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Rostock Bohren, Schleifen, Sägen: Diese hammer Sachen bauen MVs beste Heimwerker
Mecklenburg Rostock Bohren, Schleifen, Sägen: Diese hammer Sachen bauen MVs beste Heimwerker
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17:59 18.07.2019
Martin Bednarz (31) ist leidenschaftlicher Heimwerker. Ob Hochbett, Moped oder Stelzenhaus - sobald der Rostocker an etwas rumschrauben kann, ist er in seinem Element. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
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Rostock

Martin Bednarz (31) ist ein Hammertyp. Sobald er aus Holz und Nägeln etwas zusammenzimmern darf, ist der Rostocker in seinem Element. Das Gefühl, etwas selbst zu bauen, zu sehen, dass, was zuvor nur in seinem Kopf existierte, fertig vor ihm steht – das gibt ihm den Kick. „Heimwerken macht glücklich“, schwärmt er.

Die Leidenschaft fürs Bohren und Hämmern teilt er mit Tausenden im Land. In Werkstätten, Garagen und Hobbykellern entstehen die tollsten Teile. Die Ostsee-Zeitung will sie groß rausbringen und startet eine Leserfoto-Aktion: Heimwerker, zeigt uns, was ihr gebaut habt!

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Meisterstücke der OZ-Leser: Diese Heimwerker-Arbeiten sind der Hammer

Martin Bednarz lernte schon als Kind, wo der Hammer hängt. „Mitte der 90er haben meine Eltern ein Haus gebaut. Papa hat vieles selbst gemacht und ich kleiner Stöpsel hab’ gestaunt.“ Bald genügt ihm Zugucken nicht mehr, er will selbst loslegen. Mit Holzresten und Papas Werkzeug zimmert der damals Zwölfjährige einen Hasenstall zusammen. „Ein Riesenteil.“

Und der Beginn einer großen Leidenschaft. Die bekommt in der Pubertät einen kleinen Dämpfer („als Teenie hatte ich anderes im Kopf“), kehrt aber kolossal zurück: Mit Anfang 20 baut er ein Terrarium, groß wie ein Doppelbett, für drei winzige Schildkröten. Richtig beflügelt wird seine Fantasie durch einen anderen Lütten.

Selbst ist der Mann

Als sein Sohn Vincent geboren wird, dann aber die Beziehung zu dessen Mutter in die Brüche geht, denkt sich Martin Bednarz: „Selbst ist der Mann“. Er bringt sich das Backen bei, näht Kinderklamotten und baut seinem Sohn ein Ritterburg-Kinderbett mit Rutsche. Aus dem ist Vincent inzwischen rausgewachsen. Kein Problem für Papa, er hat dem Fünfjährigen ein neues Hochbett gezimmert – samt Sternenhimmel und Rostock-Skyline.

Das sind Martin Bednarz Hammerwerke:

Marke Eigenbau: Diese tollen Teile hat Martin Bednarz aus Rostock gebaut.

 Martin Bednarz ist ein Naturtalent. Was er anpackt, wird meist was. „Ich hab’ schon immer zwei rechte Hände.“ Doch auch er trifft nicht jeden Nagel auf den Kopf. „Wenn ich mir mit dem Hammer auf den Daumen hau’, fluche ich wie ein ganz Großer“, verrät er und lacht. Aber selbst als blutiger Anfänger musste er kaum nennenswerte Blessuren einstecken. „Alle Finger sind noch dran.“

Jeder vierte Mann hält sich für geschickt

Das glückt nicht jedem. Einer repräsentativen Umfrage von Splendid Research zufolge hält sich nur jeder vierte Mann in Deutschland für einen geschickten Heimwerker. Bei den befragten Frauen traf das auf nicht mal jede Zehnte zu. Goldene Zeiten fürs Handwerk also. Doch ob mit gutem oder schlechtem Ergebnis – das Hobby steht hoch im Kurs: 2,58 Millionen Deutsche im Alter ab 14 Jahren basteln oder heimwerken angeblich mehrmals wöchentlich. Besonders eifrig sollen übrigens die Frauen sein.

