Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Rostock Vom Elektromonteur zum Großherzog: Der Kabarettist Hans-Peter Hahn wird 80 Jahre alt
Mecklenburg Rostock

Bad Doberaner Kabarettist Hans-Peter Hahn wird 80 Jahre alt

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 25.08.2021
Hans-Peter Hahn vor dem Köster-Klickermann-Bild. Der Entertainer wird am 25. August 80 Jahre alt.
Hans-Peter Hahn vor dem Köster-Klickermann-Bild. Der Entertainer wird am 25. August 80 Jahre alt. Quelle: Werner Geske
Anzeige
Bad Doberan

Wer Hans-Peter Hahn am heutigen Tag auf den Straßen der Münsterstadt begegnet, der sollte der freundlich-scherzhaften Nachfrage nach dem Befinden „Ihrer Königlichen Hoheit“ unbedingt ein: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ hinzufügen. Der prominente Humorist und Kabarettist, in Bad Doberan besonders in der Rolle als Großherzog Friedrich Franz I. beim alljährlichen Heiligendammer Anbaden bekannt, feiert nämlich am 25. August sein Wiegenfest. Nun zum 80. Mal. Für ihn selbst, den viele als einen Vollblutkomödianten lieben, ein kaum zu fassendes Jubiläum: „Wo sünd all de Johre hen!?“

Heiße Eisen gekonnt aufgegriffen

Glücklicherweise verfügt er jetzt über ein reich bebildertes und betextetes Album auf Hochglanzpapier, das ihm vor allem den Rückblick auf sein Künstlerleben erleichtert. Nicht enthalten sind darin allerdings Erinnerungen an dessen Ursprünge. Die liegen nämlich in Kindertagen, verbracht im Hause der Großeltern in Krakow am See. „Hans-Peter, mach’ doch mal wieder Quatsch!“, heißt es immer mal wieder. Und der kleine Hans-Peter lässt sich nicht lange bitten. Parodiert den einen oder anderen Bekannten und zum Leidwesen des Großvaters auch manchen Politiker: „Wenn das die Stasi mitbekommt. Der Bengel bringst uns ja in Teufels Küche!“

Historisches Anbaden in Heiligendamm: Großherzog Friedrich Franz I. (Hans Peter Hahn, r.) und Badearzt Professor Samuel Gottlieb Vogel (Peter Kupatz). Quelle: Anja Levien

Dahin bringt der Waisenjunge aus Hamburg, der bei Oma und Opa aufwächst, allerdings zum Glück weder die Großeltern noch sich selbst. Auch später nicht, als er schon auf den Kabarettbühnen der Deutschen Demokratischen Republik steht und deren zahllose Probleme durch den Kakao zieht. Doch die heißen Eisen greift er immer so gekonnt auf, dass ihm niemand eine böse Absicht unterstellen kann. Nur einmal, da er mit seinem ein Jahr älteren musikalischen Partner Peter Körner das Kästner-Gedicht „Entwicklung der Menschheit“ interpretiert, eckt das Duo bei einem übereifrigen Kulturfunktionär an. Der Übereifrige sieht darin einen Angriff auf Partei- und Staatsfunktionäre. Doch das ist eine Episode aus viel späteren Jahren. Vorerst macht sich der Dreikäsehoch noch im heimischen Krakow mit seinem komischen Talent einen Namen: „Von wem der Junge das bloß hat?“ Geahnt wird damals dennoch nicht, dass die Ulknudel eines Tages die Leute zwischen Fichtelberg und Kap Arkona zum Lachen bringt.

Bei den „Knallerbsen“ auf der Werft

Dass sich diese Fähigkeit weiter entfaltet, steht in Zusammenhang mit der Lehre als Elektromonteur, die Hans-Peter Hahn 1958 in Lauchhammer aufnimmt. Auch im damaligen DDR-Bezirk Cottbus werden zu dieser Zeit junge Talente auf dem Gebiet des Kabaretts und der Pantomime gesucht. „Durch Freunde und Familie bestärkt, die von meinem Talent überzeugt waren, stellte ich mich der Jury und gewann auf Anhieb den Bezirksmeistertitel“, erzählt Hahn noch immer voller Stolz. 1963 zieht es ihn wieder nach Norden. Auf der Warnowwerft findet er als Schiffselektriker schnell eine Arbeit. Nicht ganz so rasch ergibt sich die Gelegenheit, sein künstlerisches Talent unter Beweis zu stellen. Kann da die Abteilung Kultur des Rates der Stadt behilflich sein? Mit Kurt Tucholskys Solo „Wo kommen die Löcher im Käse her?“ beeindruckt der junge, forsche Mann die dortigen Verantwortlichen. Ihr Rat: „Melden Sie sich bei der Kabarettgruppe der Neptunwerft ,Die Knallerbsen‘.“ Eine gute Empfehlung, wie sich herausstellt. Dieses Kollektiv kann sich 1964 die Goldmedaille im DDR-Wettbewerb der Jungen Talente umhängen lassen.

