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Rostock Bescherung in der Rostocker Kinderklinik: Wenn der Teddy die Geschenke bringt
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Bescherung in der Rostocker Kinderklinik: Wenn der Teddy die Geschenk bringt

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16:54 22.12.2019
Der kleine Iago ist vier Jahre alt. Mit „Nanny“ Svenja (20) bastelt er eine Schatzkarte. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Besonders tapfere Kinder müssen nicht bis zum 24. warten. Zu ihnen kommt der Weihnachtsmann schon vor Heiligabend. Oder besser gesagt: Er schickt seinen Freund, den Teddy-Doktor Theo. Der brachte schon am Sonnabend Geschenke für all jene, die Weihnachten nicht unter dem Tannenbaum daheim, sondern im Krankenbett der Rostocker Uni-Kinderklinik verbringen müssen. Eines dieser tapferen Kinder ist Iago. Der beste Piraten-Schatzkarten-Bastler Rostocks.

Lachen ist die beste Medizin

Iago ist vier Jahre alt. Sein Zuhause ist seit Wochen die Kinderklinik. Wer Iago besuchen will, muss Mundschutz tragen – oder ein Teddy sein. „Dass wir Weihnachten im Krankenhaus feiern müssen, ist egal. Hauptsache mein Sohn wird wieder gesund“, sagt Papa Pablo.

Der kleine Patient ist sogar noch tapferer – und hat es sich im Krankenhaus gemütlich gemacht. Mit seiner Nanny, Studentin Svenja (20), bastelt er Schatzkarten. Für die Piraten. „Die besten der Welt“, sagt Iago überzeugend. „Ich kann nämlich schon Sachen, die erst Kinder mit sieben können.“

Der kleine Iago ist vier Jahre alt. Mit „Nanny“ Svenja (20) bastelt er eine Schatzkarte. Quelle: Andreas Meyer

Teddy-Krankenhaus und Klinik-Nannys

Der Tross um Teddy Theo zieht weiter. Seine „O-Bär-Ärzte“ sind mit dabei, Elfen und auch die Klinik-Nannys. „Weihnachten und Ostern sind auch im Krankenhaus besondere Tage“, sagt Dr. Gernot Rücker. Er ist Notfall-Mediziner, wirkt aber auch maßgeblich an zwei der schönsten Projekte der Uni-Medizin mit: Mit dem Teddybären-Krankenhaus wollen Ärzte und jene, die es erst noch werden wollen, Kindern die Angst vor der Medizin nehmen – vor Krankenhäusern, surrenden Röntgengeräten, Spritzen.

Die Kliniknannys und das Teddykrankenhaus beschenken in der Rostocker Uni-Kinderklinik kleine Patienten schon vor dem Fest. Quelle: Susanne Schimke/Uni-Medizin Rostock

Die Klinik-Nannys sind Freiwillige – meist ebenfalls Studenten –, die sich liebevoll um kleine Patienten kümmern. Sie spielen mit ihnen Spiele, basteln, lesen aus Büchern vor oder bestellen auch mal gemeinsam eine Pizza in die Klinik. „Wir sind da, wenn Mama und Papa mal nicht da sein können“, sagt Koordinatorin Jana David (35). Sie studiert Medizin, andere Nannys sind angehende Zahnmediziner, Pädagogen oder auch Lehramtsstudenten.

„105 Leute zählen zu unserem Team“, sagt David. Viel weniger dürfen es auch nicht sein. „Wir haben einen kleinen Patienten, der seit Monaten hier bei uns in der Klinik liegt.“ Besuch von den Eltern bekommt er kaum. Das habe seine Gründe. „Mit 10, 15 Leuten teilen wir uns deshalb seine Betreuung.“ In der Freizeit. Ehrenamtlich. „Ein Drittel der Kinder hier sind leider Dauerpatienten.“

Playmobil für Karl

Woran genau der kleine Karl leidet – die Ärzte sind noch dabei, das herauszufinden. Dass es ihm nicht so gut geht, lässt er sich aber nicht anmerken. Gerade wurde das Mittagessen serviert im Krankenzimmer: Nudeln mit Bolognesesauce. „Schmeckt gut“, sagt Karl. Seine Mama Denise weicht ihm nicht von der Seite. „Mit Mama im Krankenhaus zu schlafen ist ein kleines Abenteuer“, sagt Karl. Und dann kommt auch noch Theo und schenkt ihm Playmobil. Eindeutig: Es wird besser!

