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Rostock Schmarler leiden unter Öffnung des IGA-Parks
Mecklenburg Rostock Schmarler leiden unter Öffnung des IGA-Parks
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17:59 09.07.2019
Besonders der Grillplatz am Strand des IGA-Parks sorgt bei den Bewohnern von Schmarl-Dorf für Unmut - durch Müll, Krach und Wildpinkler. Helmut Gürtler vom Ortsbeirat (2. v. l.) und Tom Reiser vom Sportverein Breitling (3. v. r.) sowie die anderen Anlieger wollen das nicht mehr hinnehmen. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Rostock

Die Bewohner vom Dorf Schmarl freuen sich nicht über Sonnenschein und Badewetter. Schließlich nehmen dann auch wieder die Probleme vor ihrer Haustür zu. „Müll, Krach, Verkehr und Wildpinkler – das sind die Hauptärgernisse“, zählt Helmut Gürtler auf, der auch im Ortsbeirat sitzt. Sobald das Wetter zum Aufenthalt im Freien einlädt, würden sich hunderte Besucher an den Badestellen vor und hinter dem Zaun des IGA-Parks tummeln. „Man sieht dann vor lauter Menschen den Sand nicht mehr“, sagt eine Anwohnerin.

Müll verschandelt die Umwelt und verletzt Besucher

Gerade für Familien aus den umliegenden Wohngebieten im Nordwesten der Hansestadt sei der Schmarler Strand ideal – zu Fuß zu erreichen und außerdem gratis. Das möchten die Anwohner auch nicht unterbinden. Aber sie wollen nicht mehr diejenigen sein, die mit den Schattenseiten des Ansturms alleine gelassen werden. „Ich gehe jede Morgen ganz früh schwimmen. Was ich dann an Müll finde, ist unglaublich“, erzählt eine der Betroffenen.

Nicht nur der Anblick sei dabei störend, sondern auch die Umweltbelastung, wenn der Wind oder die Möwen die kleinen Teile in den Fluss und so später ins Meer befördern. „Außerdem ist auch die Verletzungsgefahr der Besucher durch den Müll – besonders die vielen Scherben – gestiegen“, sagt Tom Reiser vom Sportverein Breitling, der seinen Sitz direkt am Ufer hat und dessen Mitglieder das Treiben vor Ort inklusive der Notarzteinsätze hautnah mitbekommen.

Grillplatz erst Ende 2018 am Strand eingerichtet

Hauptärgernis der Anwohner aus dem Dorf ist der Grillplatz, der Ende vergangenen Jahres am Strand des IGA-Parkes und direkt hinter dem Zaun errichtet wurde. „Da ist immer Betrieb“, erklärt eine Anliegerin. Besonders an Wochenenden und Feiertagen würden sich die Nutzer dort quasi die Grillzange in die Hand geben.

Mit den vorhandenen Strandkörben gehen einige der Besucher des IGA-Parks alles andere als pfleglich um. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Direkt neben dem Platz stünde zwar ein Müllcontainer, dennoch würde auch Unrat über den Zaun in die benachbarten Gärten geschmissen und in die Hecken gepinkelt. Das nächste öffentliche Klo sei zwar nur ein paar hundert Meter entfernt in Richtung Traditionsschiff, aber nicht weiter ausgeschildert. „Vielleicht würde eine Hinweistafel schon helfen“, sagt Gürtler.

Nach Toresschluss ziehen Besucher weiter

Nächstes Problem durch die vielen Griller: „Sie fahren mit dem Auto bis ans Tor ran und tragen von dort ihre Bierkisten und Vorräte auf das Gelände. Allerdings halten sie sich weder ans Tempo – die Strecke ist eine Spielstraße – noch an das Parkverbot außerhalb der vorgeschriebenen Flächen“, berichtet der zweite stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende.

„Und wenn die Tore um 23 Uhr geschlossen werden, verlagert sich das Problem nur, weil die Besucher dann vom IGA-Park-Strand an den auf Seite der Likedeeler wechseln und dort bis in die Morgenstunden Krach und Dreck machen“, sagt eine Anwohnerin. Auch der idyllisch im Dorf gelegenen Teich würde zunehmend durch die Badegäste als Platz zum Umziehen und für die Notdurft genutzt.

