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Rostock Rostocker Anwohner klagen über „Eis-Verkehr“
Mecklenburg Rostock Rostocker Anwohner klagen über „Eis-Verkehr“
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15:42 06.06.2019
Lkw´s, Touristen und Einheimische fahren die Hinrichsdorfer Straße rauf und runter. Es fehlen Fahrbahnmarkierungen, ein Gehweg und ausreichend Stellfläche für Pkw´s. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Seit etwa einem Jahr gibt es in der Hinrichsdorfer Straße rund um die dort ansässige Eiswerkstatt eine Halteverbotszone. Doch glaubt man den Aussagen einiger Anwohner, hat diese Maßnahme bisher keinen Erfolg gebracht. Weiterhin würden „Eisfans“ auf der Suche nach einer Erfrischung die Straße blockieren und Zufahrten zustellen. Der Ortsbeirat fordert nun von den Ordnungsämtern häufigere Kontrollen. Doch liegt das eigentliche Problem nicht woanders?

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„Am Wochenende ist das hier eine echte Völkerwanderung“, sagt ein Anwohner der Hinrichsdorfer Straße. Denn wenn Einheimische und Touristen auf dem Weg zu einem Ausflug durch die Hauptverkehrsstraße fahren, halten sie gerne mal an der Eiswerkstatt, um sich das beliebte DDR-Softeis zu gönnen. Da die gastronomische Einrichtung nur vier Parkplätze hat und an der Straße Holzpoller das Halten am Wegesrand verhindern, würden die Autos die Straße und den kleinen Trampelpfad blockieren.

Keine Wege für Laufkundschaft

Dieser ist für Fußgänger aber die einzige Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Denn ein offizieller Gehweg führt nur vom Dierkower Kreuz bis zum Saunahaus und mündet anschließend in den kleinen Trampelpfad. „Ich hab schon so oft gesehen, dass ältere Anwohner aufgrund haltender Transporter und Pkw auf die Straße ausweichen mussten. Was da alles passieren kann“, sagt ein anderer Anwohner.

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„Ich kenne den Pfad seit meiner Kindheit“, sagt der Inhaber der Eiswerkstatt, Felix Rehberg. Er ist in der Straße aufgewachsen und hat 2017 eine Filiale seines Unternehmens „Eiswerkstatt“ eröffnet. Dass der Pfad bisher nicht vernünftig ausgebaut wurde, könne er nicht verstehen. „Stattdessen hat man hinter unserem Gebäude, entlang der Bahnstrecke, für viel Geld einen Fahrradweg gebaut. Über diesen kann man uns und die anderen Unternehmen in der Straße aber nicht erreichen.“

Trampelpfad, Radweg und Flickenteppich: Das Verkehrsproblem in der Hinrichsdorfer Straße in Bildern.

Hoher Verschleiß durch Lieferverkehr

Hinzu kommt, dass der Lieferverkehr in der Straße enorm ist – zum Leid vieler Anwohner. „Hier gibt es viele Unternehmen. Entlang der Straße sitzen Speditionen, Autohäuser, Supermärkte oder auch Nordex“, sagt Rehberg. In direkter Umgebung der Eiswerkstatt eröffnet die Bäckerei Nowak bald eine neue Filiale, gegenüber sitzt Kältetechnik Sass und ein Stück weiter die Dekra. „Auch die werden per Lkw beliefert“, sagt Rehberg.

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Die Straße ist von dem hohen Verkehrsaufkommen gezeichnet: Straßenmarkierungen sind nicht mehr zu erkennen, an vielen Stellen wölbt sich der Asphalt und die notdürftig gestopften Schlaglöcher lassen die Hauptverkehrsader zwischen Dierkow und Graal-Müritz wie einen Flickenteppich erscheinen. „Irgendwie hat man die Straße in der Verkehrsplanung wohl vergessen“, sagt Rehberg. Dass jedoch die Besucher der Eiswerkstatt den Verkehr blockieren und Zufahrten zustellen, sehe er nicht. „Das habe ich so noch nicht erlebt. Wenn, dann halten unsere Kunden ja nur kurz und sind dann gleich wieder weg.“

Ortsbeirat fordert Ordnungsamt

Auf dem Parkplatz prangt ein Schild, das den Besuchern verdeutlicht, dass sich am Dierkower Kreuz, also etwa 300 Meter entfernt, ein großer Parkplatz befindet. „Aber viele Menschen sind zu faul und wollen mit ihrem Auto direkt in die Filiale fahren“, sagt ein Anwohner. Oft würden die motorisierten Besucher darüber hinaus mit Unverständnis reagieren, wenn man sie auf ihr Fehlverhalten hinweist.

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Die Zustände in der Straße waren nun auch Thema in der Sitzung des Ortsbeirates Dierkow-Ost und -West. „Die Stadt muss das Halteverbot in der Straße einfach durchsetzen und regelmäßig kontrollieren“, fordert der Vorsitzende des Ortsbeirates, Uwe Friesecke. Er sieht Gefahren für die Anwohner: „Muss denn erst ein Kind totgefahren werden, damit sich etwas bewegt?“ Die Leitung des Ordnungsamtes habe dem Ortsbeirat eine Prüfung des Anliegens zugesichert.

Infrastruktur als eigentliches Problem?

Laut Felix Rehberg ist es damit jedoch nicht getan. Schließlich sei die Hinrichsdorfer Straße kein Wohn-, sondern ein Mischgebiet und die Stadt müsse schauen, wie sie die Infrastruktur dort entsprechend ausstattet. „Genau gegenüber von meinem Geschäft gibt es eine lang gezogene Grünfläche. Diese kann man nutzen, um einerseits die Fahrbahn zu verbreitern beziehungsweise um Parkmöglichkeiten zu schaffen.“

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Moritz Naumann