Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ungeplanter Halt der „Aidaprima“: Kommen Riesen-Schiffe jetzt häufiger nach Warnemünde?
Mecklenburg Rostock Ungeplanter Halt der „Aidaprima“: Kommen Riesen-Schiffe jetzt häufiger nach Warnemünde?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:52 04.10.2019
Erstmals hat am Freitag die „Aidaprima“ in Warnemünde festgemacht. Es ist der erste Anlauf eines Schiffes der neuesten Generation aus der Flotte von Aida Cruises. Quelle: Aida Cruises
Anzeige
Rostock

Für viele See(h)leute war es der überraschende Höhepunkt der Kreuzfahrt-Saison 2019, für den Hafen eine „Grenzerfahrung“, für Aida Cruises eine „gelungene Generalprobe“: Zum ersten Mal hat am Freitag eines der neuesten Schiffe der Rostocker Kreuzfahrt-Reederei in Warnemünde festgemacht.

Weil sie Stockholm und St. Petersburg nicht anlaufen konnte, machte die „Aidaprima“ in der Warnow fest – begleitet von hunderten Schaulustigen an Land und auf Ausflugsbooten. Ein Spektakel zum Saisonabschluss.

Neues Ziel für große Schiffe?

Die „Aidaprima“ ist eines der jüngsten Schiffe der Kussmundflotte: Erst im Mai 2016 wurde der fast 300 Meter lange Urlaubsriese, der in Japan gebaut wurde, getauft. Jünger als die „Prima“ sind nur ihre Schwester „Perla“ und der jüngste Aida-Riese, die „Aidanova“. In Rostock – dem „Heimathafen“ der Reederei – war bisher aber keines der großen, neuen Schiffe. Denn bisher hatten die Nautiker der Reederei Bedenken: Das Fahrwasser im Seekanal sei für Schiffe dieser Größenordnung problematisch, zu eng. Deshalb stationierte Aida die „Prima“ in der Sommersaison in Kiel – und nicht an der Warnow.

Bildergalerie: Die „Aidaprima“ in Warnemünde

Die schönsten Bilder vom Überraschungsbesuch des Kreuzfahrtriesen an der Warnow.

Doch nun wagte die Reederei doch den Anlauf im Heimathafen: Im Morgengrauen glitt die „Prima“ unter dem Kommando von Kapitän Marc-Dominique Tidow ohne Probleme zwischen den Molenköpfen hindurch zur Wendeplatte und weiter an den Liegeplatz P7. „Das war für uns auch nautisch eine Premiere. Alles hat gut geklappt. Wir haben bewiesen, dass in Warnemünde auch Anläufe mit unseren neuen Schiffen funktionieren“, sagt Aida-Vize-Präsident Hansjörg Kunze.

Ob Aida nun häufiger mit den „großen Pötten“ nach Warnemünde kommt – Kunze sagt dazu noch nichts. „Wir nehmen aber wohlwollend zur Kenntnis, dass alles geklappt hat und Warnemünde unseren Gästen auch Anfang Oktober noch etwas zu bieten hatte. Wir sind mit offenen Armen willkommen geheißen worden.“

Kraftakt im Hintergrund

Dem Anlauf war ein echter Kraftakt vorausgegangen: Erst knapp 18 Stunden vor dem Anlauf entschied sich Aida, nach Warnemünde auszuweichen. Wegen schlechten Wetters in der nördlichen Ostsee konnte das Schiff, das sich auf einer siebentägigen Rundreise ab Kiel befindet, weder St. Petersburg noch Stockholm anlaufen. „In St. Petersburg wurden von der dortigen Schifffahrtsverwaltung die Fluttore geschlossen. Ein sehr seltenes Ereignis“, sagt Kunze. In Schweden sei die Passage durch die engen Schärengärten bei Sturm ebenfalls zu riskant gewesen. „Der Kapitän hat deshalb mit unserer Operationszentrale entschieden, nach Warnemünde auszuweichen.“

Rostocks Hafenkapitän Falk Zachau sagt, in Rostock sei daraufhin eine ganze Maschinerie in Gang gesetzt worden: „Wir brauchten von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung eine Genehmigung für den Anlauf, Schiffsmakler und Festmacher mussten informierten werden“, so Zachau. Für Warnemünde kein Problem: „Wir regeln das alles auf dem kurzen Dienstweg und per Telefon, innerhalb weniger Stunden. Wir sind darin geübt und nicht umsonst Kreuzfahrthafen Nummer eins an der deutschen Ostsee.“

