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Rostock Böden trotz Regens nach wie vor zu trocken
Mecklenburg Rostock Böden trotz Regens nach wie vor zu trocken
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17:03 26.12.2018
Auf dem Teilstück eines Ackers in Sildemow nahe Rostock, das lange Zeit unter Wasser stand und jetzt ausgetrocknet ist, hatten sich bereits Risse gebildet. Quelle: Wüstneck/dpa
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Grimmen

Viele Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern blicken sorgenvoll auf 2019. Die monatelange Trockenheit bis in den späten Herbst hinein hat ihre Böden metertief austrocknen lassen. Neu ausgesäter Raps und Wintergetreide sprießen vielerorts nur unzureichend oder gar nicht. Vor allem in der Uecker-Randow-Region mussten Bauern die Felder komplett umbrechen.

„Da haben wir noch mal Glück gehabt“, sagt Landwirt Hartmut Ruhtz bei Grimmen nach einem Blick auf seinen Winterweizen. Der Geschäftsführer der StAP Stoltenhäger Agrar-Produktions- und Handelsgesellschaft (Vorpommern-Rügen) hat kaum Fehlstellen entdeckt, obwohl der Bestand auch nicht so vorangekommen ist wie gewünscht. Von Ostern bis in den Herbst hinein war landesweit kaum Regen gefallen. Was Ruhtz gerettet hat, sind einige wenige Niederschläge im September. Die haben vor allem dem Raps auf die Sprünge geholfen.

„Dort, wo es weiterhin trocken geblieben ist, waren alle Feldbestellungen buchstäblich für die Katz“, ergänzt der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Bartelshagen I im Landkreis Rostock, Wilfried Lenschow. Doch auch er hatte Glück im Unglück. Ein paar Regentropfen während der Herbstbestellung haben zum Keimen gereicht und die junge Saat gerettet. Dieses Glück hatten längst nicht alle Landwirte.

 Niederschlagsdefizit erheblich

Das Niederschlagsdefizit ist trotz der jüngsten Regenfälle nach wie vor erheblich. Deshalb ist die Saat längst nicht so vorangekommen, wie es für ein gutes Überwintern notwendig ist. Im Frühjahr rechtzeitig in Schwung zu kommen werde deshalb für die Kulturen problematisch, schätzen Pflanzenbauexperten. Sie rechnen unter anderem mit einer deutlich geringeren Rapsblüte. Imposantes Gelb, wie im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern gern gesehen, dürfte 2019 eher die Ausnahme sein.

Der Leiter des Fachausschusses Pflanzenbau beim Landesbauernverband in Neubrandenburg, Frank Schiffner, macht noch eine andere Rechnung auf. „Weil frisch bestellte Felder wieder umgebrochen werden mussten, hat manch einer einen zweiten Versuch gestartet. Doch auch der ist oft gescheitert, weil es einfach zu trocken geblieben ist“, sagt er - und fügt an: „Außer Spesen nichts gewesen. Das hat die Betriebe, je nach Größe, einige Tausend Euro gekostet.“ Die finanziellen Verluste treffen die Unternehmen umso härter, als dies bereits das dritte problematische Jahr in Folge ist - mit bislang nicht registrierten Extremen. Dort, wo die Technik 2017 auf durchnässten Feldern im Boden versunken ist, waren diesmal nur Staubwolken zu sehen.

Und noch immer sind trotz der jüngsten Niederschläge alle Wasserreserven aufgebraucht, Teiche und kleine Fließgewässer nahezu ausgetrocknet. Bodenproben haben gezeigt, dass die Trockenheit mehrere Meter tief in den Boden reicht. So ist für die Pflanzen auf den Feldern nach wie vor kaum etwas zu holen. „Jeder weitere Tropfen ist Gold wert“, sagt Bauer Ruhtz, der gegenwärtig nicht genug vom Regen kriegen kann.

 An Wetterextreme besser anpassen

Er überlegt jetzt, wie er seine Anbaupläne den Wetterextremen künftig besser anpassen kann. „Vielleicht ist ja Braugerste eine Alternative“, sagt er. Deshalb ist er vor ein paar Tagen erstmals zu einem Treffen des Landes-Braugerstevereins nach Rostock gereist. Dort hatte Heiko Drechsler, Geschäftsführer von Malteurop, einem der namhaftesten Mälzereiunternehmen weltweit, für sein Programm „Regionale Gerste“ geworben. Ziel ist es, den Brauereien künftig mehr Malz von Gerste aus ihrem Umfeld anzubieten.

„Eine gute Idee. Was wir aber brauchen, ist eine Abnahmegarantie zu akzeptablen Preisen“, macht Ruhtz deutlich. Er will mit dem Verarbeiter im Gespräch bleiben. „Wer wirtschaftlich überleben will, muss sich den Gegebenheiten ständig neu anpassen. Noch ein Jahr mit roten Zahlen kann keiner von uns gebrauchen.“ Erst vor zwei Jahren hat sein Unternehmen die Milchproduktion aufgegeben. „Damals wurden 20 Cent für den Liter Milch gezahlt, 35 wären für die Kostendeckung notwendig gewesen. Da mussten wir einfach die Reißleine ziehen“, erinnert er sich. „Wenn wir jetzt mit Braugerste vielleicht Neues wagen, dann brauchen wir einen fairen Preis.“

Von Jürgen Drewes