe mitunter Züge eines Elefanten. Das sagen Kritiker, aber auch Bewunderer des scheidenden Oberbürgermeisters. Und zwar aus zweierlei Gründen. Da wäre zum einen sein energisches, mitunter wenig diplomatisches Auftreten. Vor allem in seiner ersten Amtszeit hat ihm das eine Menge Ärger eingebracht. Die Bürgerschaft und der OB – sie lieferten sich einen Dauerzwist. Was Methling wollte, wollte die Bürgerschaft nicht. Aus Prinzip. Vermutlich war es andersherum genauso. Beschlüssen der gewählten Stadtvertreter widersprach Methling regelmäßig, die Bürgerschaft ließ wiederum Entscheidungen des OBs anfechten.

In den ersten Monaten, in denen Methling den Ehrgeiz entwickelt hatte, mit allen alten Seilschaften in Politik und Rathaus aufzuräumen, ging eine Menge des sprichwörtlichen Porzellans zu Bruch. Es gab Dienstaufsichtsbeschwerden, bei wichtigen Fragen monatelang Stillstand. Ja, sogar jahrelangen.

Erst in der zweiten Amtszeit wurde das Verhältnis zwischen Verwaltungschef und Politik spürbar besser. Weil auf beiden Seiten die Erkenntnis gereift war, dass es nicht ohne einander geht. Liebe aber wurde es nie zwischen Bürgerschaft und OB.

Vor allem zwei Themen waren es, in denen Methling und die Politik partout nicht auf einen Nenner kommen wollten. Der OB – ehemaliger Chef der Hanse Sail und Liebhaber von allem Alten und Maritimen – wollte das „Tradi“ unbedingt in den Stadthafen holen. Weg aus dem Iga-Park. Die Bürgerschaft sagte nein. Nach jahrelangem Hickhack beendeten erst die Wähler bei einem Bürgerentscheid die Debatte und die Pläne, das Schiff zu verlegen. Das dürfte Methlings größte Niederlage gewesen sein.

Auch in Sachen Volkstheater ging der OB auf Konfrontationskurs. Insbesondere mit dem einstigen Intendanten Sewan Latchinian. Methling hatte sich nie gegen einen Neubau ausgesprochen. Aber er sah nicht ein, weshalb die Stadt Jahr für Jahr mit zig Millionen eine einzige Kultureinrichtung bezuschussen sollte – und warum ausgerechnet das Theater von allen Sparbemühungen ausgenommen sein sollte.

Dafür ließ er sich beschimpfen und erniedrigen. Zu den bekanntesten Bildern aus seiner Amtszeit gehören jene, die ihn allein und scheinbar verlassen von allen vor seiner Bürotür zeigen, während Theaterfreunde und Latchinian-Jünger ihn anschreien und seinen Rücktritt fordern.

Er hat es ertragen. Weil er von seiner Sache überzeugt war. Er hat sich nie vom Kurs abbringen lassen. Das war oft gut so, manchmal aber erinnerte das auch an Käpt’n Ahab und die Jagd auf seinen weißen Wal.

Der Akribische

Die zweite Eigenschaft, die Methling mit einem Elefanten gemein hat, ist sein Gedächtnis: Er vergisst nicht und er vergisst nichts. Er erinnert sich an Gespräche, die Jahre her sind. An kleinste Details. Er gilt als geradezu besessener Aktenleser. Vorgänge, Themen und Projekte, die ihm wichtig sind, kennt er auswendig. Und zwar samt kompletter Historie.

Viele, viele Nächte hat er im Büro verbracht. Wer den OB mal in Ruhe sprechen wollte, musste sich auf einen Rückruf zu nachtschlafender Zeit einstellen. Selbst in den Urlaub – in sein geliebtes Ferienhaus in Schweden – soll er Akten mitgenommen haben. Akribisch nennt man das, pedantisch. Sogar zu einer Hochzeit im engsten Familienkreis, heißt es, soll er direkt aus dem Büro gegangen sein. Zum Glück fand die Eheschließung im Standesamt des Rathauses statt.

Das alles zeigt aber auch, wie sehr Methling sich in den Dienst Rostocks und der Rostocker stellte. Und wie er alles andere untergeordnet hat. Oft ist ihm selbst Klüngelei unterstellt worden, von Günstlingswirtschaft war immer mal wieder die Rede. Bewiesen wurde das nie.

