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Rostock Auf der Suche nach dem alten Hafen
Mecklenburg Rostock Auf der Suche nach dem alten Hafen
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11:18 12.09.2015
Archäologiestudentin Marie-Sophie Bielicke sucht bei den Ausgrabungen in Rostock-Dierkow nach Funden aus dem Frühmittelalter.
Archäologiestudentin Marie-Sophie Bielicke sucht bei den Ausgrabungen in Rostock-Dierkow nach Funden aus dem Frühmittelalter. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Es ist dunkel angelaufen, klein wie ein Fingernagel, wiegt kaum ein Gramm – und erzählt eine Geschichte. Das Fragment einer Münze wurde wohl zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert von einer Münze, einem arabischen Dirham, abgeschnitten. Gefunden haben es Archäologen vor einigen Tagen inmitten ausgedehnter Schilfflächen im Rostocker Stadtteil Dierkow. Dort, unweit des Flusses Warnow, gab es im frühen Mittelalter eine slawische Siedlung und einen Handelsplatz. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen bedeutenden Hafen, nach dessen Überresten die Experten jetzt suchen.

Ab dem 8. Jahrhundert blühte der Fernhandel auf der Ostsee auf. Wie an einer Perlenketten reihten sich an der damals von Slawen besiedelten südlichen Küste die Häfen und Handelsorte – von Starigard, dem heutigen Oldenburg in Holstein, bis Janow Pomorski im heutigen Polen. 15 dieser slawischen Zentren sind bisher identifiziert worden, darunter Groß Strömkendorf, Dierkow, Ralswiek, Menzlin und Usedom auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg- Vorpommern. In einem aktuellen Forschungsprojekt zu frühmittelalterlichen Häfen graben Archäologen nach Spuren der Häfen – ein Schwerpunkt liegt auf Dierkow.

Dass der Ort im Verkehrsnetz des frühen Seehandels eine bedeutende Stellung einnahm, dafür gibt es laut Grabungsleiter Sebastian Messal vom Deutschen Archäologischen Institut Berlin mehrere Anzeichen. Etwa Funde wie das Dirham-Fragment, das auf internationale Fernhandelsbeziehungen hinweist. Die Münze wurde zu sogenanntem Hacksilber verarbeitet, also seinem Handelswert entsprechend zurechtgeschnitten. Das geschah auch mit einem skandinavischen Halsring, von dem ein etwa drei Zentimeter langes Silberstück gefunden wurde. Aus dem Kaukasus stammt zudem ein zur Perle verarbeiteter Bergkristall.

 



Axel Meyer