Armin Laschet im Leser-Talk: Katholik, Karnevalsfan –  und bald Kanzler?
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Rostock CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Leser-Talk: „Ziel muss es sein, die Werften in MV zu retten“
Mecklenburg Rostock

Armin Laschet im Leser-Talk: Katholik, Karnevalsfan –  und bald Kanzler?

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14:47 24.08.2021
RND-Talk mit Armin Laschet (CDU, l.) in der Yachthafenresidenz Hohe Düne mit der stellvertretenden RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck und OZ-Chefredakteur Andreas Ebel.
RND-Talk mit Armin Laschet (CDU, l.) in der Yachthafenresidenz Hohe Düne mit der stellvertretenden RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck und OZ-Chefredakteur Andreas Ebel. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Draußen vor den Fenstern der Yachthafenresidenz Hohe Düne tobte der Sturm. Im Saal blieb CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet dagegen gewohnt ruhig. Der 60-Jährige war am Dienstag im gemeinsamen Talk von OSTSEE-ZEITUNG und Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zu Gast.

Und erfuhr dort auch von spezifischen Problemen des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Teile davon seien ihm bereits bekannt. Deshalb stellte Laschet gleich zu Beginn fest: Das Küstenland „braucht nicht nur Tourismus, sondern auch industrielle Wertschöpfung“. Und die sei noch stärkungswürdig.

„Es muss das Ziel sein, die Werften zu erhalten“

Dazu brauche es allerdings auch Technologien, die aufgrund ihres CO2-Ausstoßes vielfach verschrien sind – zum Beispiel die Stahlindustrie oder die Werften. Um Letztere ging es Ines Scheel, Betriebsratsvorsitzende der MV-Werften. „Wie kann es sein, dass die KfW-Bank Reeder unterstützt, damit sie ihre Schiffe im Ausland bauen lassen? Dadurch trägt die staatliche Bank direkt zur Gefährdung von Arbeitsplätzen in Deutschland bei“, so Scheel.

Der RND-Talk mit Armin Laschet (CDU) im Video:

Laschet gab zu, dass ihm dieses Problem bisher so nicht bekannt war. Aber auch er bewerte ein solches Vorgehen als „fehlgeleitete Ressourcen. Insgesamt muss es das Ziel sein, die Werften zu erhalten“, so Laschet. Wenn die Standorte in Deutschland geschlossen werden müssten, kämen diese nie wieder. „Und wenn die Schiffe dann im nichteuropäischen Ausland zu sozialen und ökologisch schlechteren Bedingungen gebaut werden, hilft das dem Weltklima auch nicht.“

Staatliche Hilfe für Landwirte

Die Probleme von Landwirten brachte Sarah Bongardt zur Sprache. Die 42-Jährige betreibt einen Biohof in Belitz bei Teterow und berichtete von Konflikten um Flächen. Betriebe, die sich erweitern wollen, oder junge Landwirte, die Boden zum Aufbau einer beruflichen Existenz brauchen, würden durch immer weiter steigende Preise behindert. „Da wird Boden zum Spekulationsobjekt und Acker mittlerweile zu Preisen gehandelt, die nicht mehr zu erwirtschaften sind“, so Bongardt. Das Besondere dabei: „Das betrifft nicht nur private, sondern immer öfter auch staatliche Flächen“, erklärte die Landwirtin.

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet beim RND-Talk. Quelle: Frank Söllner

Laschet versprach Abhilfe. „In der Tat muss dann die Vergabe des Bundes bei solchen Flächen so gestaltet werden, dass ein normaler Landwirt eine echte Chance hat“, so der Kanzlerkandidat. Um Bauern aus der Region ein Wachstum zu ermöglichen, könnte auch die „örtliche Verantwortung“ ein Kriterium sein, das bei einer Vergabe staatlicher Flächen zum Tragen kommt.

Schnellerer Kohleausstieg ist möglich

Gerald Jurasinski forscht beruflich unter anderem zur Entwicklung von Mooren und den Auswirkungen des Klimawandels. „Es gibt Fluten und Feuer, das Wetter spielt verrückt und der Kohleausstieg kommt zu spät. Was tun Sie, damit Deutschland schneller ins Handeln kommt?“, wollte der Rostocker von Laschet wissen.

