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Rostock Baubranche erwartet dauerhaft hohe Preise
Mecklenburg Rostock Baubranche erwartet dauerhaft hohe Preise
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16:29 20.12.2018
Die Baubranche in MV ist gut ausgelastet, dank vieler Baustellen wie hier an der Hamburger Straße. Quelle: Ove Arscholl
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Marienehe

Viele Häuslebauer stöhnen derzeit über hohe Preise am Bau. Manche setzen darauf, dass es wieder billiger wird und verschieben den Traum vom Eigenheim. Davor warnt jedoch Rainer Bauer, Präsident des Bauverbands MV: „Das rechnet sich nicht, es wird nicht billiger. Wer jetzt baut, baut billig“, sagte er am Mittwoch beim traditionellen Rundtischgespräch der Bauinnung Bad Doberan-Rostock. Grund sei die gute Auftragslage auf dem Bau, woran sich auch 2019 nichts ändern werde, prognostizierte Bauer.

Trotz der guten Auslastung könne jedoch von einem Boom keine Rede sein, sagte Bauer mit Blick auf das relativ geringe Umsatzwachstum in MV: „Andere wachsen zweistellig und wir begnügen uns mit 1,7 Prozent.“ Im Wohnungsbau habe es bis September sogar einen Rückgang um 20 Prozent gegeben. Dagegen sei der Staat ein guter Auftraggeber, lobte Bauer: Dieser habe erkannt, dass der Nachholbedarf immer noch enorm sei. Das habe dem Bau 2018 im Vergleich zum Vorjahr 22 Prozent mehr Umsatz bei öffentlichen Bauten beschert. Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen könne jedoch noch mehr getan werden, forderte Bauer: „Die Mehreinnahmen werden nicht da verwendet, wo es nötig wäre: für günstigen Wohnraum, Infrastruktur und Sanierung.“

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Dem widersprachen die eingeladenen Politiker: Finanzsenator Senator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) betonte: „Wir haben alle ein verdammt gutes Jahr gehabt.“ Rostock habe seine Investitionen fast verdoppelt, zusammen mit den städtischen Unternehmen seien es rund 100 Millionen Euro gewesen. Rostock habe einen Überschuss von 40 Millionen Euro erwirtschaftet, Rekord-Steuereinnahmen, eine weiter sinkende Arbeitslosigkeit und weniger Hartz-IV-Empfänger. Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) räumte zwar ein, dass es nach dem harten Sparkurs der vergangenen Jahre in den Bereichen Bau und Verkehr einiges aufzuholen gebe. Das werde aber auch schon angegangen: „Wir investieren in den nächsten Jahren 70 Millionen Euro in die Bereiche Schule, Kita und Sport.“

Warnzeichen gibt es dagegen vom Wohnungsmarkt: Hans-Joachim Lüdemann, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft (WG) Marienehe, sagte: „Eine Miete von fünf Euro pro Quadratmeter ist heute nicht mehr machbar.“ Die Durchschnittsmiete der WG liege zwar noch bei 5,60 Euro, dies sei aber nur möglich, weil es praktisch keinen Leerstand gebe. „Aber ich habe Sorge, dass das so nicht weitergehen kann“, sagte Lüdemann. Grund seien auch die steigenden Kosten für Handwerker: „Wir werden das rigoros an die Mieter weitergeben müssen.“

Roland Blank, Vorstand der WG Schiffahrt Hafen, klagte, die Instandhaltung der Wohnungen werde wegen der Kapazitätsprobleme im Handwerk immer schwieriger. „Oft findet man nur noch einen oder zwei Anbieter für einen Auftrag.“ Hinzu komme, dass die Firmen immer kleiner geworden und so nicht mehr in der Lage seien, große Aufträge alleine abzuarbeiten. Der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Axel Hochschild bestätigte, dass die Zahl der Beschäftigten auf dem Bau in den letzten 25 Jahren auf ein Drittel gesunken sei. Dennoch sei es auch heute noch möglich, relativ zeitnah einen Handwerker zu finden: „Keiner muss frieren, weil er keinen Heizungsmonteur bekommt“, betonte Hochschild.

Axel Büssem

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