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Rostock Backhaus: Neuer Hafen ist ein Kompromiss
Mecklenburg Rostock Backhaus: Neuer Hafen ist ein Kompromiss
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10:26 07.02.2015
Umweltminister Till Backhaus stellt sich beim OZ-Telefonforum den Fragen der Leser zum neuen Hafen in Prerow. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Für Umweltminister Till Backhaus (SPD) steht fest: „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, in Prerow endlich einen neuen Hafen zu bauen, dann gelingt es nie.“ Immer wieder sagt er dies zu den Lesern der OSTSEE-ZEITUNG, die ihn am Donnerstag beim Telefonforum der OZ zum Hafenprojekt der Landesregierung befragen. Er habe „vollen Rückenwind“ im Kabinett, sagt Backhaus. Und zur Finanzierung werde es im Landtag bald einen fraktionsübergreifenden Antrag der demokratischen Parteien (SPD, CDU, Die Linke, Bündnis 90/ Die Grünen) geben, kündigt er an. Nun muss Backhaus „nur“ noch die Einwohner des Ostseebades Prerow auf dem Darß überzeugen. Im März könnten die Gemeindevertreter über einen Bürgerentscheid abgestimmt

Dr. Lothar Petermann (71), Stralsund: Als Segler meine ich, dass der neue Hafen vor allem ein Etappenhafen zwischen Warnemünde und Stralsund sein muss.

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Till Backhaus: Die Landesregierung hat bereits 1990 beschlossen, dass der Nothafen „Darßer Ort“ nur eine Übergangslösung ist. Der neue Hafen soll ein Nothafen mit Etappenfunktion werden. Das Land wird den Hafen bauen und unterhalten. Damit hat sich das Kabinett übrigens zum ersten Mal so weit aus dem Fenster gelehnt.

Herr Hübner (65), Prerow: Die Prerower lieben ihren Strand. Warum wird der Hafen nicht am Fuchsberg, am Ortsrand von Prerow, direkt an der Straße gebaut?

Backhaus: In der Machbarkeitsstudie wurden die Standorte Seebrücke Prerow und Seebrücke Zingst genauer untersucht. Der Standort vor der Prerower Seebrücke ist ist demnach der optimale für einen kleinen Not- und Etappenhafen. Ihren Vorschlag zum Standort Fuchsberg nehme ich aber mit.

Doris Hofmann (76), Prerow: Bisher ist viel zu wenig von einem Passagierschiff und von Schifffahrtslinien die Rede. Das wäre für uns Prerower aber sehr wichtig.

Backhaus: Es ist vorgesehen, dass künftig Passagierschiffe an der Seebrücke anlegen. Die Schiffe könnten beispielsweise nach Stralsund und Warnemünde oder nach Dänemark fahren.

Manfred Neumeister (72), Warsow (Ludwigslust-Parchim): Der Darß ist ein einzigartiges Stückchen Natur in Mecklenburg-Vorpommern. Der Bau des neuen Hafens muss deshalb so schonend wie möglich ablaufen.

Backhaus: Da stimme ich mit Ihnen überein.

Torsten Lepsin (64), Steinbergkirche (Schleswig-Holstein): Am meisten stört mich an dem Projekt die Kleinheit des Hafens. Der Seenotkreuzer wird dort mit einem Havaristen am Haken nicht heil hineinkommen. Warum wird der Hafen nicht größer gebaut?

Backhaus: Der Not- und Etappenhafen ist eine Kompromisslösung. Nur so können die Anforderungen des Naturschutzes, die Interessen der Prerower, der Seenotretter, Segler und Fischer unter einen Hut gebracht werden – dafür stehen zwölf Millionen Euro bereit.

Ilse Kleiner, Hannover (Niedersachsen): Mein Mann und ich sind Segler. Wir haben uns bisher nicht getraut, die lange Strecke von Warnemünde nach Barhöft zu segeln. Wir wären froh, wenn es bald einen Seglerhafen in Prerow geben würde.

Backhaus: Es soll ein kuschliger Hafen mit Flair werden, natürlich auch für die Segler. Die Seenotrettung wird jedoch absolute Priorität haben. Die Rettung von Menschenleben ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der dürfen sich die Prerower nicht verschließen.

