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Rostock Autonomes Fahren beschäftigt Airbag-Hersteller
Mecklenburg Rostock Autonomes Fahren beschäftigt Airbag-Hersteller
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23:27 12.06.2019
Christian Timer leitet bei der Firma TRW Airbag Systems die IT. In der Hand hält er einen Gasgenerator, der einen Airbag mit Luft füllt. In Laage werden pro Arbeitstag 175000 Stück produziert. Quelle: Dana Frohbös
Laage

3200 Tote fordert der Straßenverkehr in Deutschland jährlich. Allein 700 davon sterben bei Unfällen mit Seitenaufprallen – Tendenz steigend. Bei der Firma TRW Airbag Systems in Laage will man helfen, diese Zahl mit einem externen Hightech-Seitenairbag zu reduzieren. Und auch andere Umstände erfordern ein Umdenken bei dem Automobilzulieferer.

„Derzeit befindet sich der Autofahrer in einer relativ fest definierten Sitzposition“, sagt Mirko Gutemann, Pressesprecher der ZF Gruppe. Er sitzt im Sitz und hält beide Arme ans Lenkrad. Der Trend in der Automobilindustrie geht aber zum autonomen Fahren. „Der Fahrer kann sich in Zukunft also vom Lenkrad abwenden oder sich mehr in den Sitz lümmeln.“ Und während er sich aus seiner klassischen Sitzposition entfernt, muss trotzdem Sicherheit gewährleistet sein.

In Deutschland sterben jährlich 700 Menschen durch Unfälle mit Seitencrash. Mit einem neuartigen Seitenairbag könnte diese Zahl gesenkt werden. In Laage wird er für den weltweiten Markt hergestellt.

Der Sicherheitsgurt dämpfe zwar den größten Ruck ab, aber aufgrund der größeren Distanz zum Lenkrad, wird auch ein größerer Airbag mit mehr Volumen nötig. „Es muss mehr Luft in den Luftsack“, sagt Mirko Gutemann. „Aber in derselben Zeit.“ An solchen Technologien wird in Laage gearbeitet.

Firma gehört zur ZF Gruppe

Die Firma TRW Airbag Systems gehört zur ZF Gruppe mit Sitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg), dem drittgrößten Automobilzulieferer weltweit. Das Unternehmen produziert aktive Sicherheitstechnik wie Notbremssysteme; aber auch passive, die die Folgen eines Unfalles verringern sollen. Zu diesen zählen die Airbags, die in Laage hergestellt werden.

Die Produktion der Gasgeneratoren läuft maschinell:

In der Produktionshalle in Laage zischt und rattert es überall. Über zahlreiche Laufbänder fahren Gasgeneratoren von einer Station zur nächsten. Sie werden mit Argon, einem hochkonzentrierten Gas befüllt. „Das passiert bei 580 bar“, sagt Stephan Gappa, Geschäftsführer vor Ort. Anschließend wird die pyrotechnische Komponente hinzugefügt. „Dabei handelt es sich um Tabletten, die das Treibgas im Falle eines Aufpralls freisetzen.“ Auf diese Weise wird der Luftsack aufgeblasen.

Neuartiger Airbag erzeugt seitliche Knautschzone

Gerade hat das Unternehmen eine neue Art des Airbags vorgestellt: den sogenannten externen Seitenairbag. „700 Menschen kommen bei Verkehrsunfällen mit seitlichen Aufprall mit Pkw jährlich deutschlandweit ums Leben“, sagt Mirko Gutemann.

Und aufgrund von Handynutzung während der Fahrt steige diese Zahl wieder an. „Seitlich fehlt dem Auto einfach die Knautschzone, die ja vorne und hinten vorhanden sind“, sagt Stephan Gappa. „Der seitliche Airbag reduziert die Kraft des eindringenden gegnerischen Fahrzeugs um 30 Prozent und mindert das Verletzungsrisiko für die Insassen um 40 Prozent.“

TRW Airbag Systems Laage

700 Mitarbeiter zählt das Unternehmen TRW Airbag Systems in Laage. Ende 2012 waren es 610 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr hatte die ZF Friedrichshafen, zu dem das Unternehmen zählt, einen Umsatz von 36 Milliarden Euro. Pro Arbeitstag werden im Werk in Laage 175000 Gasgeneratoren hergestellt und europaweit verkauft. Die Einzelteile werden angeliefert und dann voll automatisch montiert. TRW Airbag Systems ist seit 1995 in Laage und bildete in dieser Zeit 140 Azubis aus.

Digitale Qualitätskontrolle

Jeder Produktionsschritt wird digital auf seine Qualität hin untersucht. Dazu wurde mit dem Fraunhofer Institut zusammengearbeitet und eine sogenannte Deep Learning Software entwickelt. „Eine hochauflösende Kamera macht Bilder“, sagt Christian Timer, Leiter der IT. „Sitzt ein Pin nicht richtig oder werden Verunreinigungen entdeckt, wird das auf dem Bildschirm angezeigt.“ Und der Gasgenerator kommt nicht in den Verkauf.

Unternehmen steht gut da

Die Ausschussquote ist aber gering, der Betrieb läuft. „Wir haben eine konstant stabile Auftragslage“, sagt Stephan Gappa. Pro Arbeitstag gehen 175000 Gasgeneratoren vom Band. Etwa 80 Prozent davon werden in Seitenairbag-Applikationen verbaut. „Damit bedienen wir die europäische Automobilindustrie“, sagt Gappa. Im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen elf Millionen Euro. „Ein Großteil davon geht in das, was wir heutzutage verkaufen“, sagt Gappa. Aber auch an Technologien der Zukunft muss das Unternehmen denken.

Airbag für die Mittelkonsole

Derzeit wird etwa an einem Airbag gearbeitet, der sich zwischen Fahrer und Beifahrer aufbläst. Denn bei einem Aufprall auf die gegenüberliegende Fahrzeugseite eines Insassen, wurden bei Crashtests mit Dummys schwerwiegende Folgen entdeckt: Der Gurt hält das Becken fest und der Oberkörper biegt sich über die Mittelkonsole. Dabei kann die Wirbelsäule schwer geschädigt werden.

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Dana Frohbös

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