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Rostock AfD-Demo in Rostock: 1000 Gegner dürfen in Sichtweite protestieren
Mecklenburg Rostock AfD-Demo in Rostock: 1000 Gegner dürfen in Sichtweite protestieren
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13:13 26.03.2019
Gegendemonstranten ziehen durch die Hamburger Straße. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Am Ende hat die Stadt doch noch eingelenkt: Die knapp 1000 Gegendemonstranten durften am Montag dichter an die AfD-Demo heranrücken, als vorher angekündigt. Aus Sicherheitsbedenken hatte das Rathaus den Protest zunächst nur bis zur Goerdelerstraße im Stadtteil Reutershagen zugelassen. Nach einiger Kritik an dieser Einschränkung durften die Gegendemonstranten dann bis zum Markt vorgehen. Auswirkungen auf die Sicherheitslage hatte das offenbar nicht: Laut Polizei gab es keine größeren Vorkommnisse.

Lediglich zum Anfang kommt es zu einer Rangelei am Holbeinplatz. Teilnehmer einer interreligiösen Kundgebung fühlen sich von der Anwesenheit des Rechtspopulisten und Islamkritikers Michael Stürzenberger provoziert. Die Polizei spricht zwei Platzverweise aus. Insgesamt sind 600 Beamte im Einsatz – die meisten davon kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, eine Hundertschaft aus Hamburg und einige Kräfte aus Schleswig-Holstein.

Ruf nach Bürgerentscheid

Später tritt Stürzenberger dann als Redner bei der AfD-Kundgebung auf dem Markt Reutershagen auf. Laut Polizei haben sich hier rund 250 Teilnehmer versammelt. Das Motto: „Keine Moschee in Rostock.“ Steffen Reinicke vom Kreisverband der AfD in der Hansestadt fordert einen Bürgerentscheid. 4000 Unterschriften seien dafür in einem ersten Schritt notwendig. „Zum Beten braucht man kein Gebäude“, sagt Reinicke. Das gehe überall. „Zur Not auch auf dem Scheißhaus.“ Die Menge klatscht.

Knapp 1000 Gegendemonstranten, rund 250 AfD-Sympathisanten und 600 Polizisten waren auf der Straße.

Ein 55 Jahre alter Selbstständiger lauscht Reinickes Worten. Er ist das erste Mal bei einer AfD-Demo. „Ich bin hier, weil ich mir das Thema anhören wollte“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will und in der Altstadt wohnt. Er ist der gleichen Meinung wie Reinicke: „Wir brauchen keine Moschee in Rostock.“ Der 55-Jährige hätte sich gewünscht das noch mehr zur Demo gekommen wären: „Für die Bedeutung des Themas sind das heute viel zu wenig.“

Aufgeheizte Stimmung

Kritisch sieht einen Bürgerentscheid auf der anderen Seite ein 30 Jahre alter Ingenieur aus Evershagen. Auch er will seinen Namen nicht nennen. „Ein Bürgerentscheid funktioniert nur, wenn die Bevölkerung vorher breit informiert wird“, sagt der Mann. Stattdessen werde die Diskussion aktuell aber politisch aufgeheizt, so der Gegendemonstrant.

Erst in der Nacht zu Freitag haben Unbekannte mehrere weiße Holzkreuze auf dem Gelände im Hansaviertel aufgestellt, das für den Bau einer Moschee im Gespräch ist. Auf den insgesamt 17 Kreuzen standen jeweils Ort und Anzahl der Getöteten von Terroranschlägen. Anfang März hatten Unbekannte zudem einen Schweinekopf und -pfoten auf dem Gelände abgelegt. Später erhielten Anwohner Flyer, die zum Protest gegen den Moscheebau aufriefen. Auch sind täuschend echt wirkende Ortsschilder auf Arabisch an den Einfahrtsstraßen nach Rostock angebracht worden.

Der 30-Jährige Ingenieur aus Evershagen war schon häufig bei Protesten gegen die AfD dabei. „Ich bin für eine vielfältige Stadtgesellschaft“, sagt er. Die AfD repräsentiert aus seiner Sicht nicht, was die meisten glauben. Deshalb gehe er auf die Straße. Die Beteiligung am Montag stimmt ihn positiv: „Ich bin zufrieden, solange die Gegendemonstranten in der Mehrheit sind.“

In Würde beten

Die AfD warnt bei ihrer Kundgebung vor einer fremden und aggressiven Religion. „Der Islam ist verfassungsfeindlich und gehört verboten“, sagt Landessprecher Dennis Augustin. Die Gegendemonstranten hingegen treten dafür ein, dass auch Muslime in Rostock eine Möglichkeit bekommen sollen, in Würde zu beten. Bei einer interreligiösen Kundgebung betonen das auch Ökumene-Pastor Tilman Jeremias, Maher Fakhouri vom Islamischen Bund Rostock und Angie Driesnack für die Bahai-Religion. Juri Rosov, Leiter der Jüdischen Gemeinde, hat sich hier ebenfalls als Redner angekündigt, lässt sich aber krankheitsbedingt entschuldigen.

Anwohner in Reutershagen beobachten das Demonstrations-Treiben aus ihren Fenstern. Andrea Stern ist sogar auf die Straße gekommen, als die Gegendemonstranten an ihrem Haus vorbeiziehen. „Das ist eine gute Sache. Wir sind doch alle nur Menschen und gleich“, betont die 53-Jährige.

André Wornowski

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