Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Baustellen vor Modegeschäft sorgen für Ärger
Mecklenburg Rostock Baustellen vor Modegeschäft sorgen für Ärger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:44 21.05.2019
Birgit Schalowski Filialleiterin des Bekleidungsgeschäfts „baltic mare“ in Warnemünde ärgert sich über die Baustelle vor dem Laden.
Anzeige
Rostock

Wenn Birgit Schalowski in den letzten Tagen aus dem Fenster geschaut hat, blickte sie in ein riesiges Loch. Dort, wo sonst zahlreiche Passanten an den Schaufenstern des Bekleidungsgeschäfts „baltic mare“ vorbei liefen, dominierten bis Dienstag rot-weiß-gestreifte Bauzäune. Die Filialleiterin ist sauer, weil sie zuvor nicht über die Arbeiten vor der Haustür informiert wurde. „Der Staub und Lärm haben den täglichen Betrieb maßgeblich beeinträchtigt“, klagt sie.

Kunden bleiben aus

Gleich zwei Baustellen seien vor dem Laden aufgebaut gewesen. Eine direkt vor dem Seiteneingang in der Kirchenstraße und die andere an der Ecke zur Straße „Am Strom“. Noch ehe diese überhaupt eingerichtet wurden, hatte Schalowski Fensterputzer engagiert. Sie sollten die Scheiben für die Saison gründlich reinigen. „Alles umsonst. Ich musste sie wieder wegschicken, weil es unter diesen Umständen überhaupt nichts gebracht hätte“, erklärt die Filialleiterin.

Anzeige

Dies sei allerdings nicht das einzige Problem. Viel schlimmer: die Kunden blieben aus. „Die meisten Leute liefen irritiert an unseren Schaufenstern vorbei. Sie versuchten erst gar nicht hereinzukommen“, berichtet sie aufgebracht. Schalowski fühlt sich von der Stadtverwaltung hintergangen. „Wir wurden nicht darüber informiert, wie lange die Arbeiten andauern sollen. Tage lang bliebt draußen alles still und keine Bauarbeiter waren in Sicht.“

Umsatzeinbußen von fast 60 Prozent

Auch Verkaufsleiter Burkhard Rohde ist besorgt: „Wir mussten Umsatzeinbußen zwischen 50 und 60 Prozent hinnehmen.“ Eine genaue Bilanz könne er erst am Ende des Monats ziehen. Doch schon jetzt ist klar: „wäre das so weiter gegangen, hätte mit Sicherheit ein Angestellter entlassen werden müssen.“ Insgesamt drei Verkäufer sind täglich im Laden beschäftigt. Wegen der Bauarbeiten und der fehlenden Kunden hatten diese allerdings nur wenig zu tun.

„Es kann nicht sein, dass uns mitten in der Saison eine Baustelle vor die Tür gesetzt wird. Das ist ein Skandal“, schimpft der Verkaufsleiter. „So etwas sind wir von der Stadt nicht gewohnt“, fügt er hinzu. In der Vergangenheit habe es bereits Sanierungsarbeiten in der Straße „Am Strom“ gegeben. Damals habe man alle Ladenbesitzer frühzeitig informiert. „Es hat super geklappt. Wieso das dieses Mal überhaupt nicht funktioniert, verstehe ich nicht.“

So sah die Baustelle vor dem Bekleidungsgeschäft „baltic mare“ noch vor wenigen Tagen aus. Quelle: Susanne Gidzinski

Glasfaserversorgung für Telefonsäule

„Bei solchen Kleinbaustellen werden in der Regel keine Anlieger informiert“, teilt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa auf Anfrage mit. In diesem Fall handle es sich um eine Telekombaustelle, die in der 19. Kalenderwoche gestartet ist und die Glasfaserversorgung für die Telefonsäule am Strom ermöglicht. „Mich haben die Arbeiten dort draußen nicht gestört“, sagt ein Mitarbeiter eines in der Nähe liegenden Geschäftes. Er möchte unerkannt bleiben, betont jedoch: „Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr gut, dass die Stadt hier etwas für uns macht. Davon profitieren wir doch alle.“

„Es ist schade, dass wir nicht genau wussten, wie lange die Bauarbeiten hier andauern. Aber bislang haben wir keine nennenswerten Auswirkungen zu spüren bekommen“, meint Matthias Schenk, Mitarbeiter im Warnemünder Schmuckeck. Zwar hätten die Baustellen direkt eines der Schaufenster blockiert, doch die Gäste habe dies nicht am Einkaufen gehindert. „Die Leute sind trotzdem in den Laden gekommen und haben sich umgeschaut. Teilweise war es sogar richtig voll hier“, sagt Schenk. Trotzdem ist er froh, dass sie Baustelle seit Dienstag der Vergangenheit angehört. Auch Schalowski merkt an: „Endlich wurde alles abgebaut und die Schaufenster sind wieder frei. Wenigstens wurde am Ende alles tipptopp hinterlassen. Ärgerlich war die ganze Situation dennoch.“

Susanne Gidzinski