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Rostock Beschlussvorlage zur Mittelmole erneut vertagt
Mecklenburg Rostock Beschlussvorlage zur Mittelmole erneut vertagt
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22:42 14.05.2019
Rund 250 Bürger kamen am Dienstagabend zur Ortsbeiratssitzung im Kurhaus. Quelle: Susanne Gidzinski
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Rostock

Nachdem der Ortsbeirat Warnemünde den Beschluss über die Zielstellungen bei der Erarbeitung des Entwurfs für den Bebauungsplan der Mittelmole in der Sitzung im April vertagt hatte, verließen zahlreiche Bürger wutentbrannt den Saal. Am Dienstagabend kamen sie erneut zusammen. Bevor der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel die Sitzung im Kurhaussaal eröffnete, herrschte angespannte Stimmung unter den rund 250 Anwesenden. „Ich will endlich wissen, was Sache ist“, sagt eine Warnemünderin die ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und her rutscht. Der Ärger über den Ausgang der letzten Veranstaltung sitzt bei einigen noch immer tief.

„Es ist völlig offen, ob für die Bürgerschaft überhaupt genügend Zeit bleibt, innerhalb von 24 Stunden das Abstimmungsergebnis des Ortsbeirates ausreichend zu berücksichtigen“, teilt Heiko Schulze, Sprecher der Interessengemeinschaft „Alter Fährhafen“ im Voraus mit. Auch Simone Helgers sagt: „Ich war letztes Mal sehr enttäuscht, dass keine verbindliche Aussage des Ortsbeirates getroffen wurde. Ich finde es toll, dass sich so viele Einwohner für dieses Thema engagieren. Das sollte auch vonseiten der Stadt berücksichtigt werden“, sagt die 43-Jährige.

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Späte Neuvorlage

Gleich zu beginn stellte Ortsbeiratsmitglied Jobst Mehlan (UFR) klar: „Wir sind Interessenvertreter der Bürger und nicht Erfüllungsgehilfen der Stadtverwaltung oder Wiro.“ Vor vier Wochen sei die Vertagung aus taktischen Gründen beschlossen worden. „Damit wollten wir bewirken, dass wir weiter im Rennen bleiben und auf unsere Forderungen zeitnah reagiert wird.“ Doch enttäuscht musste er dem Publikum mitteilen, dass eine Reaktion erst am Vortag erfolgte. „Viel zu spät, als das wir die Neuvorlage überhaupt berücksichtigen könnten“, wirft Prechtel ein und stellt eine erneute Vertagung zur Debatte.

Ralph Müller, Leiter des Stadtplanungsamtes, betont: „Wir haben die Pläne erheblich geändert und acht von zehn Punkten von 2014 eins zu eins übernommen.“ Den letzten beiden Punkten bezüglich der Bauhöhe sei bereits vonseiten des Ortsbeirats zugestimmt worden. Prechtel erwidert: „Seitdem sind viele Fragen aufgekommen und es hat ein erheblicher Vertrauensverlust stattgefunden.“

14 Änderungsanträge

Aus diesem Grund habe der Ortsbeirat insgesamt 14 Änderungsanträge formuliert, welche in der Beschlussvorlage verankert werden sollen.

Die aktuellen Pläne der Rostocker Wohnungsgesellschaft Wiro sehen zwei Quartiere vor. Das sogenannte „Stromquartier“ auf der Mittelmole und das „Quintett“ an der Spitze am Wiro-Hochhaus. Viele Warnemünder befürchten, dass durch die massive Bebauung der Flair des Ostseebades verloren geht. Der Ortsbeirat fordert daher sowohl eine seetypische Architektur, als auch, die Einhaltung einer Maximalhöhe von 15,30 Metern über Normalnull im „Quintett“. „Das höchste Gebäude im Norden soll die Landessportschule sein“, so Prechtel. Ein weiterer Änderungsantrag besagt, dass rund 20 Prozent der Wohnungen dem sozialen Wohnungsbau zugeschrieben werden sollen. Ferienwohnungen hingegen seien unzulässig. Auch möchte man die Bürgerbeteiligung stärken, indem eine Bürgerwerkstatt eingerichtet werde. Ein anderer Antrag lautet: „Die Schaffung eines ganzjährig nutzbaren Begegnungszentrums mit einem multifunktionalen Veranstaltungsraum für mindestens 200 Personen ist zu gewährleisten.“

Bürgerschaftsentscheid

Am 15. Mai soll die Bürgerschaft über die Beschlussvorlage entscheiden. Prechtel hofft, dass diese ihre Entscheidung vertagt oder zumindest über 14 Änderungsanträge im einzelnen abstimmt. Der Ortsbeirat hingegen hat am Dienstagabend mehrheitlich einer erneuten Vertagung zugestimmt.

„Das kriegen sie niemals durch“, mutmaßt ein Anwohner beim Verlassen des Saals. „Hoffentlich bringt das auch etwas. Es wäre zu schade, wenn nicht“, sagt ein anderer. „Das ist das Beste, was passieren konnte“, findet hingegen Jan Mantau. Der 54-Jährige war bereits in der vergangenen Sitzung anwesend und begrüßt die Taktik des Ortsbeirates. „Ich hoffe, dass dadurch endlich eine tragfähige Lösung vorgelegt und ein Kompromiss beschlossen wird“, sagt der Warnemünder.

Susanne Gidzinski

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