Hans-Peter Hahn (l.) und Peter Körner. Quelle: privat

Wechsel an die Lehrerbildungsanstalt

„Wahrscheinlich wäre ich diesem Kabarett auch weiterhin treu geblieben, wenn ich nicht darauf aufmerksam gemacht worden wäre, dass Lehrer für die Unterstufe gesucht würden“, denkt Hans -Peter Hahn an diesen Wendepunkt in seinem Leben zurück. Ein Versuch, der es wert ist, gewagt zu werden, meint der damals 24-Jährige und meldet sich mutig zur Prüfung im Institut für Lehrerbildung in Neukloster an. Wohl vor allem zur eigenen Verblüffung besteht er das Examen mit Bravour. Statt Kabel verlegen und Schalter montieren, heißt es nun studieren. Doch da ist auch weiterhin die alte Leidenschaft: Student Hahn begründet das Kabarett der Lehrerbildungsanstalt, „Die pädagogischen Zeigefinger“, das mit seinen frechen Texten und treffenden Pointen bis heute bei den einstigen Studierenden unvergessen ist. Manchmal schlägt der Kabarettchef jedoch auch über die Stränge, was besonders im Falle des Direktors der Bildungsanstalt fast fatale Folgen für ihn hat. Doch beide sprechen sich aus, der Verulkte verzeiht und schließlich verbindet beide eine Freundschaft über das Studium hinaus. Für Hans-Peter Hahn bleibt die Lehre: Kabarett kann auch einmal weh tun, sollte aber nicht verletzen.

Künstlerische Ehe seit über 50 Jahren

Eine Maxime, der er bis heute treu geblieben ist. Denn auch als er ab 1968 in Rostock zunächst an der 29. und später an der 42. Polytechnischen Oberschule unterrichtet, steht er in der Freizeit sowohl als Solist als auch ab 1969 mit seinem Berufskollegen Peter Körner auf der Bühne. Ein kongeniales Duo, in dem sich beide die Bälle zuspielen. Hans-Peter Hahn meistens als brillanter Texter und Stichwortgeber, Körner als der famose Mann am Klavier und Akkordeon, der ebenfalls viele Ideen liefert. Ein Paar, das über viele Jahre morgens als Lehrer vor der Klasse und abends als Unterhaltungskünstler auf der Bühne steht. Ein Paar, das wie Latsch und Bommel zusammenpasst. Der eine kann nicht ohne den anderen. Vor Publikum spielen sie sich die Bälle so gekonnt zu, dass man sich in den Reihen oft den Bauch vor Lachen hält und auf die Oberschenkel schlägt. Der eher abgeklärt wirkende Körner weiß, dass der quirlige Hahn bei ihren Auftritten auch gern einmal einer plötzlichen Eingebung folgt. Doch um eine entsprechende Reaktion ist er zum Vergnügen der Leute nicht verlegen. „Wir hätten keine besseren Partner finden können“, sind sich beide nach 52 Jahren künstlerischer Ehe einig.

In diesen gut fünf Jahrzehnten hebt sich für die beiden gut 3800 Mal in rund 300 Orten deutschlandweit der Vorhang. Besonders gern treten sie allerdings in ihrer Mecklenburger Heimat auf: „In der Bühne 602 im Rostocker Stadthafen fühlen wir uns seit über 20 Jahren besonders heimisch. Wenn wir in Rostock, Bad Doberan, Wismar, Boltenhagen oder Güstrow gastieren, sind das für uns so etwas wie Heimspiele.“ Liebend gern gastieren sie mit „Köster Klickermann“. Eine Paraderolle für Hahn. Der etwas schrullige Dorfschulmeister aus Rudolf Tarnows gleichnamiger Geschichte in plattdeutschen Versen ist dem mit Mutterwitz und Humor begabten Hahn wie auf den Leib geschrieben. Doch der ist nicht nur der Mann fürs Niederdeutsche. Ebenso perfekt versteht er es, mit ostpreußischem Humor zu erheitern. Eine Fähigkeit, die er bereits als Kind erwarb, als er ostpreußischen Flüchtlingen amüsiert zuhörte und schon bald ihren Dialekt perfekt nachahmte.

Ihr Newsletter für Bad Doberan und Umgebung

Alles Wichtige aus Bad Doberan, Kühlungsborn und Umgebung. Jede Woche Mittwoch gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Abschied als Großherzog in Heiligendamm

Wahrscheinlich wird er heute nicht umhin können, auch während seiner Geburtstagsfeier eine Kostprobe seines Könnens geben. Da aber der Kreis derjenigen, die sich daran erfreuen können, naturgemäß klein sein wird, sei darauf hingewiesen, dass der Mundwerktätige, wie er sich gerne nennen lässt, auch nicht einen Gedanken daran verschwendet, von der Bühne abzutreten. Im Gegenteil. Das Auftragsbuch ist gut gefüllt. Die nächsten Auftritte sind für den 9. Oktober in Bad Doberan, den 6. November in Poppendorf und den 12. November in Zingst geplant. Doch zuvor wird Hans-Peter Hahn am 18. September seinen Abschied als Großherzog beim Abbaden in Heiligendamm geben: „Dat makt mi schon een bäten trurig, doch das Läben geiht wieder. Un eens kannst weiten: Ick bliev nich tau Hus sitten. Dat kannst vergäten!“, versichert der Unverwüstliche in seinem geliebten Platt.

Von Werner Geske