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Rostock „Ärgerliche Preise“ zur Hanse Sail: Darum sind die Hotel-Zimmer drei Mal so teuer
Mecklenburg Rostock „Ärgerliche Preise“ zur Hanse Sail: Darum sind die Hotel-Zimmer drei Mal so teuer
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17:46 19.07.2019
Die Hanse Sail zieht ein Millionenpublikum an, viele Besucher übernachten auch in Rostock. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Für Besucher der Hanse Sail wird das Seglerfest auch in diesem Jahr wieder ein teurer Spaß: Die Hotels verlangen während der Sail für ein Zimmer teilweise den dreifachen Preis im Vergleich zum normalen Hauptsaison-Tarif. So wird im Internet ein Doppelzimmer auch mal für über 400 Euro pro Nacht angeboten. Für die Verbraucherzentrale grenzt das an Wucher, die Hotels verweisen dagegen auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Die OZ hat sich auf einigen Buchungsportalen umgeschaut. Auf momondo.de etwa kostet ein Zimmer im Hotel „Sonne“ an dem Wochenende vor der Hanse Sail 133 Euro. Am Sail-Wochenende sind es 309 Euro – also weit mehr als das Doppelte. Für Hoteldirektor Carsten Jaeckel ist das ganz normal: „In Messestädten wie Frankfurt oder Berlin ist das 20- bis 30-mal im Jahr so.“ Ein Hotel müsse über das ganze Jahr kalkulieren. „Im Januar und Februar, wenn die Nachfrage geringer ist, müssen wir die Preise deutlich nach unten schrauben“, so Jaeckel. Und die Hanse Sail falle in die Hochsaison, in der Preise ohnehin schon hoch seien.

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Sie fallen auf und haben alle eine Geschichte zu erzählen. Die Schiffe, die zur diesjährigen Hanse Sail nach Rostock kommen, sind echte Hingucker. Während die einen aus dem nahen Umfeld stammen, nehmen einige andere weite Wege auf sich, um zum Fest zu gelangen.

Drei Nächte statt eine Woche

In Urlaubshotels komme oft noch ein weiterer Preisfaktor hinzu, erklärt Jaeckel, der zuvor lange ein Hotel in Warnemünde geleitet hatte: „Für das Hanse-Sail-Wochenende müssen sie Zimmer freihalten, die sonst in der Saison wochenweise vermietet würden.“ In den zwei oder höchstens drei Nächten, die die Gäste zur Hanse Sail buchen, muss also das Geld hereinkommen, das sonst in einer ganzen Woche verdient wird. Hinzu komme, dass Feriengäste auch meist im Hotel essen und trinken, während die Besucher der Hanse Sail sich eher auf der Festmeile versorgen.

Tipp: Direkt im Hotel buchen

Ein Zimmer im Hotel „Radisson blu“ kostet auf booking.com zur Hanse Sail 309 Euro, eine Woche danach nur noch 113 Euro. Auf anderen Portalen sind es zur Sail sogar rund 400 Euro pro Nacht. Hoteldirektor Daniel Bojahr kann diese Spitzenpreise nicht nachvollziehen, die Portale spiegelten nicht immer die tatsächlichen Preise wider. An besonders gefragten Terminen ließen sich zudem oft nur noch Zimmer buchen, die auch sonst teurer wären. Bojahr empfiehlt, sich bei seriösen Anbietern umzuschauen oder direkt beim Hotel zu buchen.

Allerdings auch dann seien die Preise zur Hanse Sail tatsächlich höher: „Es herrscht eine hohe Nachfrage, aber dafür wird ja auch viel geboten.“ Das Hotel erweitere seinen Service, um den Gästen für ihr Geld auch einen Mehrwert zu bieten. So gebe es auch 2019 wieder die Sail-Lounge im siebten Stock des „Radisson blu“.

Weitere Preisbeispiele aus dem Internet: Wer zur Sail ein Zimmer im „Pentahotel“ sucht, muss 280 Euro investieren, eine Woche später wären es nur noch 110 Euro. Im „Elbotel“ werden 239 Euro fällig statt 80 Euro am Wochenende darauf. „Die Preisgestaltung zur Hanse Sail liegen in der Verantwortung der einzelnen Übernachtungsanbieter und ist die Folge von Angebot und Nachfrage“, heißt es dazu aus der Tourismuszentrale. Der Gast habe eine breite Auswahl an Unterkünften in den verschiedenen Preissegmenten.

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Preise sind „ärgerlich“

Jürgen Fischer, Vorstand der Verbraucherzentrale MV, findet die hohen Preise dagegen „ärgerlich“. Es gebe zwar für die Hotellerie keine Preisvorschriften, „man könnte aber durchaus die Frage stellen, ob hier Wucher vorliegt.“ Das sei jedoch schwer nachzuweisen, denn zum Wucher gehöre das Ausnutzen eines Engpasses sowie einer Notlage. „Wenn jemandem ein Hotel zu teuer ist, kann er ja zu Hause bleiben oder ein Hotel außerhalb buchen“, so Fischer.

Er empfiehlt, rechtzeitig zu buchen, um den Mondpreisen zur Hanse Sail zu entgehen. „Viele Stammgäste wissen das auch und reservieren schon bei der Abreise ihr Zimmer für das nächste Jahr.“ Aber selbst dann sollte man sich ranhalten: Im „Trihotel“ kostet auf booking.com ein Zimmer für die Hanse Sail 2020 nur 103 Euro – weniger als halb so viel wie dieses Jahr. Allerdings sind bei dem Portal schon jetzt nur noch drei Zimmer verfügbar.

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Axel Büssem

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