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Rostock AfD-Demo in Rostock: Bündnis fordert Gegenprotest in Sichtweite
Mecklenburg Rostock AfD-Demo in Rostock: Bündnis fordert Gegenprotest in Sichtweite
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16:20 22.03.2019
Das Bündnis „Rostock nazifrei“ ruft zum Protest gegen die AfD-Demo am Montag auf. Enrico Schlickeisen (v. l.), Isabelle Pejic, Simon Broß und Diakon Arne Bölt halten ein Banner vor dem Rostocker Rathaus. Quelle: André Wornowski
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Rostock-Reutershagen

Aufregung vor der Demonstration der Alternative für Deutschland (AfD) am Montag in Reutershagen: Das Bündnis „Rostock nazifrei“ ist sauer, weil das Rathaus keinen Gegenprotest in Hör- und Sichtweite zulasse. „Die Stadt erfreut sich stets an der positiven Außenwirkung, dass so viele Rostocker gegen die AfD auf die Straße gehen. Aber sie selbst tut nichts dafür“, sagt Isabelle Pejic. Zwar dürfe das Bündnis bis auf 125 Meter an die AfD-Demo auf dem Markt Reutershagen heranrücken, womit die für Sicht- und Hörweite vorgeschriebenen 130 Meter unterschritten werden. „Aber genau zwischen uns und der AfD steht ein Einkaufszentrum“, sagt Arne Bölt, Diakon der evangelischen Innenstadtgemeinde.

Das Bündnis rechnet am Montag mit mehr als 1000 Gegendemonstranten. Diese ziehen am Montag gegen 17 Uhr vom Holbeinplatz über die Tschaikowski-Straße bis zum Ende der Ulrich-von-Hutten-Straße. Gern würden die Protestler nun auch noch die Goerdelerstraße überqueren und sich auf dem hinteren Teil des Marktes Reutershagen aufstellen. Doch das erlaubt die Stadt nicht – aus Sicherheitsgründen. Die Goerdelerstraße müsse als wichtige Zufahrtsstraße frei bleiben, heißt es. Die Gegendemonstranten überzeugt das nicht. „Nach der Überquerung könnte die Goerdelerstraße sofort wieder freigegeben werden“, sagt Pejic.

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AfD fordert Bürgerentscheid

Das Bündnis verweist auf die vergangenen neun AfD-Demos in Rostock, bei denen der Gegenprotest stets ohne Vorkommnisse verlaufen sei. „Wir fordern von der Stadt, dass sie bis spätestens Montag auf uns zukommt und unsere Strecke erweitert“, sagt Pejic. Andernfalls ziehe das Bündnis Konsequenzen. Was das konkret bedeutet, wollte Pejic auf Nachfrage nicht beantworten. Nur so viel: „Es wird die künftige Kooperation mit der Stadt betreffen.“ Diakon Bölt betont: „Es gibt ein Recht auf freie Meinungsäußerung, das gilt auch für die AfD, aber es muss auch Gegenprotest möglich sein.“

Die AfD demonstriert gegen den Bau einer Moschee in Rostock. Es ist im Gespräch, dass das Gotteshaus auf einer Rasenfläche im Hansaviertel entstehen könnte. Die AfD spricht von einem „umstrittenen Islamverein“ als Bauherren und warnt: „Dies hat nachhaltige Folgen für unsere Stadt. Wir fordern daher die Beteiligung der Rostocker am Entscheidungsprozess im Rahmen eines Bürgerentscheids.“ Zur Bekräftigung ihrer Forderung und „um die weitere Islamisierung unserer Heimat zu verhindern“, ruft die AfD nun am Montag ab 18 Uhr auf dem Markt in Reutershagen zur Demonstration auf.

Motto des Gegenprotests: „Interreligiöse Solidarität“

Das Bündnis „Rostock nazifrei“ protestiert dagegen unter dem Motto „Interreligiöse Solidarität“. Zum Auftakt gibt es eine Kundgebung um 16.30 am Holbeinplatz. „Wir sind für einen kritischen Umgang mit dem Thema Moschee-Bau. Aber die Diskussion sollte offen und respektvoll geführt werden und nicht mit Schweineköpfen auf dem Bauplatz“, sagt Simon Broß. Wie die Polizei mitteilt, haben Unbekannte in der Nacht zu Freitag zudem mehrere weiße Holzkreuze auf dem Gelände aufgestellt. Auf den insgesamt 17 Kreuzen standen jeweils Ort und Anzahl der Getöteten von Terroranschlägen. Die Beamten haben die Kreuze inzwischen sichergestellt.

„Wir sind gegen Aufrufe, eine Religionsgemeinschaft auszuschließen und zu verunglimpfen“, sagt Diakon Bölt. Es müsse auch für Muslime die Möglichkeit geben, in Rostock in würdiger Art und Weise zu beten.

Hier gibt es Sperrungen

In Reutershagen gelten am Montag von 8 bis 24 Uhr in folgenden Straßen Haltverbote: Walter-Stoecker-Straße, Etkar-André-Straße, Liselotte-Hermann-Straße, Werner-Seelenbinder-Straße, Bonhoefferstraße und Goerdelerstraße.

Rund um den Markt in Reutershagen ist in dieser Zeit ein vollständiges Halteverbot angeordnet. Dieses gilt für folgende Parkplätze und Parktaschen: Reutershagen Markt, Conrad-Blenkle-Straße und Bernhard-Bästlein-Straße (bis Willi-Schröder-Straße).

Der Markt Reutershagen und die Walter-Stoecker-Straße werden von 17 bis 24 Uhr voll gesperrt. Damit ist die Zufahrt nach Reutershagen II nur noch über die Goerdelerstraße in Richtung Bonhoefferstraße möglich.

Im Hansaviertel wird ab 12 Uhr ein Teil der Parkplätze in der Hans-Sachs-Allee zeitweilig gesperrt. Ab etwa 17 Uhr werden der Busverkehr der Linien 25 und 39 sowie der Regionalbusverkehr der Linien 121 und 128 zeitweilig von Sperrungen und Umleitungen betroffen sein.

Sämtliche mobilen Gegenstände, die sich auf Verkehrsflächen befinden, sollten gesichert oder beseitigt werden. Sperrmüll und Elektroschrott sollten nicht öffentlich gelagert werden. Die Recyclingcontainer für Glas, Papier und Textilien sollten am 25. März 2019 nicht genutzt werden.

André Wornowski