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Rostock Auf die Partys dieses Mannes ist Rostock heiß
Mecklenburg Rostock Auf die Partys dieses Mannes ist Rostock heiß
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18:17 22.03.2019
Heiß auf Action am Herd: Bei Küchenmeister Thilo Hildebrandt (v. l.) lernen Axel Wiechmann, Jürgen Sprank, Claudia Cummerow, Roxana Clemens, Remo Utpadel, Marietta Klick und Bastian Hohensee Tricks für leckere Gerichte. Quelle: Ove Arscholl
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Stadtmitte

Die besten Partys finden in der Küche statt und die, die Thilo Hildebrandt (41) in Rostock schmeißt, sind besonders heiß begehrt. Er bringt Hobbyköchen bei, wie sie Steaks zartrosa grillen und schnöden Rosenkohl in eine Delikatesse verwandeln. Seine Kurse: auf Monate hin ausgebucht. Sein Erfolgsrezept: heiße Action und coole Sprüche.

Im Studio „Küchen am Turm“ lässt Thilo Hildebrandt die Herdplatte glühen. Bis seine heutigen Schüler kommen, dauert es noch ein paar Stunden. Doch das Basilikumparfait kostet Zeit, deshalb will der Profi den Ansatz schon mal vorbereiten. Den Rest vom Menü sollen am Abend seine Kursteilnehmer zubereiten. „Von der Rotweinjus bis zur Eiscreme machen wir alles zusammen.“ Seit zwölf Jahren gibt Thilo Hildebrandt den kochenden Alleinunterhalter und ist darüber selbst erstaunt. „Ich dachte, bei all den Kochshows im Fernsehen wäre der Hype irgendwann vorbei. Aber da ist kein Ende in Sicht.“ Das liege daran, dass Verbraucher zunehmend Wert auf gute Lebensmittel legen „und wissen wollen, wie man das Beste aus ihnen rausholt.“ Das erklärt er gern.

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Kollektives Kochen belohnt doppelt: Man darf zwanglos in der Runde netter Leute schlemmen und als Sahnehäubchen gibt’s Tipps vom Profi. Weil viele Menschen Geschmack an daran finden, fährt Rostocks Gastro-Szene ein ganzes Menü an Mitmach-Veranstaltungen auf. Ob Backkurs, Grillschule oder Sushiseminar – für jeden gibt es das passende Angebot. Hotels, Gartencenter und Fleischereien haben das Zusatzgeschäft entdeckt, Küchenausstatter das Werbepotenzial.

Prickelnder Auftakt

Hildebrandts Kundschaft ist bunt gemischt wie eine Gemüsepfanne. Arbeitskollegen, angehende Ehemänner und Geburtstagskinder rühren beim Profi Leckeres an. „Vom Baggerfahrer bis zum Professor war schon alles dabei“, sagt Hildebrandt. Dass er morgens nicht weiß, mit wem er abends kochen wird, reizt ihn. Von Überraschungen lässt sich der Routinier nicht aus der Ruhe bringen. Bei seinem ersten Kurs sah das anders aus. „Ich war megaaufgeregt. Ich hab’ die Nacht vorher nicht geschlafen, sondern mir überlegt, wie ich die Teller anrichten will.“ Heute kommen ihm coole Sprüche leicht über die Lippen. Damit sich auch Stocksteife locker machen, reicht er zum Auftakt ein „Gläschen lustig“ aus, Prosecco.

Vor der Küchenstudio-Tür haut Thilo Hildebrandt die Rinderrücken-Stücke auf den 800-Grad-Grill. Quelle: Ove Arscholl

Der Abend zieht auf und mit ihm kommen die Gäste. Dummerstorfs Bürgermeister Axel Wiechmann und ein Dutzend Verwaltungsmitarbeiter entern die Kochinsel. Während sich der Herd aufheizt, ist die Truppe prompt auf Betriebstemperatur. Alle lachen, albern rum. Beim Kochen herrscht Arbeitsteilung: Die einen schnippeln mit Feuereifer Gemüse, die anderen nippen an Weinglas oder Bierflasche. „Hier darf jeder machen, wozu er Lust hat“, sagt Thilo Hildebrandt. Er achtet darauf, dass dabei nichts schiefgeht. Bis auf Zucker, der statt zu karamelisieren in der Pfanne zu Brikett verkohlte, sei in seinen Kursen bislang keine Panne passiert.

Aus 17 saisonalen Drei-Gang-Menüs können Hildebrandts Kunden wählen. Ginge es nach ihm, käme stets Fleisch auf den Teller. „Für Vegetarier haben wir aber Pfiffiges.“ Nur bei vegan streikt der Koch, seitdem er einmal auf Wunsch ein rein pflanzliches Menü angeboten hat. „Schokokuchen ohne Butter? Da tat’s mir um die Kuvertüre leid“, sagt er und lacht.

Es geht um die Wurst

Die Dummerstorfer kochen das Menü „Rinderrücken“. Bevor das Fleisch den 800-Grad-Grill küsst, sollen sie für die Vorspeise ein Schalotten-Honig-Kompott zubereiten. „Kein Hexenwerk“, ermutigt Hildebrandt. Das stellen seine Schützlinge selbst fest. Der Profi schmunzelt. „Ich liebe diesen Aha-Effekt.“ Um den mitzuerleben, nimmt er eine längere Anfahrt in Kauf. Hildebrandt lebt in Schwerin. Aufgewachsen ist er im Sternberger Seenland, im Gasthof seiner Eltern. Ihm kommt nie etwas anderes in den Sinn als eine Kochkarriere. Er macht die Ausbildung und seinen Küchenmeister. Seiner Frau zuliebe zieht er in deren Heimatstadt Rostock, wird Küchenchef in der Yachthafenresidenz Hohe Düne. Bis Björn Büssow, Chef von „Küchen am Turm“, ihn bittet, bei ihm monatlich einen Kurs zu geben. Die sind schnell so begehrt, dass Hildebrandt regelmäßig zeigt, was er auf der Pfanne hat. Im Restaurant kocht er hingegen nicht mehr. Hauptberuflich tourt er als Fleisch- und Wurstexperte für einen Lebensmittellogistiker durch die Republik und berät Hotelketten.

Nach knapp fünf Stunden verlassen die Kochschüler das Küchenstudio. Den Bauch voll Leckereien, das Herz voll Glück, den Kopf voll Rezeptideen. Doch die Küche bleibt nicht lang kalt. Schon bald lässt Thilo Hildebrandt erneut die Platten glühen, als Actionheld am Herd.

Antje Bernstein

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