Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Mit Blaulicht durch die Nacht: Rostocker Polizei auf Streife
Mecklenburg Rostock Mit Blaulicht durch die Nacht: Rostocker Polizei auf Streife
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:18 14.11.2019
Anja Schildt (34) und Sascha Burecek (29) sind bereit für die Nachtschicht. Quelle: Martin Börner
Anzeige
Rostock

Sascha Burecek drückt auf´s Gaspedal. Der Streifenpolizist und seine Kollegin Anja Schildt sind seit etwa einer Stunde im Dienst und werden bereits zu ihrem zweiten Fall an diesem Freitagabend gerufen. In einem Rostocker Hotel soll sich ein Dieb an den persönlichen Gegenständen einer Mitarbeiterin vergriffen haben. Für die Beamten heißt es: Spuren sichern und Ermittlungen aufnehmen.

Es ist kurz nach 21 Uhr, als die Polizisten am Hotel ankommen. Im Eingangsbereich werden sie von einer jungen Frau erwartet. „Mein Portemonnaie wurde geklaut“, teilt diese mit. Anja Schildt dokumentiert die Aussage und verschafft sich einen Überblick. Da der Täter auch Zigaretten aus einer Schachtel entwendet hat, sichert Burecek das Behältnis. Vorsichtig und mit Handschuhen holt er es aus der Tasche der Eigentümerin und steckt es in eine Tüte. „Es können Fingerabdrücke hinterlassen worden sein, die uns bei der Aufklärung helfen“, erklärt Schildt das Vorgehen.

Galerie: Die Nachtschicht bei der Polizei Rostock

Während der Nachtschicht sind die Beamten des Polizeihauptreviers Reutershagen zwölf Stunden im Einsatz. Ob Fahrzeugkontrollen, Ruhestörungen oder Raubüberfälle – ihre Aufgaben sind vielfältig und unvorhersehbar.

Weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass einer der anderen Mitarbeiter hinter dem Diebstahl steckt, notieren sich die Polizisten die Namen. Eine Durchsuchung einzelner Personen komme nicht in Frage. „Man kann nicht alle unter Generalverdacht stellen“, sagt Burecek.

Fälle wie diese, Ruhestörungen, Streitereien, Körperverletzungen und Fahrzeugkontrollen seien in der Nachtschicht keine Seltenheit, wie Burecek – der im vergangenen Jahr seine Ausbildung abgeschlossen hat – bestätigt. Bevor er die Polizeiuniform angelegt hat, arbeitete er als Kfz-Mechatroniker und anschließend bei der Bundeswehr. „Dann wurde mir bewusst, was ich wirklich werden will.“

Polizeikarriere bei Anja Schild früh klar

Für seine Kollegin Anja Schild stand der Entschluss deutlich früher fest. Sämtliche Schülerpraktika absolvierte die heute 34-Jährige auf den Revieren. Nach dem Abitur habe sie schließlich mit der Ausbildung begonnen.

Wenig später sitzen Schildt und Burecek wieder in ihrem Fahrzeug und starten mit der Schutzrunde. Einmal pro Stunde fährt ein Streifenwagen sämtliche jüdischen Einrichtungen, Gedenkstätten und Friedhöfe in der Innenstadt ab, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. „Wir achten unter anderem darauf, dass nichts beschädigt wurde“, sagt Schildt, während ihr Kollege den Westfriedhof mit der Taschenlampe ableuchtet.

Einsatzort: Schillingallee

Kurz darauf meldet Kollege Stefan Saß über Funk den nächsten Einsatz: „Vier aufgebrochene Autos in der Schillingallee“. Sofort wendet Burecek und fährt auf direktem Weg zum Tatort. „Die Schutzrunde können wir auch später beenden“, erklärt Schildt. Kaum in die Schillingallee eingebogen, winkt ihnen eine Frau zu. Aufgeregt lotst sie die Polizisten zur Wendeschleife, wo noch andere Betroffene warten. Auf dem Weg dorthin leuchten die Beamten aus dem Streifenwagen heraus sämtliche parkende Autos ab, um nach weiteren Schäden zu gucken – sie finden nichts.

