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Rostock Angeblich gefunden: Besitzerin gibt Bulldogge im Tierheim ab
Mecklenburg Rostock Angeblich gefunden: Besitzerin gibt Bulldogge im Tierheim ab
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18:43 02.01.2019
Bulldogge Rudi befindet sich aktuell noch in Akutbehandlung. Quelle: Tierheim Schlage
Schlage

Weil ihr die Behandlung ihres kranken Hundes zu teuer war, wollte eine Frau im Landkreis Rostock das Tier offenbar loswerden. Sie gab die Französische Bulldogge im Tierheim in Schlage ab, behauptete jedoch, sie an der B110 gefunden zu haben.

„Wir waren sehr erschrocken über seinen körperlichen Zustand, denn der kleine Kerl war vollkommen verhungert und dehydriert“, schreiben Mitarbeiter des Tierheims in dem sozialen Netzwerk Facebook. Sie tauften den Hund auf den Namen Rudi und fuhren mit ihm zum Tierarzt. Dort wurde das Tier sofort an einen Tropf angeschlossen und mit Flüssigkeit sowie lebensnotwendigen Stoffen versorgt. Eine Mitarbeiterin nahm Rudi mit nach Hause und betreute ihn dort rund um die Uhr.

„Sein Zustand war und ist auch heute noch sehr kritisch“, gab das Tierheim am Montag bekannt. Rudi könne nach wie vor kein Futter oder Wasser bei sich behalten und sei zudem schwach und ausgemergelt. Die Ursache dafür sei bisher nicht gefunden worden. „Weil wir seine medizinische Vorgeschichte nicht kennen, tasten sich die Ärzte von Befund zu Befund“, sagt Tierheimleiter Norbert Schlösser. Derzeit befinde sich die Bulldogge noch in Akutbehandlung. Die Tierschützer vermuten, dass man es bisher ganz lange versäumt habe, dem Hund zu helfen.

Bulldogge Rudi heißt eigentlich Rocco und wurde von seiner Besitzerin stark vernachlässigt. Eine Mitarbeiterin des Tierheims kümmert sich rund um die Uhr um den kleinen Rüden. Quelle: Tierheim Schlage

Inzwischen stellte sich heraus, dass die angebliche Finderin des Hundes eigentlich die Besitzerin ist. Sie hatte das Tier auf den Namen Rocco getauft. Vor etwa sechs Wochen bekam es gesundheitliche Probleme. Weil ihr die Behandlung zu teuer war, wollte die Halterin Rocco loswerden. Sie hatte ihn zunächst zwei Mal zum Tierarzt gebracht. Dieser konnte jedoch keine Ursache für die Beschwerden finden und schickte die Frau zu Spezialisten in die Tierklinik nach Rostock. „Das sprengte angeblich den Rahmen der Finanzen,“ teilte das Tierheim weiter mit. Und auch sonst sei die Bulldogge offensichtlich nicht mehr gewollt. Nach Angaben des Tierheims habe er immer mal nach den beiden kleinen Kindern der Frau geschnappt und auch sonst für Ärger in der Familie gesorgt.

„Ein Tier muss regelmäßig zum Arzt gehen. Das ist man ihm in jedem Fall schuldig“, meint Schlösser, bei dem das Verhalten der Besitzerin auf Unverständnis stößt. Wer bereits frühzeitig kleine Verhaltensänderungen erkennt und rechtzeitig Hilfe aufsucht, könne hohe Behandlungskosten sogar vermeiden. „Oft kann dem Tier schon mit weniger aufwendigen Therapien geholfen werden. Je länger man wartet, desto teurer wird es.“ Doch selbst dann könne mit den Ärzten eine Ratenzahlung vereinbart werden. Wer dennoch unsicher ist und Unterstützung bei der Pflege eines kranken Tieres benötigt, könne sich jederzeit an den Tierschutzverein wenden.

„Viele Menschen unterschätzen die Ansprüche, die ein Tier hat“, sagt Schlösser. „Ein nettes Zuhause und gutes Futter reichen lange nicht aus.“ Jede Rasse stelle unterschiedliche Anforderungen an einen Halter. Nur wenn die Bedürfnisse erfüllt werden, könne ein problemloses Zusammenleben von Mensch und Tier erfolgen. „Ein Hund sucht sich andernfalls ein Ventil, um seinen Frust auszulassen. Das kann aber mit viel Auslauf und guter Erziehung verhindert werden.“ Leider seien Fälle wie dieser auch der Alltag in Tierheimen. Aktuell beherbergt die Einrichtung in Schlage 311 Tiere, davon mehr als 40 Hunde. „Viele Vierbeiner landen wegen Haltungsfehlern und mangelnder Erfahrung bei uns“, so der Tierheimleiter.

Mittlerweile mache die Bulldogge kleine Fortschritte. „Und auch sein Schwänzchen wackelte in den vergangenen Tagen ab und an. Er will leben und ist ein kleiner Kämpfer mit großem Herzen“, so die Tierschützer. Ob Rudi es schaffen wird, ist noch unklar. Die Ärzte und Tierschützer geben ihr Bestes, damit sich seine Lage so schnell wie möglich stabilisiert. „Wir sind einfach nur sprachlos und maßlos enttäuscht von den Menschen.“ Gegen die Halterin wird Anzeige erstattet.

Die Einrichtung bittet deshalb um Spenden.

Spendenkonto Tierheim Rostock-Schlage

IBAN : DE94130500000290001501

BIC: NOLADE21ROS

oder per Paypal an info@tierheim-schlage.de

Cora Meyer und Susanne Gidzinski