Jörg Rennhack (51), Prerow: Wir brauchen diesen Etappenhafen, auch wenn er klein ist. Wie steht es mit den sanitären Einrichtungen?

Backhaus: Ich werde mit Wirtschaftsminister Harry Glawe über Infrastrukturmittel sprechen, die dafür verwendet werden könnten.

Dr. Burkhart Günther, Prerow: Das Gutachten zum Projekt Seebrücke hat 30 000 Euro gekostet. Insgesamt sind etwa 2,5 Millionen Euro für Gutachten und Stellungnahmen (etwa 40) in den Sand gesetzt worden. Meinen Sie nicht auch, dass das reicht und dass es besser ist, den Nothafen zu erhalten?

Backhaus: Im Nationalpark ist es geboten, natürliche Verhältnisse wiederherzustellen, nach dem Motto ‚Natur Natur sein lassen‘. Dies gilt insbesondere für die Kernzonen und die dort befindlichen Lebensräume. Die freie Küstendynamik, die ein wesentliches Schutzziel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft darstellt, wird durch den Erhalt des Nothafens maßgeblich beeinträchtigt.

Günther: Die Nassbaggerung des Hafens hat von 1992 bis 2005 im Durchschnitt 63 000 Euro pro Jahr gekostet. Die Baggerung 2010/11 dann 970 000 Euro und die Baggerung 2013 etwa 700 000 Euro. Wie kann dieser Unterschied erklärt werden? Ist die Baggerung nicht ausgeschrieben worden?

Backhaus: Die Kosten sind vor Allem von der Baggermenge sowie von dem im jeweiligen Jahr verfügbaren Angeboten der Baggerunternehmen abhängig. Die Baggermenge ist von den Strömungsverhältnissen, die in den einzelnen Jahren durchaus unterschiedlich sein können, und von der Zeitdauer zwischen den Baggerungen abhängig. Zwischen 2005 und 2010 wurde keine Baggerungen durchgeführt. Daher musste 2010 eine wesentlich größere Sedimentmenge gebaggert werden. Auch 2013 wurde eine größere Menge gebaggert. Die Größe der Baggerung wirkt sich letztendlich auf die Kosten aus.

Günther: Wann ist die nächste Baggerung im Nothafen geplant? Werden die Sedimente wieder im Hafen verklappt?

Backhaus: Die nächste Baggerung ist 2015 geplant. Der Umfang der Maßnahme und die Entscheidung zur Verklappung des Baggerguts aus der Fahrrinne wird im Genehmigungsverfahren getroffen.

Gesa Siebert (51): Warum soll der Hafen so klein und so weit vom Land entfernt gebaut werden? Von mir aus könnte der Hafen dreimal so groß sein.

Backhaus: Entscheidend sind der Tiefgang des Seenotkreuzers und möglichst geringe bzw. keine Auswirkungen auf den Strand. Deshalb muss der Hafen so weit draußen gebaut werden. Die Größe hängt auch von den Finanzmitteln ab. Für den Hafenbau stellt das Land zwölf Millionen Euro bereit.

Norbert Loth (61), Insel Poel: Prerow wird vom Hafen profitieren, auch wenn die Anlage viel zu klein ist. Ich würde mich bei Windstärke 6 oder 7 nicht trauen, in den Hafen einzulaufen. Warum wird er nicht größer geplant?

Backhaus: Ich bin überzeugt davon, dass der gesamte Ort durch den Hafen aufgewertet wird. Entscheidend ist, dass an der Seebrücke die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich sein werden – und die Kostenfrage. Wir müssen endlich eine Lösung finden. Größere Häfen sind in der Vergangenheit an den Kosten und am Widerstand in der Region gescheitert.

Kristina Fischer (61), Prerow: Wir hoffen, dass der Hafen bald gebaut wird. Wie schlimm werden die Bauarbeiten für die Gäste sein?

Backhaus: Die Steinaufschüttungen für die Hafenmole werden natürlich nicht in der Saison vorgenommen.

Fischer: Wird durch den Hafenbau die Badewasserqualität gemindert?

