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Rostock Nach BMI-Pleite: Airport Laage im Sturzflug
Mecklenburg Rostock Nach BMI-Pleite: Airport Laage im Sturzflug
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17:06 17.02.2019
Seit 2016 gab es eine regelmäßige BMI-Verbindung zwischen Rostock-Laage und München. Zum Schluss sogar zweimal täglich. Quelle: OVE ARSCHOLL
Laage

Die Anzeigetafel des Flughafens Rostock-Laage ist seit Sonntag gespenstisch leer. Ursprünglich sollten auf Mecklenburg-Vorpommerns Landes-Airport in dieser Woche wieder zweimal täglich BMI-Flieger Richtung München abheben. Die am Wochenende bekannt gewordene Insolvenz der britischen Fluglinie trifft Laage deshalb besonders hart: Nachdem bereits Anfang Februar die Airline Germania pleite ging, die von Rostock aus Urlaubsziele wie Gran Canaria, die Türkei oder Ägypten ansteuerte und die Hälfte der Passagiere brachte, fallen nun durch das Flybmi-Aus auch sämtliche Linienflüge weg.

Flughafen bleibt betriebsbereit

Die 119 Mitarbeiter befinden sich bereits seit Anfang Februar in Kurzarbeit, um dadurch betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Flughafen Rostock-Laage bleibe aber auch nach den neuesten schlechten Nachrichten betriebsbereit, teilte die Geschäftsführung des Airports am Sonntag mit. Der Flugbetrieb sei sichergestellt. „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass mittelfristig die erfolgreiche Strecke von Rostock nach München durch eine andere Airline ersetzt werden kann und damit der Geschäftsreisebetrieb für die Unternehmen der Region wieder sichergestellt wird“, sagte Flughafen-Chefin Dörthe Hausmann. Von Laage aus hatte die Airline 2018 den Angaben zufolge 38 439 Passagiere von und nach München befördert. Hausmann bezeichnete die langjährige Zusammenarbeit mit Flybmi rückblickend als „äußerst gut“.

Was dem Airport jetzt noch bleibt, sind die Flugzeuge, mit denen Kreuzfahrttouristen ins Land gebracht werden, die von Warnemünde aus ihren Urlaub starten. Doch auch für diese Sparte gibt es schlechte Nachrichten: Im Vergleich zum Vorjahr muss sich der Flughafen auf weniger Passagiere einstellen. Die Reederei Pullmantur Cruises hatte sich entschieden, in diesem Jahr die Anreise der Touristen über Malmö laufen zu lassen. 2018 wurden über Pullmantur 23 300 Passagiere in Laage abgefertigt.

17 Maschinen im europaweiten Einsatz

Die BMI-Pleite ist dagegen eine mit Ansage. Schon im Januar hatte die Airline die Verbindung Rostock-Stuttgart gestrichen und das mit den Unsicherheiten durch den Brexit und höheren Kerosinpreisen begründet – so, wie jetzt auch die Einstellung des gesamten Betriebes, die nach sechs Jahren am Markt „schweren Herzens“ erfolgt sei. „Die Herausforderungen erwiesen sich als unüberwindlich“, hieß es am Wochenende vonseiten der Airline, die 376 Mitarbeiter in Großbritannien, Deutschland, Schweden und Belgien beschäftigt und mit 17 Maschinen 25 europäische Ziele anflog. Im vergangenen Jahr nutzten 522 000 Passagiere auf 29 000 Flügen diese Verbindungen. Neben Rostock sind von der Pleite in Deutschland auch die Flughäfen Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, München, Nürnberg und Saarbrücken betroffen.

Wirtschaft braucht Verbindung in die Metropolen

„Gerade die tägliche Anbindung an den Airhub München war für die regionale Wirtschaft von besonderer Bedeutung“, sagt Jens Rademacher, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Rostock. „Besonders für eine prosperierende und wachsende Wirtschaftsregion wie unsere sind solche Anbindungen auch künftig unverzichtbar“, erklärte der Kammer-Geschäftsführer, der hofft, dass der Airport Laage schnell adäquaten Ersatz findet.

Flughafen als Eintrittskarte ins Land

Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband bedauert, dass sich „für den Flughafen unverschuldet eine Hiobsbotschaft an die nächste reiht“. Den Wegfall der Linienflugverbindung nach München sehe er sogar als existenzgefährdend für den Airport an. „Die Kernfrage, die sich jetzt stellt, ist, ob ein Land ohne Linienflughafen auskommen kann, will oder sogar fast muss“, erklärte der Touristiker. Gerade für kleinere Regionalflughäfen sei es in der aktuellen Marktsituation schwer, sich Maschinen für Verbindungen in die Metropolen zu sichern. „Dem Flughafen Laage ist dabei kein Vorwurf zu machen. Mit den Instrumenten, die man hat, steht man einer solchen Entscheidung einer Airline quasi ohnmächtig gegenüber“, schätzt Woitendorf ein. Auch wenn die Touristen, die ins Land kommen, zu fast 90 Prozent mit dem Auto anreisen, sei ein Landesflughafen mit Linienflugverbindungen „eine Eintrittskarte und ein Standort-Argument, nach dem wir oft gefragt werden“, sagt er.

Japanische Springer-Delegation kommt nicht weg

In Rostock hat die Pleite der britischen Airline auch die Organisatoren des Sprintertages getroffen. Die japanische Auswahl sollte am Montag um 8 Uhr ab Laage nach München fliegen. „Jetzt müssen wir sehen, wie wir sie nach München kriegen“, erklärte Andreas Kriehn, Organisationschef des Springertages, am Sonntagnachmittag.

Regionalflughafen bietet Vorteile

Zu den regelmäßigen Nutzern der Flugverbindung München-Rostock gehörte auch Andre Kracht. Der Inhaber des Restaurants Achtern Diek in Prerow besitzt neben seiner Heimat MV auch einen Wohnsitz in der bayerischen Metropole, weil er als Koch und Unternehmer auch im Süden der Republik viele Aufträge hat. „Die Flugverbindung war für mich die Vorzugsvariante vor einer stundenlangen Fahrt mit dem Auto oder der Bahn. Dass sie jetzt wegfällt, finde ich wirklich sehr bedauerlich“, sagt Kracht. Ein Ausweichen auf die Flughäfen Hamburg oder Berlin sei für ihn keine Alternative. „In Laage konnte man zum Beispiel auch kostengünstig das Auto mal für eine Woche stehen lassen. Wenn ich das in den Metropolen machen, ist allein das Parken teurer, als direkt mit dem Auto zu fahren.“

Claudia Labude-Gericke

Der EU-Austritt Großbritanniens in sechs Wochen hat auch der britischen Airline Flybmi zugesetzt: Sie stellt ihren Betrieb ein. Der mecklenburgische Flughafen Rostock-Laage wird dadurch stark getroffen –bleibt aber betriebsbereit. Eine andere Airline soll die Linie nach Bayern übernehmen.

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