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Rostock Rostocks Händler wehren sich gegen Belastungen durch Groß-Demos
Mecklenburg Rostock Rostocks Händler wehren sich gegen Belastungen durch Groß-Demos
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12:20 20.10.2018
Polizei stellt Absperrungen auf. Quelle: Johanna Hegermann
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Stadtmitte

Die Rostocker Innenstadt wird am Sonnabend wieder zur Sperrzone: Wegen der AfD-Demonstration und den geplanten Gegenveranstaltungen werden mehrere Straßen gesperrt, Busse und Bahnen umgeleitet, Parkverbote ausgesprochen. Für Handel und Gastronomie drohen damit erneut erhebliche Einbußen. Sie fordern mehr Rücksicht auf ihre Interessen. „Das geht schon teilweise in Richtung Existenzbedrohung“, warnt City-Manager Peter Magdanz. „Manche Geschäfte machen am Sonnabend 60 Prozent ihres Wochenumsatzes.“ Bei der letzten Großdemo am 22. September seien die Umsätze ab 14 Uhr gegen null gegangen.

Johannes Hülsmann, Geschäftsführer bei Galeria Kaufhof, klagt: „Demonstrationen sind ein wichtiges Element der Demokratie. Aber wenn sie gehäuft und in solchem Ausmaß in einer Innenstadt stattfinden, dann hat das auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen.“ Am 22. September seien nur etwa halb so viele Kunden gekommen wie sonst an einem Sonnabend – mit entsprechenden Folgen für den Umsatz. „Da wird uns die Geschäftsgrundlage abgeschnitten.“ Dennoch bleibe das Warenhaus auch am kommenden Sonnabend bis 20 Uhr geöffnet.

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Radikale Forderung

Juwelier Witt am Neuen Markt hatte damals bereits mittags dichtgemacht – und wird es wohl auch diesmal wieder tun. „Ich halte gar nichts davon, dass wir so in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagt Karl-Heinrich Witt. „Eine kleine Gruppe demonstriert, und alle anderen müssen darunter leiden.“ Witt hat eine radikale Forderung: „Die Veranstalter der Demo und auch der Gegendemos sollten alle Kosten tragen – auch unsere Einbußen.“ Eine Alternative wäre für ihn, die Demo an den Stadtrand oder in ein Gewerbegebiet zu verlegen. Auch Magdanz regt an: „Die Demonstrationsfreiheit muss gewährleistet bleiben, aber man sollte überlegen, ob man Ort und Zeit nicht anders wählt.“ Hier sei die Stadtverwaltung gefordert.

Stadtsprecher Ulrich Kunze entgegnet: „Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Dazu gehört auch, dass der Anmelder den Ort einer Demo selbst wählen kann.“ Die Veranstaltung an einen anderen Ort zu verlegen, sei sehr problematisch. „Das geht nur, wenn gerichtsfest dargelegt werden kann, dass Sicherheit und Ordnung an diesem Ort nicht gewährleistet werden können“, sagt Kunze. „Eine Belastung für die Zivilgesellschaft reicht als Begründung nicht aus – bei allem Verständnis für die Händler.“

Einkaufen soll möglich bleiben

Polizeisprecherin Dörte Lembke betont: „Die Probleme der Anwohner sind uns bekannt, ich habe auch mit einigen Händlern persönlich gesprochen. Unsere Aufgabe wird es sein, das öffentliche Leben in der Innenstadt aufrechtzuerhalten – und dazu gehört auch, das Einkaufen in den Geschäften zu ermöglichen.“ Gleichzeitig müsse aber für die Teilnehmer der Demos das Recht auf Versammlungsfreiheit gewährleistet werden. Lembke wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Demonstranten erwartet und wie viele Polizisten eingesetzt werden.

Auch Gastronomen sind besorgt

Nicht nur Händler, auch Gastwirte seien wegen der Demos besorgt, sagt der Rostocker Chef des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Kai Dau. „Vereinzelt wurden sogar schon Veranstaltungen abgesagt, weil die Kunden Angst hatten, in die Innenstadt zu kommen.“ Das könne zu einem dauerhaften Imageschaden für die Hansestadt führen. „Das passiert ja nicht nur einmal im Jahr, sondern es häuft sich.“ Auch Dau würde sich wünschen, dass die Demonstrationszüge so geleitet werden, dass Anwohner möglichst wenig beeinträchtigt werden. „Und Straßen müssten nicht komplett gesperrt werden, sondern nur nach Bedarf“, findet er.

Entspannter blickt Christiane Winter-Thumann, Sprecherin der Arcona Gruppe, auf den kommenden Sonnabend: „Wir gehen offen damit um: Wir haben unseren Gästen im Hotel Sonne und in der Kleinen Sonne mitgeteilt, dass sie mit einer Großveranstaltung rechnen müssen. Abgesagt hat deswegen niemand.“ Zwar sei die Gastronomie nicht so gut besucht wie sonst, aber das könne auch passieren, wenn etwa die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt, meint Winter-Thumann. „Es ist mit Aufwand verbunden, es ist nervig, aber so etwas gehört eben zur Demokratie dazu.“

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