Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Bäderregelung: Plakate heizen Streit neu an
Mecklenburg Rostock Bäderregelung: Plakate heizen Streit neu an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:30 05.02.2014
Volker Liebrecht von Christinas Mode mit einem Plakat: „Warum wir am Sonntag im Januar und Februar nicht für Sie da sein dürfen, kann ihnen nur die Kirche erklären.“
Volker Liebrecht von Christinas Mode mit einem Plakat: „Warum wir am Sonntag im Januar und Februar nicht für Sie da sein dürfen, kann ihnen nur die Kirche erklären.“ Quelle: Lutz Rößler
Anzeige
Rostock

Der Zoff um die Bäderregelung an der Küste nimmt wieder an Fahrt auf. Mit provokanten Plakaten protestieren jetzt Einzelhändler in Schleswig-Holstein gegen die Kirche und Landesregierung und ihren kürzlich gemeinsam erzielten Kompromiss. Die Protestaktion stößt in Mecklenburg-Vorpommern auf großes Interesse. Denn die freizügigeren Öffnungszeiten im benachbarten Bundesland sind als Vorbild für ein neues Regelwerk im Nordosten im Gespräch.

Aber: „Dieser Protest zeigt, dass die Einzelhändler nicht zufrieden sind und weiter kämpfen“, kommentiert Burkhard Rohde die Aktion. Der Vorsitzende vom Handelsverband Ostseeküste macht sich seit Jahren für mehr verkaufsoffene Sonntage in MV stark und hat auch schon Protestplakate in seinem Warnemünder Geschäft ausgehängt – mit der Frage „Kann Einkaufen Sünde sein?“

In Schleswig-Holstein hängen die Plakate in fünf Varianten – zum Beispiel mit dem Konterfei von Papst Franziskus oder dem Satz: „Warum wir am Sonntag im Januar und Februar nicht für Sie da sein dürfen, kann ihnen nur die Kirche erklären.“ Die Initiatoren bezeichnen die Aktion als Hilferuf, „weitere Kleinexistenzen dürfen nicht zerstört werden“. Beate Bäumer, Leiterin des katholischen Büros des Erzbistums Hamburg in Kiel sagt zum Papstplakat nur: „Geschmacklos!“

Nach der Einigung von Kirche und Regierung in Schleswig-Holstein ist auch in MV eine Überarbeitung des Regelwerks im Gespräch. Das bestätigt das zuständige Wirtschaftsministerium. Details gibt es aber seit Monaten nicht preis.

„Das Problem ist, dass sich immer mehr Interessengruppen zu Wort melden“, sagt Burkhard Rohde. Darunter seien auch Investoren, die an der Küste Geld verdienen wollen. „Und das können sie besser, wenn auch sonntags Geschäfte möglich sind“, ergänzt Rohde.

Der Landestourismusverband ist für eine Angleichung des Regelwerks. „Der Gast sollte wissen, wann er im Norden einkaufen kann und keine landestypischen Öffnungszeiten präsentiert bekommen“, betont Verbandsgeschäftsführer Bernd Fischer. Die Idealvorstellung wäre, wenn der Gast das bekäme, was er aus anderen Urlaubsregionen gewohnt sei: Einkaufen an jedem Sonntag. „Aber es geht hier um die Politik des Machbaren und da muss man zu Kompromissen bereit sein“, ergänzt Fischer. Wie Burkhard Rohde betont, sei eine schnelle Angleichung nötig, um Chancengleichheit zwischen den Einzelhändlern in MV und Schleswig-Holstein zu gewährleisten.

Wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Schleswig-Holstein erklärt, sei man davon überzeugt, einen vernünftigen Kompromiss gefunden zu haben. Und der sieht so aus: Geschäfte in touristisch wichtigen Orten dürfen am dritten und am vierten Advent sowie am ersten Sonntag nach Neujahr öffnen. Zudem können die Händler von Mitte März bis Ende Oktober sonntags verkaufen, die Saison beginnt damit zwei Wochen früher als in MV. Auch die Öffnungszeiten sind eine Stunde länger. Und anders als in MV fehlt eine Beschränkung auf kleine Läden mit maximal 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Um wie in Schleswig-Holstein die Sonntage vor und nach Weihnachten freizugeben, müsste in MV auch das Ladenöffnungsgesetz geändert werden. Dafür kämpft Burkhard Rohde. Grund: Der Umsatz an den Sonntagen sei dreimal so hoch wie der Jahresdurchschnitt. Bislang darf im Nordosten nur am ersten Advent eingekauft werden.



Kerstin Schröder und Curd Tönnemann