Es wird knapp im Hafen

Dass der beste Liegeplatz – P7 – frei war, sei ein Glück gewesen, so der Hafenkapitän. „Am Liegeplatz P8 haben wir schon angefangen, das mobile Terminal und die Sicherheitszäune abzubauen. Die Saison ist schließlich so gut wie vorbei.“ Doch selbst am P7 wurde es am Freitag eng: „Der Liegeplatz ist 275 Meter lang, die ‚Prima‘ aber knapp 300 Meter. Ihr Heck ragte in das Werftbecken hinein. Vor allem für die Festmacher war das keine ganze leichte Übung“, sagt Zachau.

Alternativ hätte das Schiff den Seehafen anlaufen und dort festmachen können. Der Anlauf habe aber auch gezeigt, dass es Handlungsbedarf in Rostock gibt: „Auch die Kreuzfahrtschiffe werden immer größer. Dafür sind wir zum Teil noch nicht ausgelegt. Unsere Kai-Anlagen und Hafenbecken stammen aus den 1960er Jahren. Da war alles noch eine Nummer kleiner.“ Im Werftbecken und auch im Seehafen plant Rostock neue Terminals für Kreuzfahrtschiffe. „Auch über eine Erweiterung der Wendeplatte müssen wir nachdenken“, sagt Zachau. „Wir stehen vor großen Herausforderungen.“

Entschädigung für Passagiere?

Mehr als 4000 Gästen bietet die „Prima“ Platz: „Wir bedauern sehr, dass wir den Passagieren nicht Stockholm und St. Petersburg bieten konnten“, sagt Kunze. „Aber der Besuch in Rostock und Warnemünde hat viele Gäste hoffentlich versöhnt.“ Ob die Passagiere für den Ausfall der beiden Highlights der Ostsee-Tour dennoch eine Entschädigung erhalten, ließ Kunze offen: „Das klären wir individuell. Aber gegen das Wetter sind wir leider auch machtlos.“ Die Schiff-Fans in Warnemünde waren die Nutznießer.

Kreuzfahrt-Saison vor dem Ende

Nur noch vier Anläufe erwartet der Hafenbetreiber Rostock Port in diesem Jahr. Rund 200 Schiffe werden dann in Warnemünde und Rostock festgemacht haben. „2019 war erneut ein hervorragendes Jahr für den Kreuzfahrthafen Rostock, auch wenn wir rein zahlenmäßig die Rekordsaison 2018 nicht toppen konnten. Denn es geht hierbei nicht in erster Linie um Bestmarken, sondern es geht vor allem um Qualität“, sagt Hafen-Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD). „Knapp 200-mal haben Stadt und Rostock Port bewiesen, dass wir die gigantische Logistik eines Kreuzfahrtanlaufs professionell und reibungslos bewältigen können. Und knapp 200-mal waren wir tausenden Kreuzfahrtpassagieren aus aller Welt ein guter Gastgeber.“ Und weiter: „Mit der neuen Landstromanlage machen wir bald einen wichtigen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit im Kreuzfahrttourismus. Freuen wir uns also gemeinsam auf die Saison 2020!“ Vielleicht bald mit Aidas größten und schönsten Schiffen als Dauergästen.

Bildergalerie: Alle Kreuzfahrtschiffe und Anläufe in MV 2019

Schiffegucken in Rostock, Wismar, Sassnitz und Stralsund: 47 Kreuzfahrtschiffe nehmen Kurs auf MV.

Mehr zum Thema:

Erfolg für Unternehmer aus Grimmen: Aida holt seine Mode an Bord

Aidaprima“ dreht vor St. Petersburg um

Von Andreas Meyer

Bei dem Kommunalpolitiker der Grünen war eine Aufzucht von acht Hanfpflanzen entdeckt worden. Daraufhin ließ er sein Mandat in der Bürgerschaft ruhen. Nun kehrt der 34-Jährige auf die Polit-Bühne zurück – was auch auf Kritik stößt.

04.10.2019

Pro Tag werden im Arla-Werk in Upahl (Nordwestmecklenburg) 1,2 Millionen Liter Milch angeliefert und verarbeitet. Wie daraus Produkte entstehen, durften unsere Reporter live erleben.

03.10.2019

Der 5. Buchhandlungspreis wurde am 2. Oktober in Rostock verliehen / Auch die Buchhandlung Möwe aus Warnemünde war unter den 118 Preisträgern

03.10.2019