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Rostock Besinnlichkeit vom Balkon: Diese Rostocker stecken hinter dem KTV-Adventssingen
Mecklenburg Rostock Besinnlichkeit vom Balkon: Diese Rostocker stecken hinter dem KTV-Adventssingen
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21:27 02.12.2019
In der Rostocker KTV findet wieder das traditionelle Adventssingen vom Balkon statt. Zahlreiche Besucher haben diese Gelegenheit zum weihnachtlichen Mitsingen genutzt. Quelle: Martin Börner
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Rostock

Holzscheite knistern und knacken in der Feuerschale, Snacks und warme Getränke machen die Runde, Anekdoten von der Familie oder aus dem Urlaub werden erzählt: Ihre Vorweihnachtsstimmung genießen die Bewohner des Hauses Leonhardstraße 21a/22 direkt am ersten Tag des Monats Dezember.

Schließlich sorgen sie ab sofort an den Adventsmontagen wieder dafür, dass vielen anderen Menschen besinnlich zumute wird. Immer um 18 Uhr versammelt sich vor dem Gebäude in der Nähe des Doberaner Platzes eine riesige Menschentraube. Kerzen werden verteilt, dazu Liedzettel. Auch auf fast allen Balkonen über dem Café Central stehen dann Menschen – aber nicht die Bewohner des Hauses, sondern Mitglieder von Rostocker Chören. Rund 20 Minuten lang singen sie anschließend zusammen mit dem Publikum unten auf der Straße.

Gelungener Auftakt: Am Montag startete der diesjährige Adventsbalkon in Rostock mit einem Auftritt des Gospelchors der Heiligen-Geist-Gemeinde. Hunderte Menschen sangen von der Leonhardstraße aus mit. Auch an den kommenden Montagen gibt es dieses kostenlose Weihnachtssingen.

Hoher Erwartungsdruck nach erfolgreicher Premiere

„Dass der Adventsbalkon im vergangenen Jahr so ein Erfolg war, sorgt natürlich für einen hohen Erwartungsdruck“, sagt Wolfgang Schmiedt. Er ist der Initiator des kostenlosen Weihnachtssingens, das als Geheimtipp begann und sich mittlerweile so herumgesprochen hat, dass selbst Menschen aus dem Umland dafür extra angefahren kommen.

Hunderte Menschen haben sich in der KTV unter dem Adventsbalkon versammelt und singen Weihnachtslieder. Diesmal mit dem Gospelchor. Nächsten Montag um 18 Uhr geht es weiter. Mehr dazu hier: https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Adventssingen-in-Rostocks-KTV-Besinnlichkeit-vom-Balkon

Gepostet von Ostsee-Zeitung Rostock am Montag, 2. Dezember 2019

Mit seiner Hausgemeinschaft hat Wolfgang Schmiedt im vergangenen Jahr eine Tradition aus der KTV wiederbelebt. „Den Montagsbalkon hatten mal Medizinstudenten in der Ulmenstraße ins Leben gerufen, aber nach Ende des Studiums aufgegeben“, sagt er.

Dass der 60-Jährige das Projekt übernahm, hatte mehrere Gründe: Erstens verfügen er und seine Nachbarn über Balkone, die zur Straße zeigen. Zweitens steht das Haus an der Kreuzung Leonhardstraße/Barnstorfer Weg, die Platz für eine kurzfristige Versammlung vieler Menschen bietet.

Ämter tolerieren die Guerilla-Kultur

„Es liegt wirklich ideal, da kommt viel Gutes zusammen“, so Schmiedt. Als Musiker ist er zudem so gut vernetzt, dass es leicht war, Künstler zu finden, die sich mit kleinen Programmen beteiligen. Schließlich hat das musikalische Multitalent auch schon einmal ein Weihnachtssingen in Rostock etabliert, das ab 2014 drei Jahre lang immer einmal in der Adventszeit in der Innenstadt die Menschen begeisterte.