An einem dunkelgrauen Fahrzeug der Marke VW und einem silbernen Hyundai ist der Fall eindeutig. Sie stehen nur wenige Meter voneinander entfernt und auf der Beifahrerseite ist jeweils eine Scheibe eingeschlagen. Taschen, Geldbörsen, Ausweispapiere und ein Tablet wurden entwendet. Die Besitzer stehen unter Schock: „Wir kommen gerade von einem Eishockeyspiel. Wie sollen wir so wieder nach Hause kommen“, fragt einer von ihnen. Schildt und Burecek inspizieren die Autos genau. Die Situation kommt den beiden Beamten komisch vor. „Dafür, dass hier so viele Autos geparkt wurden, scheinen mir vier aufgebrochene Fahrzeuge noch verhältnismäßig wenig“, sagt Burecek. Was ein Indiz dafür sein könne, dass sich der Täter gestört gefühlt habe. Außerdem seien die Gegenstände allesamt nicht offen liegen gelassen worden, sondern unter den Sitzen oder im Handschuhfach verstaut gewesen. Im Hyundai ist sogar Geld zurückgeblieben. „Das macht stutzig“, so der Streifenpolizist.

Schutzrunde durch die Stadt

Für die Spurensicherung ist der Kriminaldauerdienst (KDD) zuständig, der ebenfalls angefordert wurde. Dieser dokumentiert den Tatort mit Fotos, nimmt Proben und sichert Fingerabdrücke. Währenddessen kümmert sich Schildt um die Betroffenen. Im Streifenwagen klärt die 34-Jährige diese über das weitere Vorgehen auf und gibt Tipps: „Denken Sie daran, ihre Bankkarte zu sperren.“ Mit ihrer freundlichen Art schafft sie es, dass sich alle Anwesenden schnell beruhigen.

Nachdem der KDD seine Arbeit beendet hat, setzten Schildt und Burecek die bereits angefangene Schutzrunde fort. Gegen halb eins am Morgen kommen sie erstmals seit der Dienstbesprechung um 20 Uhr zurück zum Revier. Ausruhen können sich die beiden allerdings nicht. Nur wenig später werden sie zu einer Suchmaßnahme gerufen. Ein Patient der Uniklinik werde vermisst. Weil von diesem aber jede Spur fehlt und keine Lebensgefahr für ihn bestehe, wird die Maßnahme nicht ausgeweitet. Weiter geht es zu einem schweren Raub.

Ähnlich turbulent sieht die Nachtschicht bei ihren Kollegen aus. Unter anderem haben sie einen Autofahrer mit 1,2 Promille gestoppt und einen „Graffiti-Künstler“ auf frischer Tat ertappt. Nicht jede Nachtschicht ist so ereignisreich wie diese, berichtet Burecek. „Genau das ist so spannend an dem Beruf. Kein Tag gleicht dem anderen und man kann nie vorhersagen, was einen als Nächstes erwartet.“ Erst am frühen Morgen endet die Schicht der Streifenpolizisten. Wenn andere bereits wieder aufstehen, geht es für sie nach Hause.

Lesen Sie auch:

Von Susanne Gidzinski

Am Donnerstagnachmittag hat sich im Rostocker Stadtteil Groß Klein ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Insgesamt waren drei Autos in den Unfall verwickelt, einer der Fahrer wurde leicht, der andere schwer verletzt.

14.11.2019

Weihnachtliche Stimmung kommt nun auch in der Rostocker Innenstadt auf. Denn am Donnerstag wurde der Weihnachtsbaum am Kröpeliner Tor aufgestellt. Die 15 Meter hohe Tanne ist kleiner als ihre Vorgängerinnen.

14.11.2019

Die Hansestadt und der Landkreis Rostock wollen von ihren Einwohnern wissen, wo das Angebot im öffentlichen Nahverkehr verbessert werden muss. Bis Ende 2020 wird ein neuer Nahverkehrsplan entworfen.

14.11.2019