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Rostock Bewährung für Ex-Vereinschef
Mecklenburg Rostock Bewährung für Ex-Vereinschef
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16:33 05.09.2019
Jahrelang kannte Rostock Alfons Schneider als engagierten Chef der Schmarler Kinderhilfe. Jetzt ist er verurteilt. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Kröpeliner-Tor-Vorstadt — Wegen Betruges und Untreue in vier Fällen wurde Alfons Schneider (66), ehemaliger Vorsitzender des Vereins Schmarler Kinderhilfe, gestern zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt — ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung. Außerdem muss er 7020 Euro an die Schmarler Kinderhilfe zahlen — die Summe „einer zu Unrecht vereinnahmten Aufwandsentschädigung“, wie der Vorsitzende Richter Volker Horstmann erklärte.

Schneider hatte so einige tausend Euro zu Unrecht auf Konten seiner Mitte 2011 gegründeten Rostocker Kinderhilfe verschoben, die eigentlich der Schmarler Kinderhilfe zugedacht waren. Dazu hat er bewusst Fördermittelgeber getäuscht, einen „Hackerangriff“ erfunden, Protokolle gefälscht. Der Richter nahm sich gestern viel Zeit für die Urteilsbegründung, detailliert listete er den kriminellen Vorgang auf. „Sie betrügen Leute mit einer Selbstverständlichkeit, dass es einem warm wird dabei“, sagte Horstmann.

Im März 2010 habe der Ex-Schatzmeister des Wählerbündnisses Unabhängige Bürger für Rostock (UFR) mit Gleichgesinnten die Schmarler Kinderhilfe gegründet, um benachteiligten Kindern ein Schulfrühstück zu ermöglichen, erklärte der Richter. Im Mai 2011 beantragte Schneider beim Bundesverwaltungsamt (BVA) Köln Fördermittel für das Projekt „Hunger macht böse“. Nur Wochen später gründete er einen weiteren Verein, die Rostocker Kinderhilfe, um die Idee angeblich auf die ganze Stadt auszudehnen.

Im August kam der Zuwendungsbescheid aus Köln mit der Zusage, dass das Projekt der Schmarler Kinderhilfe über drei Jahre, bis August 2014, unterstützt wird. Bürgerarbeiterinnen wurden eingestellt, die sich bis heute um ein gesundes Frühstück für 260 Mädchen und Jungen an drei Schulen im Nordwesten kümmern. Nach etlichen Querelen im Verein und Schneiders wiederholten Alleingängen wurde er im August 2012 abgewählt. Doch da hatte er die Konten der Schmarler Kinderhilfe schon abgeräumt.

Ex-Vereinschef Schneider hatte nicht nur 30 000 Euro Spendengelder auf das Konto der Rostocker Kinderhilfe transferiert. Er hatte auch die Kölner Gelder — zweimonatlich 21 600 Euro — gleich zweimal umgelenkt. Dazu hatte er einen „Hackerangriff“ aufs Konto erfunden und dem BVA die Kontodaten seines Rostocker Vereins genannt. Er fingierte einen Trägerwechsel und täuschte dann das Amtsgericht Rostock zwecks Löschung der Schmarler Kinderhilfe aus dem Vereinsregister mit gefälschten Protokollen einer Mitgliederversammlung. „In der Akte haben wir gleich vier Exemplare, mit verschiedenen Zeiten“, sagte der Richter. Mit Nachdruck erreichten Schneider und seine Lebensgefährtin eine zügige Löschung — „das dauert sonst ein Jahr, Herr Schneider erreichte dies nach sieben Tagen“, so der Richter. „Das zeigt, mit welcher Energie er am Werk war.“

Schon 2008 war Schneider wegen Untreue zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden, die noch nicht getilgt ist. Von weiteren Straftaten hielt ihn das nicht ab. Diesmal droht allerdings Haft.

Nachtrag der Redaktion: Alfons Schneider ist gegen das Urteil des Amtsgerichts in Berufung gegangen. Das Landgericht Rostock hat das Verfahren anschließend eingestellt, nachdem der Beschuldigte ein Attest vorlegte, wonach er verhandlungsunfähig sei.

 



dk