„Mit Mama im Krankenhaus zu schlafen, ist ein großes Abenteuer“, meint Karl (4). Der Bären-Doktor brachte ihm und Mama Denise Playmobil-Spielzeug. Quelle: Andreas Meyer

Ein paar Zimmer weiter hofft Bill aus Rostock darauf, mit seinem Sohn Henry vielleicht doch noch vor Heiligabend entlassen zu werden. Seit zwei Wochen liegt der Einjährige mit einem internistischen Problem im Krankenhaus. Papa schläft bei ihm, Mama kümmert sich zu Hause um die Geschwister. Für Henry hat der Weihnachtsmann Spielwürfel mitgegeben. „Er ist ein Sonnenschein, macht das alles toll mit“, sagt sein Papa. Aber langsam reicht es. „Er hat gerade laufen gelernt, musste jetzt die 14 Tage aber liegen. Jetzt will Henry nicht mehr. Er will wieder raus in die Welt.“ Vielleicht ja schon am Montag. Es wäre das schönste Weihnachtsgeschenk für den kleinen Mann.

Die Kliniknannys und das Teddykrankenhaus beschenken in der Rostocker Uni-Kinderklinik kleine Patienten schon vor dem Fest. Quelle: Andreas Meyer

„Wir wachsen über uns hinaus“

Nicht alle Patienten sind so gut drauf wie Henry und Karl. In manche Zimmer dürfen selbst die Helfer des Weihnachtsmannes nicht rein. Oder wenn doch, dann nur mit Schutzkittel und Maske. Warum die Ehrenamtler diese Bilder auf sich nehmen? „Weil es darum geht, Kindern die Angst zu nehmen“, sagt Medizinstudentin Lisa Layer (27). Natürlich sei das auch mal emotional für die Helfer. „Aber in der Regel ist es total schön. Wenn die Kinder die Scheu vor Ärzten und Medizin verlieren, wenn sie keine Angst mehr haben – sondern viele Fragen.“

Nicole Schottmann (22), Studentin der Medizinischen Biotechnologie, ergänzt: „Am Ende sind die Kinder meist fröhlich. Und sie wissen: Alles ist gar nicht so schlimm.“ Auch die Studenten profitieren davon: „Wir lernen so schon im Studium den Umgang mit Patienten, mit schwierigen Situationen. Wir wachsen über uns hinaus.“ Das mache sie eines Tages vielleicht auch zu besseren, verständnisvolleren Ärzten.

Erst die Onkologie, dann die Chirurgie

Der Ablauf der Geschenke-Visite ist genau geplant: Erst geht es auf die Onkologie, dann auf die Intensivstation, dann auf die Chirurgie. „Wir müssen ja aufpassen, dass wir nur Geschenke da lassen, keine Keime von außen“, sagt Oberarzt Rücker. Die Geschenke – Spielzeuge für jede Altersklasse, Schokolade für die Eltern – hat das Team mit Spendengeldern bezahlt. Was Rücker antreibt? „Das Leuchten in den Kinderaugen.“ Darum gehe es doch schließlich an Weihnachten. Nicht nur unter dem Tannenbaum, auch in der Kinderklinik.

So können Sie helfen

Spendenkonto: Wenn auch Sie die Kinder-Projekte an der Rostocker Uni-Klinik unterstützen wollen, geht das ganz einfach mit einer Spende. Das Teddybär-Krankenhaus und auch das Kliniknanny-Projekt „Tommy Nicht Allein“ benötigen Geld, beispielsweise für Spiele, Bastelsachen und auch die Weihnachtsgeschenke.

Universitätsmedizin Rostock

IBAN: DE 16 1300 0000 0013 0015 31

Verwendungszweck: 99 2108 Kids-Med-Akademie

Von Andreas Meyer

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