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Rostock Ärger um neue Siedlung in Sanitz: Hausbesitzer wehren sich gegen Wohngebiet
Mecklenburg Rostock Ärger um neue Siedlung in Sanitz: Hausbesitzer wehren sich gegen Wohngebiet
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06:00 02.10.2019
Tom Pribbernow (v.r.), Steffen Falck und Sascha Zapf haben im Wohngebiet Katswall in Sanitz Außengrundstücke erworben, nun soll das Feld hinter ihnen bebaut werden. Quelle: Doris Deutsch
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Sanitz

Das Maisfeld hinter dem WohngebietKatswall“ in Sanitz ist abgeerntet. Die Bewohner der angrenzenden Grundstücke genießen den freien Blick. Doch schon bald wird es damit vorbei sein. Hier entsteht das neue Wohngebiet „An der Hasenkuhle“ mit etwa 60 Baugrundstücken. Investor war die Norika Kartoffelzucht GmbH Groß Lüsewitz, die auf ihrem Acker Häuser wachsen sehen wollte. Vor zwei Wochen hat Norika das etwa 6,8 Hektar große Grundstück an die Rostow Bau GmbH verkauft, ein Rostocker Unternehmen, das schlüsselfertige Massivhäuser errichtet.

Hausbesitzer fühlen sich getäuscht

„Wohnraum wird gebraucht.“, stellt Steffen Falck klar, „Wir können und möchten nicht verhindern, dass hier gebaut wird.“ Schließlich seien er und seine Nachbarn selbst glücklich gewesen, als sie vor gut zwei Jahren ihre Einfamilienhäuser am Katswall beziehen konnten. Doch sie fühlen sich heute arglistig getäuscht – vor allem vom Grundstücksverkäufer, der Sico Projektentwickung GmbH, und der Gemeinde Sanitz. „Die Grundstücke in Richtung Groß Lüsewitz wurden ausnahmslos allen Käufern als Randgrundstücke beschrieben und auch teurer verkauft“, berichtet Sascha Zapf. Auch er gehört zu den 15 Bauherren am Feldrand, die etwa 20 Prozent mehr für ihre Grundstücke zahlen mussten.

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Höherer Preis für freien Blick

„125 Euro pro Quadratmeter, das ist angesichts heutiger Preise moderat. Aber deshalb sind wir ja auch nach Sanitz gezogen“, stimmt Tom Pribbernow ein. Der höhere Preis sei allen mit dem freien Blick begründet worden, der Tatsache, dass dies Außengrundstücke seien und hier keine weitere Bebauung erfolgen werde. „Das war gelogen. Nach nicht einmal zwei Jahren soll hier ein neues Wohngebiet angeschlossen werden“, betont Falck. Dabei verkrafte die Infrastruktur in Sanitz kaum noch mehr Anwohner. „Die Schule platzt aus allen Nähten, Kitas haben keine freien Plätze mehr, die Feuerwehr ist für diese Größe nicht ausgestattet“, zählt Pribbernow auf. Hier müsse dringend nachgebessert werden.

Gespräche mit Investor und Bürgermeister

„Dennoch: Wachstum ist wichtig“, sehen die Familien aus der Außenreihe ein. Deshalb suchen sie den Dialog, bringen sich mit Vorschlägen und Forderungen in die Gestaltung des B-Plans ein. In Gesprächen mit Investor und ehemaligem Bürgermeister wurden Kompromisse verabredet zu Abstandsregelung und einer Höhenbegrenzung in der ersten Reihe des neuen Wohngebietes. Ein breiter Grünstreifen sollte nach Vorstellung der Anwohner beide Wohngebiete trennen, die Firsthöhe der Häuser in der ersten Reihe sollte die eines Bungalows nicht überschreiten. Außerdem sollte die Straßenführung vom engen Lüsewitzer Weg aus überdacht werden.

Anwohner mit überarbeitetem B-Plan nicht zufrieden

Im angepassten B-Plan fanden sich die Vorschläge nicht wieder. Ein weiteres Gespräch wurde anberaumt. „Das war schon deutlich aggressiver“, erinnert sich Falck. Gestritten wurde über die Haushöhe. Ein Vollgeschoss mit einer maximalen Höhe von 8,50 Meter wurde im Planentwurf für die erste Baureihe notiert. „Ein Bungalow ist das nicht“, betont Pribbernow. Auch der Grünstreifen war plötzlich schmaler, nur noch sieben Meter breit. Die Anwohner wurden „abgewatscht“, „uns wurde vorgeworfen, dass wir uns baurechtlich nicht ausdrücken könnten“, ärgern sich die Bewohner der Außenreihe.

Sie bleiben weiter am Ball, suchten das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister Enrico Bendlin. Er habe den Bewohnern des Katswall den aktuellen B-Plan gezeigt. „Da war schon wieder Grün weg“, sagt Zapf. Wieder sei es um Bungalows gegangen. Das Treffen war vor zwei Monaten, seitdem herrscht Funkstille. Tom Pribbernow hat mit dem Bürgermeister telefoniert. „Da hat er mitgeteilt, dass weder die Gemeinde noch der Investor Interesse an Bungalows hätten auf etwa zehn Randgrundstücken“, erzählt Pribbernow. Nun hat der Investor gewechselt, die Hausbaufirma Rostow wird die Grundstücke vermarkten. Inwieweit sie auf die Anliegen der Nachbarn eingeht, bleibt abzuwarten.

Verhandlungen mit neuem Investor stehen an

Bürgermeister Enrico Bendlin (CDU) hat das neue Wohngebiet „geerbt“, er gibt sich durchaus kompromiss- und gesprächsbereit. „Grundsätzlich befinden wir uns in einem laufenden B-Plan-Verfahren“, erklärt Bendlin. Es habe eine öffentliche Beteiligung gegeben, die auch die Anwohner vom Katswall genutzt hätten. „Derzeit werden die Eingaben geprüft“, sagt Bendlin, dann würde der B-Plan erneut beraten in Bauausschuss und Gemeindevertretung, die habe auch die letzte Entscheidung. Er versuche, als Mediator aufzutreten, so Bendlin. „Die Gemeinde hat einerseits ein Interesse daran, ein attraktives Wohngebiet zu planen, das sich auch füllt. Andererseits nehmen wir die Bedenken der Sanitzer ernst, die hier leben.“ Nach dem Verkauf der Fläche stünden nun ohnehin Verhandlungen mit dem neuen Investor an.

Darauf setzen die Grundstücksbesitzer der Außenreihe im Katswall. Sie beharren auf ihren Forderungen: Grünstreifen, Firsthöhe von Bungalows und Straßenführung. „Darauf sollte man sich doch im Interesse aller einigen können“, spricht Steffen Falck für die betroffenen Familien.Mehr zum Thema:
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Von Doris Deutsch