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Rostock Bauarbeiter suchen nach geheimem Bunker im Rostocker Stasi-Knast
Mecklenburg Rostock Bauarbeiter suchen nach geheimem Bunker im Rostocker Stasi-Knast
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13:33 07.12.2018
Der Zellentrakt – hier im dritten Obergeschoss – soll dabei möglichst originalgetreu erhalten bleiben. Quelle: fotos: OVE ARSCHOLL
Stadtmitte

Mit Plänen und Fotos in der Hand läuft Karl Krüger durch die Kellerräume der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Rostock. Für ihn sind Tage der Wahrheit angebrochen. Seit Jahren setzt sich Krüger für die Suche nach einem geheimen Bunker auf dem Gelände an der Hermannstraße 34b ein. Im März 1978 hat er hier die schlimmsten Momente seines Lebens erlebt. „Ich wurde in dem Bunker gefoltert und stranguliert, damit ich die Adoptionsurkunde für meine Kinder unterschreibe. Aber das habe ich nicht getan“, sagt Krüger.

Nun helfen ihm Bauarbeiter bei der Suche nach diesem Bunker. Hintergrund: In der Gedenkstätte, die in der ehemaligen U-Haftanstalt der Stasi sitzt, hat am Donnerstag die Grundsanierung begonnen. Und im Zuge der Arbeiten lässt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften MV (BBL) einzelne Keller-Mauern aufstemmen. „Es gibt Hinweise auf Hohlräume unter dem Treppenhaus“, sagt BBL-Projektleiter Frank Meyer.

Vor der Sanierung führte der Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) noch einmal durch das Gebäude.

Führt Treppe zu Bunker?

Krüger vermutet, dass die Treppe weiter zum Bunker führt, der tief unter der Erde in Richtung Penny-Markt liegen soll. „Für mich sind die jetzigen Arbeiten wie Medizin“, sagt der Mann. Er leide sehr darunter, dass viele seine Aussagen für unglaubwürdig halten. „Sollte man den Gegenstand meiner Folter nun finden, habe ich meine Ehre wieder. Dann kann ich in Ruhe sterben“, so Krüger. In den alten Bauplänen sei nichts über einen Bunker vermerkt, sagt Meyer vom BBL. Die Dokumente seien erstaunlich gut erhalten und sehr detailliert. „Selbst die kleinsten Materialien sind aufgeführt, das haben wir nicht oft. Das ist schon Wahnsinn.“

Zwischen 1958 und 1960 ist der viergeschossige Mauerwerksbau entstanden. Später ist Jahrzehnte lang nichts mehr an dem Gebäude gemacht worden, so dass nun eine grundhafte Sanierung notwendig ist.

Mängel meist Innenbereich

Gerade im Innenbereich gibt es Mängel: Es tropft durchs Dach, die Kellermauern sind feucht, Elektrik und Heizungsanlage müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. Bereits im Juli 2014 hatte der BBL den Planungsauftrag für die Sanierung erhalten.

Doch der Baustart verzögerte sich immer wieder, auch weil die Förderzusage vom Bund auf sich warten ließ, wie Meyer sagt. Die Gesamtkosten liegen bei 3,6 Millionen Euro. Land und Bund zahlen jeweils die Hälfte. Im Juli 2020 soll alles fertig sein. Das Besondere an dem Projekt: „Wir wollen die Arbeiten so durchführen, dass danach nicht sichtbar ist, dass wir das Gebäude saniert haben“, sagt BBL-Sprecher Christian Hoffmann. Gerade der Haft-Trakt soll seinen authentischen Charakter behalten. Die Erstaufnahme-Zellen am Eingangsbereich werden wieder hergestellt und die Freihöfe erhalten Maschendrahtzäune.

Rund 4900 Häftlinge in fast 30 Jahren

Die Untersuchungshaftanstalt wurde von 1958 bis 1960 in der Rostocker Innenstadt gebaut. Sie war von Bürogebäuden der Staatssicherheit umgeben und lag somit abgeschirmt von der Außenwelt.

In den etwa 50 Zellen konnten 110 Frauen und Männer gleichzeitig inhaftiert werden. Bis 1989 durchlebten rund 4900 Untersuchungshäftlinge leidvolle Wochen und Monate. Sie waren vorwiegend aus politischen Gründen verhaftet worden.

Viele der Häftlinge wollten selbst über ihr Leben bestimmen und hatten versucht, aus der DDR zu fliehen. Andere hatten Kritik an den politischen Verhältnissen geäußert.

Die Gedenkstätte war seit 1999 für die Öffentlichkeit zugänglich und zählte seitdem rund 225000 Besucher. Ab September 2017 ist sie für die Sanierung geschlossen worden.

Herausforderung Brandschutz

Vor eine besondere Herausforderung stellte die Planer der Brandschutz. Den ersten Feueralarm hat es bereits gegeben: Um zu schauen, wo der Rauch hinzieht, haben die Planer einen Brandsimulator eingesetzt. „Wir haben das bei der Feuerwehr angemeldet. Dennoch standen plötzlich zehn Löschzüge vor der Tür, weil Passanten und Anwohner den aufsteigenden Rauch meldeten“, sagt Meyer.

Dennoch sei das Brand-Experiment positiv ausgegangen. Es seien keine großen Veränderungen am Haft-Trakt notwendig. „Wir brauchen keine zusätzliche Tür, weil der Rauch nicht ins Treppenhaus zieht, sondern ins Dachgeschoss.“ Nun reiche es aus, eine Rauchabzugsanlage und automatisch öffnende Fenster zu installieren.

Eingang wird verlegt

Der sogenannte Kopfbau des Gebäudes wird jedoch ganz normal saniert: „Es gibt neue Decken, neue Türen, neue Boden- und Wandbelege“, sagt Meyer. In diesem Bereich entstehen Büros und Schulungsräume für die historische Aufarbeitung. Auch wird hier ein Aufzug eingebaut, der alle Etagen erreicht. Gleichzeitig wird der Haupteingang zur Gedenkstätte in Richtung Grüner Weg verlegt. Die Stadt plant hier einen öffentlichen Fußweg mit Verbindung zur August-Bebel-Straße. „Wir erhoffen uns dadurch, dass Bewohner und Besucher einen besseren Zugang zur Gedenkstätte erhalten“, sagt Hoffmann.

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