Backhaus: Nein, die Badewasserqualität wird nicht verschlechtert. Der Eintrag wasserverschmutzender Stoffe ist grundsätzlich verboten. Im Hafen soll es Einrichtungen zur Abwasserentsorgung geben. Eine Verschlechterung der Wasserbeschaffenheit (Algen) durch die Änderung der Strömungsverhältnisse ist nicht zu erwarten, da der vergleichsweise kleine Inselhafen keine erhebliche Änderung der Strömungsverhältnisse bewirkt.

Fischer: Wird der Hafen für den Publikumsverkehr öffentlich sein und kann man die Mole betreten?

Backhaus: Eine öffentliche Nutzung von Seebrücke und Hafenvorplatz durch Fußgänger ist vorgesehen. Derzeit ist als Hafenschutzbauwerk ein Natursteinwellenbrecher geplant, der aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden sollte. Würde das Projekt durch ein Kronenbauwerk ergänzt, wäre der gesamte Wellenbrecher begehbar.

Fischer: Welchen touristischen Mehrwert könnte das Hafen-Projekt für Prerow bewirken?

Backhaus: Durch die Erweiterung der Seebrücke könnte Prerow mit der längsten Seebrücke im Ostseeraum werben. Mit dem Hafen wird der maritime Charakter Prerow gestärkt. Der Seenotrettungskreuzer ist für viele Touristen ein beliebter Anziehungspunkt. Die DGzRS informiert gerne über die Seenotrettung und die Ausrüstung der Schiffe. Auf Anregung der Gemeinde soll ein Liegeplatz für ein Fahrgastschiff im vom Hafen geschützten Bereich in die Entwurfsplanung aufgenommen werden. Es sollen möglichst weitere saisonale Liegeplätze für Sportboote geschaffen werden. In der Vor- und Nachsaison könnten Anglerboote im Hafen liegen. Dadurch ergibt sich eine – wenn auch vergleichsweise geringe – Stärkung der Vor- sowie der Nachsaison.

Fischer: Ist die Brücke zum neuen Hafen breit genug für Fahrzeuge und Fußgänger?

Backhaus: Die Seebrücke Prerow ist etwa drei Meter breit. Nach der Erweiterung ist die Seebrücke etwa 530 Meter lang. Die Anzahl der Fahrzeuge auf der Seebrücke wird gering sein. So werden verletzte Menschen von der DGzRS vorzugsweise direkt nach Warnemünde oder Barhöft gebracht, da ein Verletzten-Transport von Prerow zu einem Krankenhaus vergleichsweise lange dauert. Für die Fischer wird über ein Transportsystem für die Fanggeräte und den Fang unter bzw. neben der Seebrücke nachgedacht. Für den seltenen Fall einer gleichzeitigen Nutzung der Seebrücke durch Fußgänger und Fahrzeuge ist geplant, eine größere Anzahl ausreichend großer Ausweichflächen für Fußgänger) zu schaffen.

Silke Hagemeister, Prerow: Ich möchte Sie ermuntern, am Ball zu bleiben. Wir brauchen den Hafen.

Backhaus: Ich wünsche mir, dass die Prerower erkennen, dass es bei dem Projekt um die Zukunftsfähigkeit des Ostseebades geht. Hier entsteht übrigens die längste Seebrücke an der Ostsee, von jetzt 394 Metern wird sie auf 530 Meter verlängert. Wenn man den Hafen mitrechnet, sind es sogar etwa 600 Meter.

Bernd Rosenlöcher (74), Nienhagen (Landkreis Rostock): Dieses Hafenprojekt ist küstendynamisch unmöglich. Weder in Prerow noch in Zingst kann solch ein Hafen gebaut werden. Warum wird nicht der Nothafen Darßer Ort weiter genutzt?

Backhaus: Die Auswirkungen auf die Küstendynamik wurden unter anderem in der Machbarkeitsstudie bewertet. Ein kleiner Inselhafen mit großem Abstand zur Küste hat demnach nur geringe Auswirkungen auf die natürliche Küstendynamik. Gerne bin ich mit meinen Fachabteilungen zu Gesprächen bereit.