Außerdem käme es vor, dass von den Anliegern Holz gestohlen würde, um am Strand ein Feuer zu entzünden. „Wir wollen und werden uns nicht verbarrikadieren“, sagt Breitling-Vereinschef Reiser. „Aber man schläft schon unruhiger“, erklärt eine Anwohnerin.

Parkleitung lenkt ein: Grillstelle wird verlagert

IGA-Park-Chef Matthias Horn kennt zumindest die Beschwerden über den Grillplatz. „Wir haben ja immer gesagt, dass wir uns mit verschiedenen Dingen ausprobieren wollen. Jetzt haben wir Erfahrungen gesammelt und uns entschlossen, den Grillplatz von hinter dem Tor etwas weiter nach hinten zu verlegen“, so Horn. Außerdem sollen größere Müllcontainer aufgestellt werden. „Einen genauen Zeitpunkt kann ich nicht nennen, aber wir versuchen, das so schnell wie möglich umzusetzen.“

Womit die Parkbetreiber gute Erfahrungen gemacht hätten, sei die Gebühr von einem Euro, die für das Benutzen der Grillplätze fällig wird und an Automaten gezahlt werden muss. „Wir erzielen dadurch Einnahmen. Die Zahlung wird von den Besuchern angenommen und die Einhaltung auch kontrolliert“, so der Geschäftsführer. Das Geld diene mit dazu, die Reinigung der Grillflächen zu finanzieren.

Besucherzahlen haben sich verfünffacht

Generell ist Matthias Horn mit den Effekten durch die Öffnung des Parkes und den Verzicht auf Eintritt mehr als zufrieden. „Die Besucherzahlen haben sich gut und gerne verfünffacht und der Park wird endlich zu dem, was er immer sein solle: Eine Begegnungs-, Erholungs- und Kulturfläche für alle“, sagt er. Dass mit der Belebung auch der Lärm zunimmt, sei eine erwartbare Folge gewesen. „Wir befinden uns im Herzen einer Stadt und können dort nicht an jeder Stelle ländliche Idylle und Ruhe verlangen“, so der IGA-Chef.

Die Beschwerden der Bewohner nehme er dennoch an. „Wir verschließen uns dem nicht und können dazu auch noch einmal mit Polizei und Ordnungsdienst ins Gespräch kommen“, so Horn. Im September will auch der Ortsbeirat das Thema IGA-Park diskutieren und dazu die Geschäftsführung einladen.

Polizei stimmt sich mit den Verantwortlichen ab

Der zuständige Revierleiter der Polizei, Stefan Damrath, hat das Schmarler Ufer nicht erst seit der Öffnung des Parks regelmäßig im Blick. „Unter anderem wegen Sachbeschädigung durch Graffiti, aber auch, wenn nach den Schließzeiten Personen im Park sind“, sagt er.

Dazu gebe es aber enge Abstimmungen mit der Park- und Museumsleitung sowie dem Sicherheitsdienst, der auf dem Gelände patrouilliert. Im Ergebnis dieser Gespräche seien auch schon von der Polizei empfohlene Maßnahmen umgesetzt worden. „Zum Beispiel verstärkte und schwerpunktorientierte Bestreifung durch den Wachdienst“, sagt Damrath.

Vermisste Kinder werden am Strand aufgespürt

Gerade an heißen Tagen sei der Strand auch immer wieder Bestandteil der Polizeistreife. „Zum Beispiel, weil unerlaubterweise von den Kaianlagen gesprungen wird.“ Außerdem würde das Gelände deshalb angefahren, weil regelmäßig vermisste Kinder aus Rostock dort gefunden werden. „Diese Streifentätigkeiten und Einsätze würde ich aber nicht mit der Parköffnung in Verbindung bringen, die gab es vorher auch schon“, so der Leiter des Reviers in Lichtenhagen.

Wasserskianlage für den Park geplant

Dass sich der „Bewachungsdruck“ noch mal erhöht, sei laut Matthias Horn wahrscheinlich. Schließlich gibt es Pläne, im IGA-Park eine Wasserskianlage zu bauen. Genaue Zeitpläne will der Geschäftsführer nicht nennen. Er sagt nur: „Wir arbeiten daran und sind in Gesprächen – aber immerhin schon weiter, als wir bei dem Thema je waren.“

Claudia Labude-Gericke

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