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Rostock Arbeiten in Rostocks Schutzgebiet: Gibt es geheime Deals beim Grundstücksverkauf?
Mecklenburg Rostock Arbeiten in Rostocks Schutzgebiet: Gibt es geheime Deals beim Grundstücksverkauf?
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11:00 26.10.2019
Auf dieser Grünfläche an der Talstraße will die WG Warnow mehrgeschossige Wohnhäuser bauen. Quelle: André Horn
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Rostock-Stadtmitte

Im Streit um die geplante Wohnbebauung im Trinkwasserschutzgebiet an der Talstraße wirft ein Schreiben aus dem Jahr 2017 Fragen auf. Zuletzt hat Rostocks Stadtplanungschef Ralph Müller im Ortsbeirat Stadtmitte betont, dass die Planungen für die Grünfläche noch ganz am Anfang stünden und alles offen sei. Für den Bau von Wohnhäusern müsste die Wohnungsgenossenschaft (WG) Warnow erst mehrere Prüfungs- und Genehmigungsverfahren durchlaufen, hieß es. Das letzte Wort habe die Bürgerschaft.

In einem Antrag an die Stadt schreibt das Unternehmen Eurawasser jedoch bereits im Februar 2017: „Durch die WG Warnow erfolgt der Kauf der Grundstücke des alten Güterbahnhofes von der DB AG zum Zwecke einer Wohnbebauung. Auf Grund der geplanten Bebauung wird unter anderem die Umverlegung der HTL (Haupttrinkwasserleitung) Ost DN 1200 St erforderlich.“ Eurawasser arbeitete zu jener Zeit im Auftrag des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV), bei dem die Hansestadt Rostock Verbandsmitglied ist.

Leitung wurde an Grundstücks-Rand verlegt

Auszug aus dem Schreiben von Eurawasser an das städtische Grünamt im Februar 2017. Quelle: Benjamin Barz

Vom September 2017 bis zum Dezember 2018 ist die Leitung schließlich an den Rand des Grundstücks verlegt worden. Im gleichen Zeitraum verkaufte der WWAV eine 1200 Quadratmeter große Fläche auf dem Areal an die WG Warnow. Ohne Ausschreibung. Dabei hatten Anwohner zuvor ebenfalls ihr Interesse bekundet. „Wir wollten das ehemalige Freilager des Wasserwerks kaufen oder eventuell pachten. Aber die Aussage war immer, das Grundstück ist unverkäuflich und unbebaubar, weil da die Wasserleitungen nach Dierkow durchgehen“, sagt Christiane Schünemann.

Aufgrund der Vorgänge befürchtet der Verein „Grüner Greif“ nun, dass die angekündigten Prüfverfahren nur vorgeschoben sein könnten und auf jeden Fall gebaut wird. „Es wurden bereits Fakten geschaffen“, sagt die Vereinsvorsitzende Hansje Eidam. Sie verweist neben der Verlegung der Trinkwasserleitung auf die Rodung von Bäumen und Strauchwerk auf dem Areal. Die Fällungen sollen im vergangenen Winter teilweise illegal erfolgt sein. Entsprechende Anzeigen liegen der Stadt seit Januar vor – „eine Ahndung der offensichtlichen Ordnungswidrigkeiten ist aber bis heute nicht vollzogen worden“, so Eidam. Das Rathaus bestätigt auf OZ-Nachfrage, dass die Verfahren noch laufen.

Laut WWAV lagen zwei Kaufanfragen vor

Das kommunale Unternehmen Nordwasser, das Eurawasser im Juli 2018 abgelöst hat, will das Schreiben aus dem Jahr 2017 nicht kommentieren. Sprecherin Bettina Klanins betont auf OZ-Nachfrage aber, dass ausschließlich betriebliche Gründe für die Erweiterung und Verlegung der Haupttrinkwasserleitung ausschlaggebend gewesen seien – und keine mögliche Wohnbebauung.

Grundlage sei das HTL-Konzept aus dem Jahr 2015. Hier ist bereits der Ausbau der Leitung an der Talstraße vorgesehen gewesen – damals für geschätzte Kosten von 368 000 Euro (ohne Planungs- und Gemeinkosten). Am Ende haben Erweiterung und Verlegung im Jahr 2018 rund 700 000 Euro gekostet.

Zum Verkauf des Grundstücks teilt WWAV-Geschäftsführerin Katja Gödke auf OZ-Nachfrage mit: „Ältere Anfragen von Interessenten wurden in der Vergangenheit regelmäßig abgelehnt, da das Grundstück als Lagerfläche für das Wasserwerk Rostock genutzt beziehungsweise vorgehalten wurde.“ Seit 2016 sei das Grundstück dann nicht mehr betriebsnotwendig gewesen. „Insofern konnten Kaufanfragen seitdem sachlich geprüft werden“, sagt Gödke. Zu diesem Zeitpunkt hätten konkrete Anfragen von zwei Interessenten vorgelegen.

Laut der Geschäftsführerin ist der WWAV gesetzlich nicht zu einem Bieterverfahren verpflichtet. Der Verband habe ein Verkehrswertgutachten erstellen lassen – als das Ergebnis vorlag, sei einer der Interessenten wegen des hohen Preises abgesprungen. Somit ging das Grundstück im Jahr 2018 an die WG Warnow. Zum Kaufpreis dürfe Gödke keine Angaben machen.

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