Aufgrund wachsender Formalien sei die Veranstaltung dann aber aufgegeben worden. „Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass das beim Montagsbalkon auch passiert. Sobald wir unten etwas hätten absperren müssen, wäre die Atmosphäre dahin gewesen“, sagt Schmiedt. Er freut sich, dass sowohl Polizei als auch die zuständigen Ämter ihr Okay für die besinnliche Versammlung gegeben haben und das Rostocker Kulturamt den Montagsbalkon auch finanziell unterstützt. „Jetzt kann es genau die Guerilla-Kultur sein, als die es gedacht war“, sagt der Organisator.

Joachim Gauck als Überraschungsgast

Die kreative Bandbreite reichte bei den Sommerterminen zwischen Mai und Juli von Musik über Schauspiel bis hin zu Redebeiträgen. Selbst Alt-Bundespräsident Joachim Gauck war schon als Überraschungsgast dabei.

Adventsbalkon – die Termine

Die Adventsbalkone finden bis Weihnachten immer montags ab 18 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Kreuzung Leonhardstraße/Barnstorfer Weg. Zur Premiere am 2. Dezember tritt der Gospelchor der Heiligen-Geist-Gemeinde unter Leitung von Benjamin Saupe auf. Den 9. Dezember gestaltet die Kantorei St. Johannis unter Leitung von Markus Johannes Langer. Am 16. Dezember stehen die Mitglieder des Opernchors und der Singakademie Rostock auf den Balkonen – die Leitung hat Frank Flade. Das Abschlussprogramm gestaltet am 23. Dezember das Vocal Collegium Rostock unter Leitung von Daniel Arnold. Bei diesem Termin sind auch Bläser dabei und das Finalprogramm dauert auch doppelt so lang – etwa 40 Minuten.

Im Gegensatz dazu gibt es beim Adventsbalkon einige Fixpunkte. „Es treten immer Chöre auf und als letztes Lied kommt immer ‚Sind die Lichter angezündet‘“, erklärt Schmiedt. Über diese Vorgaben sei innerhalb der Hausgemeinschaft länger diskutiert worden. „Aber darum geht es ja auch bei der Weihnachtsbotschaft – die Menschen zu verbinden und niemanden auszugrenzen. Egal ob religiös oder nicht“, sagt er.

Fast alle Nachbarn machen mit

Genau wie das Publikum auf der Straße sei eben auch die Nachbarschaft eine ganz vielfältige. Einige Mieter tolerieren die Balkon-Termine, wollen aber nicht aktiv dabei sein. Der Großteil der Hausbewohner macht aber mit und bringt sich mit den jeweiligen Fähigkeiten ein. „Wir sind dadurch enger zusammengerückt – die Beteiligten sind zu Freunden geworden“, sagt Schmiedt.

Das bestätigt auch Isa Beckmann aus dem vierten Stock. „Die meisten leben hier schon lange, trotzdem hat man vorher nicht jeden gekannt“, sagt die junge Rostockerin. Die Mutter eines kleinen Sohnes übernimmt die Ankündigung der Termine im Internet und verteilt am Auftrittstag die Kerzen im Publikum. „Es ist wirklich einmalig, diese Adventsbalkone mitzuerleben. Ganz egal, ob von der Straße aus oder aus der Wohnung mit Blick auf die Massen. Da rückt der ganze Kiez zusammen“, beschreibt sie den speziellen Zauber der vier Abende im Dezember.

Dorfleben auch in der Stadt

Auch Nachbar Peter Dierken freut sich auf jeden Termin. Als Maschinenbauer mit einem Händchen für Technik kümmert er sich unter anderem um die Beleuchtung. Keinem der Beteiligten ginge es bei den Balkon-Terminen um Profit. „Wir bekommen dadurch aber in der Stadt eine Nachbarschaft wie auf dem Dorf – in der Menschen nicht gesichtslos nebeneinander herleben, sondern sich kennen“, so Dierken. Und das halte auch über die Weihnachtszeit hinaus an.

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Von Claudia Labude-Gericke

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