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Rostock Ärger um neue Wiro-Häuser in Rostock
Mecklenburg Rostock Ärger um neue Wiro-Häuser in Rostock
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20:47 09.10.2019
Martina Zückner und Frank-Peter Maaß stehen vor einer Fläche, auf der die Wiro weitere Häuser bauen will. Im vergangenen Jahr sind hier Garagen abgerissen worden. Quelle: André Horn
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Rostock

Großer Unmut bei Anwohnern im Rostocker Stadtteil Reutershagen: Direkt neben ihre Einfamilienhäuser an der Kuphalstraße und am Reutershäger Weg baut die kommunale Wohnungsgesellschaft Wiro mehrgeschossige Wohnhäuser. „Wir haben von dem Vorhaben erst durch den Abriss der Garagen erfahren“, sagt Frank-Peter Maaß. Zwei dreigeschossige Gebäude mit jeweils neun Wohnungen sind nun bereits entstanden. Weitere sollen folgen. „Die Infrastruktur unseres Wohngebietes gibt das aber nicht her“, sagt Maaß. Er deutet auf die enge und kaputte Stichstraße, die in den Reutershäger Weg führt.

Was die Anwohner besonders wurmt: „Wir hätten auch gern höher gebaut, durften vor acht bis zehn Jahren aber nur ein- oder anderthalbgeschossig bauen. Der Wiro wird nun eine wesentlich höhere Bebauung gestattet“, sagt Maaß. Die Anwohner haben inzwischen 54 Unterschriften gesammelt. Sie fordern einen Bebauungsplan für das Gebiet, um rechtlich mehr Möglichkeiten zu bekommen, ihre Interessen und Wünsche einzubringen.

Die Stichstraßen zu den gebauten und geplanten Wohnhäusern in Reutershagen sind eng und kaputt. In direkter Nachbarschaft liegt ein eiszeitlicher Soll – und zahlreiche Einfamilienhäuser.

Aktuell werden die Vorhaben der Wiro im unbeplanten Innenbereich nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches genehmigt. „Die Stadt und die Wiro arbeiten hier Hand in Hand“, sagt Maaß. Seit April warten die Anwohner auf genaue Informationen, wie die Häuser aussehen sollen, die noch in dem Gebiet geplant sind. Doch dazu gebe es bisher keine konkreten Informationen. „Die Wiro stellt ihre Vorhaben nur Scheibchenweise vor und schafft Fakten“, sagt Maaß.

Klage bei Verwaltungsgericht eingereicht

Besonders betroffen von der neuen Bebauung ist Martina Zückner – nur wenige Meter hinter ihrem Grundstück beginnt die Wiro demnächst mit dem Bau zweier weiterer Dreigeschosser. Und auch neben ihrem Einfamilienhaus sollen noch Wohnhäuser entstehen. Zückner ist deshalb bereits vor das Verwaltungsgericht in Schwerin gezogen. Ihr Eilantrag ist dort jedoch abgelehnt worden.

„Wir haben gegen die Ablehnung Beschwerde eingelegt. Die Entscheidung hat ein Richter von seinem Tisch aus getroffen, ohne sich das hier mal anzuschauen“, sagt Zückner. Sie hofft nun auf das sogenannte Hauptsache-Verfahren. „Wir sind nicht gegen den Bau von Häusern. Aber diese müssen sich vernünftig in die Umgebung einfügen und wir müssen vernünftig darüber informiert werden“, betont die Frau.

Ortsbeirat verhindert noch höhere Bebauung

Im Ortsbeirat Reutershagen ist das Thema am Dienstag erneut hochgekocht. Rund 20 Anwohner waren dort, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Dringend erwünschte Auskünfte von der Wiro gab es dort aber erneut nicht. „Wir erwarten dies zur nächsten Sitzung im November“, sagt Ortsbeiratschef Peter Jänicke (Linke).

Der Ortsbeirat sieht aktuell wenig Handlungsspielraum. „Es müssen erst die konkreten Pläne vorliegen, dann können wir dazu Stellung beziehen“, so der Tenor. Die Anwohner befürchten jedoch, dass es dann zu spät sein könnte. Immerhin: Bei den bereits begonnenen Bauvorhaben der Wiro gelang es dem Ortsbeirat nach eigenen Angaben, eine noch höhere Bebauung mit vier Geschossen zu verhindern.

Stadt sieht keinen Grund für Bebauungsplan

Rostocks Stadtplanungschef Ralph Müller teilte dem Ortsbeirat bereits mit, dass er für einen Bebauungsplan keinen Grund sieht. Schließlich müssten sich die Bauvorhaben der Wiro schon jetzt nach den vorgegebenen Kriterien des Baugesetzbuches in die nähere Umgebung einfügen. „Dies wird für jedes einzelne Vorhaben geprüft“, heißt es im Rathaus. Und aus Sicht der Stadtplaner ist das Wohngebiet nicht nur durch Einfamilienhäuser geprägt, sondern im nördlichen Bereich auch von höheren, dreigeschossigen Gebäuden. Die vorhandene Infrastruktur bewertet das Rathaus zudem als ausreichend.

Die Wiro antwortet auf OZ-Nachfrage, dass mit den Stadtplanern für die weiteren Bauvorhaben bereits ein städtebauliches Konzept erarbeitet worden sei. Dieses werde im Ortsbeirat der Öffentlichkeit präsentiert. „Wir haben all unsere Pläne im Ortsbeirat vorgestellt und werden das auch künftig so beibehalten“, so Wiro-Sprecher Carsten Klehn.

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Von André Horn

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