Bildergalerie: Das sagen die OZ-Leser zum RND-Talk mit Armin Laschet (CDU)

Coronabedingt konnten in der Yachthafenresidenz nur 40 Leser live dabei sein. Die OZ hat sich nach dem Talk umgehört, wie der CDU-Kandidat angekommen ist.

Er glaube, dass vor allem im Westen der Republik ein schnellerer Kohleausstieg als der für das Jahr 2038 beschlossene möglich ist, so der CDU-Chef. Aber es ginge ja nicht darum, einfach eine Zahl festzulegen, sondern um die Frage, wie die Versorgung und Bezahlbarkeit von Energie in Deutschland sichergestellt werden könnte. „Wenn wir sagen, wir können schneller werden, bin ich sofort dabei. Nur: Unsere Industrie braucht Strom, wenn wir noch Industrieland sein wollen.“

Mit Blick auf eine höhere CO2-Bepreisung erklärte der Kanzlerkandidat, dass er sich auch Prämien für jene vorstellen könnte, die zur Reduzierung beitragen. „Wer Wald pflanzt oder Moore pflegt, der bindet CO2“ – das sollte unterstützt werden. An einem solchen Konzept arbeite Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aber bereits.

Bundesweite Entfesselungspakete für weniger Bürokratie

Andreas Jesse sieht die kommende Bundestagswahl vor allem als „Klimawahl“. Der Sternberger arbeitet als Projektbetreuer für Windparks und kritisierte die langen Planungs- und vor allem Genehmigungszeiten. Dabei trage gerade diese Branche zur Sicherung von Industriearbeitsplätzen bei. Laschet sprach sich für eine Stärkung von Windenergie aus – sowohl an Land als auch auf See. Allerdings fehle es vor allem noch am nötigen Leitungsausbau.

Sollte er Kanzler werden, würde er sich für bundesweite „Entfesselungspakete“ zum Bürokratieabbau einsetzen, wie sie NRW bereits hat. „Der Bundesgesetzgeber kann Instanzen wegnehmen und per Gesetz Verfahren beschleunigen. Und beim Thema erneuerbare Energie brauchen wir das“, blickte der Aachener voraus. Ob der Bund allerdings den in Deutschland herrschenden „Konflikt um Flächen“ besser regeln könnte als die Länder, hielt Laschet für fraglich.

Bekennender Katholik – und Karnevalsfan

Zur Frage, ob ihn die offensichtliche Nervosität zahlreicher CDU-Mitglieder mit Blick auf den Wahlkampf beeinflusse, antwortete Laschet, dass er sich nach 16 Jahren Kanzlerin schon im Vorfeld bewusst gewesen sei, „dass sich bei dieser Wahl alle auf die CDU einschießen“. Er werde im Wahlkampf weiterhin für seine Ideen und Forderungen werben und „nicht ins Persönliche gehen“. Sein 87-jähriger Vater „schaut viel zu viel Google. Er verfolgt das den ganzen Tag und das macht ihn dann verrückt“, so Laschet. Er selbst schaffe es gar nicht mehr, alles, was über ihn geschrieben wird, zu lesen.

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet beantwortet eine Leserfrage beim RND-Talk. Quelle: Frank Söllner

Die Moderatoren Eva Quadbeck und Andreas Ebel konnten dem Kanzlerkandidat auch noch Persönliches entlocken. Dass er bekennender Katholik sei, hätte Laschet zufolge keinen Einfluss auf seine Politik. „Ich lege meine Religion nicht ab, bin aber auch keiner, der sie nach außen kehrt“, so der 60-Jährige. Dass Religion für ihn und viele andere Menschen wichtig ist, müsse man anerkennen, „aber das darf nicht konkrete politische Entscheidungen beeinflussen“.

Genau wie seine Leidenschaft, der Karneval – übrigens eine Vorliebe, die er mit Ex-Kanzler Adenauer teile. Wann immer es möglich sei, würde er wie die Landsleute in seiner Heimat die fünfte Jahreszeit feiern. „Aber als Kanzler kann man darauf keine Rücksicht nehmen. Denn die Themen, die wir zu behandeln haben, die sind ernsthaft“, so Laschet.

Von Claudia Labude-Gericke