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Rostock Aus Profitgier? Chirurg verursacht bleibende Schäden bei OP
Mecklenburg Rostock Aus Profitgier? Chirurg verursacht bleibende Schäden bei OP
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12:48 12.04.2018
Der 54-jährige Chirurg steht seit Donnerstag vor Gericht. Quelle: Stefan Tretropp
Rostock

Seit Donnerstag muss sich ein 54-jähriger Neurochirurg vor dem Rostocker Landgericht wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihm wird vorgeworfen, eine Patientin aus reiner Profitgier zu einer Halswirbeloperation gedrängt und diese Operation fehlerhaft durchgeführt zu haben, sodass die Frau bleibende Schäden davontrug.

Seit Donnerstag muss sich ein 54-jähriger Chirurg vor dem Rostocker Landgericht wegen schwerer und gefährlicher Körplerverletzung verantworten. Er hatte einer Patientin bei einer überflüssigen Operation bleibende Schäden zugefügt.

Operation ohne Hinweise auf Schädigung im Halswirbelbereich

Die aufgrund eines Auffahrunfalls im Jahr 2003 unter wiederkehrenden Beschwerden im HWS-Bereich leidende 46-jährige Nebenklägerin habe sich 2010 zur Schmerztherapie in die Praxis des Angeklagten begeben. Der Angeklagte habe unter anderem eine bildgebende Diagnostik und die Untersuchung des Hirnwassers (Liquor) vorgenommen. Obwohl die Diagnostik keine Hinweise auf eine Schädigung im Halswirbelbereich ergeben habe, soll der Angeklagte der Patientin die Versteifung der ersten beiden Halswirbel nahegelegt haben.

Chirurg täuscht Entzündung und Bruch vor

Zur Untermauerung der Notwendigkeit des Eingriffs habe er eine nicht vorliegende Entzündung des Liquors und einen unverheilten Bruch des zweiten Halswirbels vorgetäuscht. Die Motivation des Angeklagten soll dabei rein finanzieller Natur gewesen sein. Die Nebenklägerin habe der Operation aus Angst vor weiteren Schäden zugestimmt, da der Angeklagte die Ausweitung der Entzündung auf das Kleinhirn und ein hierdurch bedingtes Koma in Aussicht gestellt habe.

Irreversibler Eingriff mit zu langen Schrauben

Bei Ausführung der Operation soll der Angeklagte die ersten vier Halswirbel versteift haben, indem er die Hinterhauptschuppe mit einer Platte verband und diese an den Halswirbeln mit Schrauben befestigt habe. Die Irreversibilität des Eingriffs sei ihm dabei bewusst gewesen. Laut Feststellungen eines Gutachters sei der Eingriff medizinisch nicht indiziert, über die Einwilligung der Patientin hinausgehend und auch in der Art der Ausführung grob fehlerhaft gewesen. Die zur Verfestigung benutzten Schrauben seien so lang gewesen, dass diese über den Spinalkanal hinaus in das Kleinhirn geragt hätten.

Schwere bleibende Schäden

Die Fehlbehandlung habe zwei Revisionsoperationen erforderlich gemacht. Die Nebenklägerin habe infolge der Operation erhebliche Schmerzen und Einschränkungen erlitten. Weder habe sie alleine sitzen noch stehen oder den Mund über einen Zentimeter hinausgehend öffnen können. Der Angeklagte soll die Patientin trotz der Fehllage der Schrauben - die auf den Kontrollaufnahmen deutlich zu erkennen gewesen seien - lediglich mit Infusionen und Spritzen weiterbehandelt haben. Die Versteifung sei irreversibel und habe auch in weiteren Operationen nicht behoben werden können.

Wegen Betrugs bereits in Strafhaft

Im September 2013 hat sich der Angeklagte vor dem Landgericht Rostock zur Zahlung von 125.000 Euro Schmerzensgeld zugunsten der Nebenklägerin wegen der Folgen des Eingriffs verglichen. Der Angeklagte befindet sich aktuell in anderer Sache in Strafhaft. 2014 hatte das Landgericht Rostock ihn rechtskräftig wegen Betrugs in zwölf Fällen zu Lasten der Krankenkassen, versuchten Betrugs in fünf Fällen und Urkundenfälschung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren und 7 Monaten verurteilt.

Stefan Tretropp

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