Im Gegenteil: Auch bei vielen Bürgerschaftsmitgliedern reifte in den 14 Jahren die Erkenntnis, dass Roland Methling alles, was er macht, für Rostock macht. Für das, was er für „seine“ Stadt für richtig hält. Nie aber ging es um ihn persönlich.

Der Aufräumer

Als Methling 2005 sein Amt antrat, stand Rostock am Rande des Ruins. Die Stadt hatte zwischenzeitlich um die 200 Millionen Euro Schulden angehäuft. Keine Investition durfte ohne den Segen der Regierungsaufseher in der ungeliebten Landeshauptstadt Schwerin getätigt werden.

Rostock fremdbestimmt – das konnte Methling nicht akzeptieren. Gemeinsam mit der Bürgerschaft und befeuert von der guten wirtschaftlichen Entwicklung sanierte er den Haushalt, baute alle Schulden ab und fuhr zuletzt Millionenüberschüsse ein.

Wer behauptet, Methling habe Rostock kaputtgespart, muss sich aber nur mal Schulen, Straßen und Wege vergleichbarer Städte in anderen Bundesländern ansehen. Bis Lübeck etwa ist es nicht weit. In Evershagen wird bald die neue Brücke über die Stadtautobahn fertiggestellt. Die Vorpommern- und die Hundertmännerbrücke sind schon saniert. Schulen und Kitas wurden auf Vordermann gebraucht, Sportstätten ebenfalls und auch Stadtteilzentren. Südlich des Bahnhofs wird die Ostseesparkasse für die Stadt eine neue Halle für den Spitzensport bauen, in vielen Sportarten leistet sich Rostock Stadttrainer zur Nachwuchsförderung. Das ist auch der Verdienst von Roland Methling. Das sind die kleinen Denkmale seiner Amtszeit, die so nur wenige wahrnehmen.

Der Entwickler

Das eine Projekt, das für alle Zeiten mit Methlings Namen verbunden sein wird, gibt es nicht. Vielleicht ist das die Tragik seiner Amtszeit. Dabei war er maßgeblich hinter den Kulissen an großen Ansiedlungen in der Wirtschaft beteiligt. Daran zum Beispiel, dass EEW jetzt riesige Metallfundamente in Rostock produziert oder dass Liebherr weiter und weiter wachsen kann. Er hat Weichen gestellt, um aus der Wiro ein hochprofitables Wohnungsunternehmen zu machen, das gleichzeitig Millionen für die öffentliche Hand einbringt.

Und dass sich die Hanse- nun auch Marinehauptstadt nennen kann – ja, auch dabei hatte Methling seine Finger im Spiel. Denn so undiplomatisch er oft innerhalb Rostocks aufgetreten sein mag, so diplomatisch war in Gesprächen mit Bundesbehörden, mit internationalen Gästen und hohen Besuchern.

Rostock hat wieder einen Namen im Ostseeraum. Und daran hat Methling den maßgeblichen Anteil. Nur in Schwerin – bei jenen in der Landesregierung, die mit Geld zu tun haben – dürfte man sehr froh sein, wenn Methling nicht länger in regelmäßigen Abständen mehr für Rostock fordert.

Wenn Rostock 2025 tatsächlich die Bundesgartenschau ausrichtet, kurze Zeit später das Archäologische Landesmuseum und das neue Volkstheater eröffnen, der Stadthafen endlich umgestaltet ist – ja, dann hat das Rostock einem Mann zu verdanken, der dann schon seit Jahren im Ruhestand ist.

Jedenfalls als Oberbürgermeister. Denn dass Roland Methling jetzt keine Rolle mehr spielen wird in „seiner“ Hansestadt – daran mag kaum einer glauben. Und es wäre auch schade. Nicht für seine Familie, die 14 Jahre auf ihn verzichten musste, aber für Rostock. Für „sein“ Rostock.

Unternehmer loben Roland Methling für seine 14-jährige Amtszeit als Rostocks Oberbürgermeister. Auch Sportler und Sozialvereine bedanken sich für sein Engagement. Nicht ganz so zufrieden sind hingegen Kulturfreunde.

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Von Andreas Meyer

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