Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ältere raus aus großen Wohnungen?
Mecklenburg Rostock Ältere raus aus großen Wohnungen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:00 30.07.2018
Anzeige
Stadtmitte

Der Partner verstirbt, die Kinder sind längst raus. Und trotzdem bleiben viele Rostocker Senioren allein in ihrer großen Wohnung zurück. Das liegt aber nicht daran, dass sie es unbedingt so wollen, sagt Kommunalpolitikerin Sybille Bachmann (Rostocker Bund). „Es gibt viele Ältere, die gerne in eine kleinere Wohnung umziehen würden. Doch weil die Gesamtmiete dann genauso hoch oder sogar teurer als bisher wäre, machen sie es nicht“, sagt Bachmann. Dabei werden große Wohnungen dringend für Familien gebraucht.

Die Stadtvertreterin schlägt nun vor, den Umzug für Ältere attraktiver zu machen: „Sie müssten in der kleinen Wohnung die gleiche Nettokaltmiete pro Quadratmeter zahlen wie bisher in der großen Wohnung.“ Unter dem Strich wäre das für die Senioren dann günstiger. Gleichzeitig würden die Rostocker Wohnungsgenossenschaften und auch das städtische Wohnungsunternehmen Wiro dabei kein Verlustgeschäft machen, so Bachmann. Denn die größeren Wohnungen könnten saniert und zu einem höheren, marktüblichen Preis vermietet werden – vor allem an Familien.

Wiro bietet Aktion schon an

Die Wiro bietet dieses Modell bereits seit Mitte Mai an, informiert Unternehmenssprecherin Dagmar Horning. Das Motto: „Bleib im Quartier – Miete stabil!“ Heißt: Wer innerhalb seines Stadtteils in eine Wohnung zieht, die mindestens zehn Quadratmeter kleiner ist als die alte, zahlt keinen Cent mehr pro Quadratmeter. Für drei Jahre wird die bisherige Nettokaltmiete in der neuen Wohnung festgeschrieben. „Wir erleichtern unseren Mietern damit die Entscheidung. Und gleichzeitig nutzen wir die vorhandenen Wohnungsflächen sinnvoller aus“, sagt Constanze Allwardt, Chefin der Wiro-Vermietung. Denn viele Mietinteressenten seien auf der Suche nach großen Wohnungen – aber das Angebot ist rar.

Wiro-Aufsichtsratschef Steffen Wandschneider-Kastell (SPD) spricht von einem schlauen Ansatz: „Es werden große Wohnungen frei und gleichzeitig bleibt den älteren Mietern etwas mehr Geld in der Tasche.“ Seine Beispielrechnung: Zahlen Alt-Mieter bisher fünf Euro pro Quadratmeter sind das bei insgesamt 80 Quadratmetern 400 Euro im Monat. Ziehen sie nun in eine kleinere Wohnung, sind aufgrund der gestiegenen Mietpreise heute sieben Euro pro Quadratmeter fällig – macht bei insgesamt 60 Quadratmetern schon 420 Euro. Greift aber der Aktionspreis von fünf Euro pro Quadratmeter, so beträgt die Miete in der kleineren Wohnung nur 300 Euro. Bereits 113 Interessenten

Auch für die Wiro lohne sich das wirtschaftlich, sagt Wandschneider-Kastell. Schließlich werden die größeren Wohnungen nun zu einem höheren Preis vermietet. „Das Angebot werden nicht Tausende wahrnehmen. Aber selbst wenn es 50 bis 100 sind, haben wir schon etwas gewonnen.“ Der SPD-Mann rechnet vor: „Werden pro Mietpartei zehn bis 15 Quadratmeter frei, haben wir schon 500 bis 1500 zusätzliche Quadratmeter für junge Familien geschaffen. Allein das lohnt sich.“

Tatsächlich haben sich in zwei Monaten bereits 113 Interessenten auf das Wiro-Angebot gemeldet. „Sie warten nun darauf, umziehen zu können“, sagt Horning. Es sei mitunter gar nicht so einfach, eine kleinere Wohnung im gleichen Quartier zu finden. „Wir stehen noch am Anfang des Projektes und freuen uns über das rege Interesse“, so die Sprecherin.

Aus Sicht von Wandschneider-Kastell ist der Preisnachlass eine von mehreren Möglichkeiten, das Wohnraum-Problem in Rostock zu verkleinern. „Neubauten allein reichen nicht aus“, betont er. Stattdessen sind viele kleine Aktionen nötig: „Hier eine Aufstockung von Wohngebäuden, dort eine Lückenbebauung.“

Genossenschaften zweifeln

Die Wohnungsgenossenschaften stehen dem Projekt hingegen skeptisch gegenüber. „Wir brauchen das nicht“, sagt zum Beispiel Volker Fritz , Vorsitzender der WG Union. „Die Preisspanne wird erst bei Neubauwohnungen relevant. Die Hälfte unseres Bestandes liegt bei einer Durchschnittsmiete von 5,30 Euro.“ Auch könne er nicht bestätigen, dass Ältere aufgrund der gestiegenen Mietpreise von einem Umzug in eine kleinere Wohnung Abstand nehmen. „Das sind Einzelfälle.“ Zudem müsse eine Genossenschaft auf die Gleichbehandlung achten. „Anders als bei der Wiro sind unsere Mitglieder unsere Gesellschafter.“

Laut Andreas Lübcke von der WG Schiffahrt-Hafen spielt bei einem Umzug nicht nur der Mietpreis eine Rolle, sondern auch Lage und Ausstattung. „Wenn ältere Mieter in einer oberen Etage wohnen, wollen sie irgendwann ins Erdgeschoss oder maximal ins erste Obergeschoss ziehen und geben ihre Wohnung auf“, sagt Lübcke. Ein Argument für einen Umzug könnte auch sein, dass es im neuen Haus einen Aufzug gibt. Zudem würden größere Wohnungen auch höhere Betriebskosten bedeuten. „Und das können sich viele gar nicht leisten“, so Lübcke. Die WG Schiffahrt-Hafen setze eher auf das Neubauprogramm. „Hier bekommen Familien größere Wohnungen.“ Zuletzt beispielsweise 40 Wohnungen im Patriotischen Weg.

20 Wohnbaugebiete hat die städtische Wohnungsgesellschaft Wiro bisher entwickelt und vermarktet. Rund 4200 Grundstücke hat sie verkauft; Beispiele sind Kassebohm, Obstplantage Evershagen, Tannenweg.

Ingesamt verfügt die Wiro über rund 36000 Mietwohnungen in allen Stadtteilen Rostocks.

Rund 9800 Wohnungen zählt die Wohnungsgenossenschaft Schiffahrt-Hafen. Sie ist mit etwa 10500 Mitgliedern die größte Genossenschaft Rostocks.

Fast genauso stark vertreten ist die WG Union mit mehr als 10000 Mitgliedern.

André Wornowski

160 Aktive genießen beim 17. Warnowschwimmen die familiäre Atmosphäre und den Blick auf die Silhouette Rostocks

30.07.2018

Wind erzeugt seltenes Wetterphänomen über Feld

30.07.2018

Mann bei einem Unfall am Hauptbahnhof schwer verletzt/ Busfahrer war offenbar abgelenkt

30.07.2018