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Rostock Alter Strom nur noch eine Touri-Meile?
Mecklenburg Rostock Alter Strom nur noch eine Touri-Meile?
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00:00 26.07.2018
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Warnemünde

Tausende Menschen strömen derzeit durch das Ostseebad. Einer der Hauptanlaufpunkte ist der Alte Strom. Die Besucher wollen hier das typische Urlaubsbild auf der Bahnhofsbrücke knipsen und an den Fisch-Kuttern entlang schlendern. Doch das romantische Bild vom kleinen Fischerort verblasst.

Urlauber und Einheimische wünschen sich wieder stärkeren Bezug zur Fischerei im Ostseebad.

„Die Struktur des Einzelhandels orientiert sich zunehmend an Masse“, sagt Burkhard Rhode vom Handelsverband Ostseeküste. Es gebe mehr und mehr Imbisskutter. „Was schnelles Geld bringt, bringt Masse und Masse ist interessant. Das ist der Gang der Dinge“, fasst Rhode zusammen. Doch das zerstöre die Infrastruktur von Warnemünde. „Dabei ist es eigentlich ein Kleinod, mit kleinteiligem Einzeltourismus und Gastronomie mit Stil. Das ist etwas Besonderes an der Küste.“

„Das ist eine Touri-Meile. Den Charme von früher hat der Strom total verloren“, urteilt Monika Bergen-Wendland. Sie hat früher im Seebad gewohnt, lebt jetzt in Berlin und kommt noch immer gern nach Warnemünde. „Doch früher haben hier Fischer ihren Fang gelöscht und ihre Netze fertiggemacht. Das war Heimat“, erzählt sie. Das Altverbundene würde nun fehlen. „Die Einheimischen wollen kaum noch rausgehen.“

Sie steht mit ihrer Meinung nicht allein da. „Es ist schade, dass die ganzen Läden und deren Auslagen auf dem Trottoir überwiegen“, sagt Angelika Bockholt aus der Schweiz. So könne man kaum die schönen Fassaden sehen. Sie kann sich vorstellen, dass der Ort gewinnen würde, wenn es nicht nur am Wochenende einen Fischmarkt gebe. „Für einen Fischverkauf am frühen Morgen würde ich extra nach Warnemünde fahren.“

Kathrin Hackbarth vom Tourismusverband MV weiß, dass Fischer, wie auch Eisverkäufer und der Fischbrötchenverkäufer, zum Flair des Seebads gehören. „Doch die Fangquoten schränken die Betreiber ein und gefährden sie.“ Sie unterstreicht jedoch die Bedeutung von Warnemünde. „Es ist ein sehr attraktiver Hotspot und hat eine der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste – Flaniermeile in Mecklenburg.“

Das würde nun einmal viele Touristen locken und auch die Kreuzfahrer bringen viele Tagesgäste. „Wer dem Trubel entfliehen möchte, hat mit der Rostocker Heide die Natur in unmittelbarer Nähe.“

Peter Franke und seine Frau genießen den Urlaub im Seebad. „Die Abwechslung ist da, man kann essen, trinken und etwas erleben.“ Auch der Dresdner Tourist Maik Hönel findet es schön. „Aber ich war zu DDR-Zeiten in Warnemünde, da war alles anders.“

Dietmar Vogel vom Handels- und Gewerbeverein Warnemünde weiß, dass sich der Alte Strom in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat. „Aber man kann sich der Zukunft nicht verschließen“, betont er. Zwar habe sich fast jeder Kutter in eine Fischbude verwandelt, „aber man ist doch froh, wenn man die Schiffe überhaupt noch aufrechterhalten kann“.

„Der Erhalt der Traditionsschiffe ist aus touristischer Sicht wichtig und wir begrüßen die Initiativen von vielen Freiwilligen und von Vereinen, die sich der Traditionspflege verschrieben haben“, sagt Matthias Fromm von der Tourismuszentrale. Dabei sei es ganz normal, dass die Nutzung der Schiffe variiere. „Wir begrüßen die Vielfalt der verschiedenen Angebote, die von unseren Gästen rege nachgefragt werden.“

Erik Pohl aus Rostock wird es jedoch langsam zu viel. „Ich warte nur darauf, dass die Verkaufsstände das ganze Jahr da stehen“, sagt der 30-Jährige sarkastisch. „Und die Fischerei geht zugrunde“, fügt er ernst hinzu. Pohl ist der Meinung, dass man die Kutter unter Bestandsschutz setzen sollte und die Fischer von Land und Bund unterstützt werden müssten. „Es muss als Kulturerbe gesichert werden, denn die Kutter bilden das Ambiente des Stroms.“ Auch Rhode vom Handelsverband Ostseeküste hat eine Idee, wie der Ort an Attraktivität gewinnt. „Eigentlich müsste man zwei Fischer von den Tourismusgeldern bezahlen, damit sie am Alten Strom weiterhin Fischerei betreiben können.“ Schließlich sei das Besondere an Fischerorten, dass die Arbeit für Touristen sichtbar ist. „Das muss einfach erhalten bleiben, und wenn es der Markt nicht zulässt, muss man es finanzieren oder fördern“, betont Rhode.

Johanna Hegermann

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