Frank Rennhack (48), Hamburg: Der Hafen ist für Prerow und die Region touristisch und wirtschaftlich ein großer Vorteil. Ich finde das Projekt aber nicht ideal. Warum wird nicht eine gemeinsame Lösung für Prerow und Zingst gesucht?

Backhaus: Laut der Machbarkeitsstudie liegen die Prioritäten eindeutig bei Prerow: die Lage an der Seebrücke und die dort vorhandene Infrastruktur, die Bedingungen der Sedimenttransporte.

Jörg und Doris Pagel, Prerow: Wie viele Liegeplätze sind für den Offshore-Windpark Baltic 1 geplant?

Backhaus: Keine, die Versorgung des Windparks läuft ausschließlich über den Hafen Barhöft.

Ingo Bussert: Aus welchen Gründen soll der schon fast sanierte Nothafen aufgegeben werden?

Backhaus: Der Nothafen ist nicht saniert. Bauliche Veränderungen sind in der Schutzzone I des Nationalparks nicht genehmigungsfähig. Und die Fortsetzung der Nutzung ist nicht umweltverträglich.

Jochen Lamp, Leiter des WWF- Ostseebüros Stralsund: Lassen Sie sich diese Lösung nicht zerreden. Der WWF und die Umweltverbände unterstützen das Hafen-Projekt voll.

Heiko Purka (72), Prerow: Die Mehrheit der Prerower wollen an der Seebrücke keinen Hafen. Warum kann der Hafen nicht zwischen Prerow und Zingst, am Fuchsberg direkt an der Straße, gebaut werden?

Backhaus: Wir schauen uns diesen Vorschlag noch einmal in Ruhe an. Beim Standort gibt es vieles zu beachten, die notwendige Wassertiefe, Sedimentdynamik<TH>. . . Grundsätzlich wären auch andere Standorte für einen Inselhafen denkbar. Die Grundüberlegung war aber, bestehende Infrastruktur zu nutzen und ortsnah auch eine touristische Entwicklung zu ermöglichen.

Hans-Joachim Kurat (63), Ribnitz-Damgarten: Ich bin dafür, die gesamte Urlaubsregion zwischen dem Darß und Ribnitz-Damgarten zu entwickeln. Mit einem Durchstich würde dies besser gelingen.

Backhaus: Dagegen sprechen die viel höheren Kosten sowie umfangreichere Eingriffe in die Natur.

Stefan Gladisch, Rostock: Gibt es schon einen Termin für die letztmalige Ausbaggerung des Nothafens Darßer Ort?

Backhaus: Es gibt noch keinen Termin für die letztmalige Baggerung des Nothafens.

Gladisch: Ab wann wird der Seenotrettungskreuzer wieder vor Ort liegen?

Backhaus: Es ist geplant in diesem Jahr die Hafenzufahrt wieder herzustellen und damit dem Seenotrettungskreuzer ein Liegerecht einzuräumen.

Familie Andreas Wagner, Dresden: Warum passt der Nothafen nach so vielen Jahren plötzlich nicht mehr in die Landschaft? Ich kann durch ihn keine Beeinträchtigung der Landschaft erkennen.

Backhaus: Die Errichtung im Jahr 1962 stand bereits im Widerspruch zur naturschutzrechtlichen Festsetzung des Naturschutzgebietes Darßer Ort aus dem Jahre 1957. Seit Beginn stellen Errichtung, Betrieb und Unterhaltung eine wesentliche Beeinträchtigung der vielfältigen Lebensräume am Darßer Ort dar.

Wagner: Wie kann verhindert werden, dass sich die Steine von der Aufschüttung der Steinmauer, die zum Schutz des neuen Hafens notwendig wird, auch am Strand und vor allem im Wasser verteilen?

Backhaus: Der Wellenbrecher wird in einem Abstand von 450 Metern von der Uferlinie errichtet. Das Steingewicht der Natursteine wird so bemessen, dass die Steine auch bei Eintritt von Extremereignissen innerhalb des Bauwerks verbleiben. Es werden nur leichte Umlagerungen im Profil des Wellenbrechers zugelassen, das heißt, ein Transport der Natursteine an den Strand ist ausgeschlossen.



Bernhard Schmidtbauer