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Rostock Apotheken in MV fehlt Schmerzmittel Ibuprofen: „Desaster für die Patienten“
Mecklenburg Rostock Apotheken in MV fehlt Schmerzmittel Ibuprofen: „Desaster für die Patienten“
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18:16 28.08.2019
Der Vorsitzende des Apothekerverbandes MV, Axel Pudimat, beklagt Versorgungsengpässe bei wichtigen Medikamenten. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock/Marlow

In MV sorgen Versorgungsengpässe bei Medikamenten für Kopfschmerzen bei Apothekern und Patienten. Aktuell sind Schmerzmittel, Antibiotika, Psychopharmaka und Blutdrucksenker sowie Mittel gegen Diabetes vielerorts Mangelware. „Aktuell macht uns beispielsweise die unzureichende Verfügbarkeit des Schmerzmittels Ibuprofen zu schaffen“, verdeutlicht Axel Pudimat, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes MV.

Der Grund für die Mangelversorgung sei der Ausfall eines großen Werkes in Texas (USA), einem von insgesamt sechs großen Herstellern weltweit. Gleichzeitig steige der Ibuprofen-Bedarf in vielen Ländern, erläutert Pudimat, Inhaber der Aesculap-Apotheke in Rostock. Er kritisiert die völlig unzureichende Information durch die Hersteller und zunehmende Versorgungslücken auch bei anderen wichtigen Medikamenten: „Wir verwalten den Mangel – ähnlich wie vor 30 Jahren!“

Kommentar:
Mangelverwaltung bei Medikamenten muss aufhören

Mangel an speziellen Präparaten

„Aktuell fehlen mir 116 verschiedene Präparate“, erklärt Thomas Müller, Inhaber der Rats-Apotheke in Marlow (Vorpommern-Rügen). Darunter seien unter anderem die Schmerzmittel Novaminsulfon und Ibuprofen. Angesichts der allein in seiner Apotheke aktuell vorrätigen etwa 8000 Präparate erscheint die Größenordnung der nicht verfügbaren Medikamente gering. Doch oft handele es sich um spezielle Mittel etwa gegen Migräne, Bindehautentzündungen oder Diabetes, so Müller.

„Das Ganze ist ein Desaster für die Patienten gerade im ländlichen Bereich. In der Großstadt können sie mitunter noch ausweichen“, bekräftigt Petra Kokel, Chefin der Fritz-Reuter-Apotheke in Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte). Sie beklagt unter anderem das Fehlen der Arzneimittel Velmetia und Januvia für an Diabetes-2 Erkrankte. „Die Therapiesicherheit ist gefährdet“, so die Diplom-Pharmazeutin.

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Patienten leiden unter erzwungenem Präparatwechsel

Mit großem Aufwand gelingt es Apothekern und Ärzten zumeist, wirkstoffgleiche Medikamente zu finden. „Nicht nur bei Kombipräparaten ist dies aber kompliziert“, sagt Dr. Hartmut Duppel, hausärztlich tätiger Internist in Elmenhorst bei Rostock. „Pro Tag habe ich bis zu 30 Rezeptrückläufer, da die Apotheke das Präparat nicht liefern kann.“ Gefährlich sei unter anderem die Nichtverfügbarkeit von ASS, das in Spritzen verabreicht wird, so der Mediziner, der oft als Notarzt agiert.

„Die Patienten leiden unter dem erzwungenen Wechsel der Präparate. Sie berichten häufig über Unverträglichkeiten“, erklärt Dr. Jens Placke, niedergelassener Kardiologe in Rostock. Der Facharzt sieht die aus Profitgründen erfolgte Abwanderung der Medizinhersteller aus Deutschland als einen Grund für die Misere. „Hier hat die Politik versagt“, so der Mediziner.

Man habe keinen Einfluss auf die Produktionskapazität der Pharmafirmen, heißt es aus dem Schweriner Wirtschaftsministerium. Angesichts des deutschlandweiten Rückgangs der Apothekenzahl von 21 600 im Jahr 2008 auf aktuell unter 19 500 erklärte Sprecher Gunnar Bauer, dass man alle Gesetzesinitiativen unterstütze, die gerade der Stärkung der Apotheken auf dem Land dienen.

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