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Rostock Beste Sandkünstler der Welt arbeiten in Warnemünde
Mecklenburg Rostock Beste Sandkünstler der Welt arbeiten in Warnemünde
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19:58 24.04.2019
Sieben Künstler aus sechs Ländern arbeiten derzeit an der 10. Warnemünder Sandwelt - darunter auch Susanne Ruseler aus den Niederlanden. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Warnemünde

Die Bewohner und Besucher in Warnemünde sollten gewarnt sein: Läuft in den nächsten Tagen jemand schreiend durchs Ostseebad, könnte es einer der sieben Künstler sein, die im Pier 7 am Kreuzfahrtkai Karls große Sandskulpturenausstellung gestalten. Die Virtuosen verwandeln hier gerade 300 Tonnen Sand in Figuren und Geschichten aus der Welt von Jules Verne, Poseidon und Atlantis. „Schneiden die Künstler zu viel weg, zum Beispiel eine Nase, müssen sie wieder von vorne beginnen“, sagt Othmar Schiffer-Belz, künstlerischer Leiter der zehnten Warnemünder Sandwelt. Denn neu modelliert oder hinzugefügt werden kann nichts mehr. „Die Künstler müssen dann schon alles bisher Geschaffene wegschneiden und weiter tiefer im Sand neu anfangen.“ Und das wäre den Virtuosen ein Graus. Haben sie doch bereits ein paar Tage Arbeit in ihre Kunstwerke gesteckt.

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Noch bis Sonntag, 28. April, können Besucher am Warnemünder Passagierkai den Künstlern von 9 bis 18 Uhr dabei zusehen, wie sie aus vier riesigen Sandblöcken unter dem Motto „Komm ins Land der Phantasie“ eine mythische Sandwelt erschaffen. Im Mittelpunkt steht dabei eine aufwendige Inszenierung der Sage vom „Fliegenden Holländer“. Die fertige Open-Air-Ausstellung ist anschließend vom 29. April bis zum 3. November 2019 geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Riesige Krippe aus Sand auf Petersplatz in Rom

Othmar Schiffer-Belz hat seit 2004 bereits rund 30 Eis-, Schnee- und Sandfiguren-Ausstellungen von Karls Erlebnis-Dörfern betreut. In Warnemünde hat er nun erneut die besten Sandkünstler der Welt um sich geschart. „Insgesamt haben sich 20 Virtuosen beworben, sieben haben den Auftrag erhalten“, sagt der künstlerische Leiter. Karls bezahlt den Künstlern Flug, Kost und Logis – plus Honorar.

Impressionen von den Virtuosen und ihren Figuren bei der zehnten Warnemünder Sandwelt.

Unter den Kreativen ist der litauische Bildhauer Andrius Petkus, der durch seine Siege bei internationalen Wettbewerben, wie dem Eisfestival im chinesischen Harbin oder im russischen Ekaterinenburg, Bekanntheit erlangte. Petkus ist auch Rekordhalter für die größte Eisskulptur in Vilnius (Litauen).

Die beiden Künstler Ilya Filimontsev (Russland) und Susanne Ruseler (Niederlande) haben 2018 für Aufsehen gesorgt, als sie eine riesige Krippe aus 700 Tonnen Sand auf dem Petersplatz in Rom gestalteten. Danach schüttelte ihnen Papst Franziskus die Hände. „Es war großartig. Ich bin zwar nicht religiös, aber der Petersplatz ist schon ein besonderer Ort“, blickt Ruseler zurück. Sie sei vor der Begegnung mit dem Papst schon nervös gewesen. „Es hieß: Wenn der Papst gut drauf ist, schüttelt er uns die Hand. Und das hat er dann auch getan“, sagt die Niederländerin.

Künstler verwenden Spezial-Sand aus Brandenburg

Ruseler ist zum dritten Mal in Warnemünde. Das Schwierigste bei ihrer Arbeit sei es, zum Anfang die richtige Position für ihre Figur im Sandblock zu finden. „Danach geht es leichter voran“, sagt die Künstlerin. Mit Schaufeln, Schabern und Wasser gestaltet sie eine Seeschlange mit Sirenen. Schaulustige beobachten sie dabei, darunter ein älteres Ehepaar aus England. „Wir waren vor drei, vier Jahren schon einmal hier, aber da waren die Figuren schon fertig. Es ist nun sehr interessant zu sehen, wie die Künstler arbeiten“, sagen die Rentner.

Damit Karls Sandfiguren ein halbes Jahr lang Wind, Wetter und die salzige Luft der Ostsee ohne Makel überstehen, ist ein spezieller Sand aus einer Grube im brandenburgischen Niederlehme nach Warnemünde geliefert worden. „Dieser Sand hat die Eigenschaften einer besonders eckigen Kornstruktur, die es braucht, um gut bindig zu sein“, sagt Othmar Schiffer-Belz. Anders als klassischer Ostseesand, dessen Korn durch die Bewegung im Wasser rundliche Formen annimmt, lässt er sich leichter verdichten und verarbeiten. In Warnemünde ist dem Sand noch Wasser beigefügt worden, um ihn planieren zu können. Ein massives Holzgerüst sorgt zudem für die Stabilität der überdimensionalen Figuren.

André Horn