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Rostock Albaniens Regierungschef stellt seine Kunst in Rostock aus
Mecklenburg Rostock Albaniens Regierungschef stellt seine Kunst in Rostock aus
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09:02 17.11.2018
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama (links) stellt seine Werke in der Kunsthalle Rostock aus. Vor der Eröffnung berät er mit Galerist Ulrich Gebauer (Mitte) und Kunsthallenchef Uwe Neumann, wie die Skulpturen am besten zur Geltung kommen.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama (links) stellt seine Werke in der Kunsthalle Rostock aus. Vor der Eröffnung berät er mit Galerist Ulrich Gebauer (Mitte) und Kunsthallenchef Uwe Neumann, wie die Skulpturen am besten zur Geltung kommen. Quelle: Thomas Mandt
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Hansaviertel

Edi Rama ist ein Mann von Format und fällt aus jedem Rahmen: Der Zwei-Meter-Hüne ist renommierter Künstler und zugleich Premierminister von Albanien. Macht und Malerei seien totale Gegensätze, sagt Rama. Und doch gehen sie in seinem Fall offenbar gut zusammen, zeichnet er doch seine Grafiken im politischen Alltagsgeschäft. Eine Auswahl ist jetzt in Rostock zu sehen. In der Kunsthalle setzt Rama sie höchstselbst in Szene.

„A stunning space“ – ein umwerfender Raum – schwärmt Edi Rama, als er am Freitagnachmittag jeden Winkel im White Cube mustert. Vom Boden bis zur Decke ist jede Wand mit seinen Kunstwerken überzogen. Das Kunsthallen-Team hat Ramas schrillbunte Grafiken auf sieben Meter lange Bahnen drucken lassen und den würfelförmigen Raum damit zutapeziert. „Ich bin stolz, dass wir das geschafft haben“, sagt Christof Kraft, technischer Leiter in der Kunsthalle, während er gerahmte Zeichnungen aus ihren Luftpolsterfolien befreit. Die sollen auch an die Wand. Wer die Farbflächen und Kringel genau betrachtet, entdeckt Pflanzenteile, den Umriss einer Taube, Beine mit Stöckelschuhen. Und fast immer schimmert die Malunterlage durch. Mal ist das eine Akte, mal ein Kalenderblatt. Edi Rama nickt zufrieden, so hat er sich das vorgestellt.

Was zu seinen Füßen liegt, kann dem 54-Jährigen weniger gefallen: Ramas fünf Keramikskulpturen haben die Anreise vom Balkan nicht unbeschadet verkraftet. Hier ein Riss, da eine abgeplatzte Ecke – fragiles Material und abenteuerliche Verpackung, das geht nicht gut zusammen. Rama nimmt’s gelassen. Nichts, was sich nicht kitten ließe. „Morgen kommt der Keramiker aus Tirana und repariert das“, sagt Ulrich Gebauer. Der Berliner Galerist hat den Künstler in der Bundeshauptstadt empfangen und nach Rostock begleitet. Für den Premier eine Premiere: Es sei sein erster Besuch in der Hansestadt, sagt Edi Rama. Was hat ihn hierher gelockt? „Da müssen Sie schon ihn dort fragen“, sagt Rama, lacht und deutet auf Uwe Neumann.

So farbenfroh ist die neue Ausstellung in der Kunsthalle.

Der Kunsthallenchef hat Edi Rama vor drei Jahren in einer Berliner Galerie kennengelernt. „Seine Arbeiten haben mich sofort fasziniert. Wir sind ins Gespräch gekommen“, erzählt Uwe Neumann. „Ich habe ihn dann in Tirana besucht.“ In Ramas Regierungsbüro habe er nicht nur dessen Kunstwerke bestaunt und ihn nach Rostock eingeladen. „Wir haben zusammen auch ein paar Körbe geworfen.“ Denn Rama ist nicht nur ausgebildeter Künstler und Politiker. In den 1980er Jahren war er Basketballprofi, brachte es bis ins albanische Nationalteam. Heute drippelt er zur Entspannung im Kryeministria, seinem Amtssitz. Sein Büro ist zugleich Atelier: Egal, ob Rama gerade telefoniert, mit Politikern verhandelt oder eine Konferenz abhält – meist malt er dabei mit einem Filzstift in Akten oder seinem Terminkalender herum. Sein Gesprächspartner braucht sich deshalb nicht grämen. Rama kritzelt nicht aus Langeweile, sondern weil er gar nicht anders kann. „It’s a natural part of my life“, sagt er beinahe entschuldigend. Es sei Ausdruck seines Naturells. Außerdem steigere es die Konzentration. Rama ist und bleibt Künstler mit einem ruhelosen, kreativen Geist.

Und er gibt sich gern lässig, auch in der Kunsthalle. Der Premier trägt Turnschuhe und Steppmantel. Personenschutz? Fehlanzeige. Rama ist als Privatmann in Rostock, hat sich vom albanischen Botschafter herchauffieren lassen. Auch beim Mittag keine Allüren: Statt zum Staatsbankett mit Politgrößen geht’s ins Kunsthallen-Bistro. Zurück im White Cube will Edi Rama seine Skulpturen in Szene setzen. „Die niedrige kommt dahin“, sagt er, greift sich einen Styroporsockel und platziert ihn an gewünschter Stelle. Uwe Neumann schaut ihm zu und schmunzelt. „Es ist verrückt. Ich kann kaum glauben, dass er tatsächlich hier ist.“ Es sei ein verspätetes Geschenk zu Rostocks 800. Stadtgeburtstag.

Die Ausstellung wird Samstagabend von Edi Rama selbst eröffnet. Sie ist bis zum 6. Januar in der Kunsthalle zu sehen.

Edi Rama stellt aus

Eröffnung: 17. November, 18 Uhr

Ausstellung: 18. November. 2018 bis 6. Januar 2019

Eintrittspreis: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro)

Antje Bernstein