Mädelsabend im Baumarkt

Die Zeiten, in denen Heimwerker ausschließlich kernige Kerle in Karo-Hemden waren, sind vorbei. Längst haben auch Frauen Spaß daran, mit Werkzeug zu hantieren. Die Erfahrung hat auch Martin Bednarz gemacht. Seine Lebensgefährtin verbringe einmal im Jahr mit Freundinnen einen Mädelsabend im Baumarkt, um sich bei Sekt und Schnittchen vom Profi Tricks beibringen zu lassen.

Do it yourself boomt

Heimwerkerkurse, in denen Laien lernen, Wände hochzuziehen oder Bäder zu fliesen, sind gut gefragt, auch weil professionelle Handwerker wegen voller Auftragsbücher aktuell schwer zu kriegen sind. Die Baumärkte freut’s. Sie fahren ohnehin hammermäßige Geschäftszahlen: Laut Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten haben sie 2018 mit Do it yourself, kurz DIY, bundesweit rund 19 Milliarden Euro umgesetzt.

Einen Boom erlebt die Branche durch den Upcycling-Trend. Früher aus der Not heraus (man hatte ja nichts), heute aus reinem Vergnügen: Heerscharen pilgern – „yippiejaja-yippie-yippie-yeah“ – in die Baumärkte, wo sie sich mit Material eindecken, um Altes zu Neuem aufzuhübschen.

Material aus dem Netz

Martin Bednarz ist im Baumarkt Stammkunde. „Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich da schon gelassen habe“, scherzt er. Doch er zapft auch günstigere Materialquellen an. Zwischen dem, was andere auf den Sperrmüll werfen wollen, findet er Schätze. Bei Onlineaktionen schießt er Aufmotzfähiges für kleines Geld.

Aufträge aus dem Freundeskreis

Längst hat sich bei Freunden und Verwandten herumgesprochen, dass er nahezu alles reparieren und schmucke Sachen bauen kann. Deshalb hat Bednarz ständig alle Hände voll zu tun. Die „Aufträge“ sind vielfältig: Für das Restaurant seiner Cousine bastelt er einen Kronleuchter aus Weingläsern und einem Wagenrad. In der Physiotherapiepraxis seines Bruders zieht er Wände hoch. Eine Freundin beschenkt er mit einer Schaukelbank aus Kabeltrommeln und Europaletten. Nur um eines sollte man ihn nicht bitten: Wiederholung. „Ich baue nichts ein zweites Mal, das wäre mir zu langweilig. Ich brauche immer eine neue Herausforderung.“

Hammermäßige Heimwerker gesucht

Sie bauen, bohren und basteln gern? Zeigen Sie es uns! Die OZ sucht die geschicktesten Heimwerker-Kings oder Do-it-yourself-Queens. Ob Möbelstück, Gartendeko oder Spielzeug: Schicken Sie uns ein Foto von sich mit Ihrem besten selbstgemachten Werk an online@ostsee-zeitung.de. Name und Wohnort nicht vergessen! Die schönsten Bilder werden veröffentlicht.

Fan von Holz in der Hütte

Seine Kreativität kennt keine Grenzen, sein Zuhause schon. Die Wohnung im Mehrfamilienhaus misst 66 Quadratmeter. In allen Ecken ausbreiten kann sich Bednarz nicht – dem Haussegen zuliebe. Er mag rustikales Holz in der Hütte, seine Freundin den schlichten Skandi-Chic von Ikea. Deshalb muss manches Möbel Marke Eigenbau im Keller ausharren. Bednarz will sich damit ein Herrenzimmer einrichten. „Aber dafür müssen wir erst ein Haus finden.“

Vater und Sohn gemeinsam am Werk

Für viele Eigenkreationen hat Bednarz aber ein Plätzchen gefunden: Im Flur steht ein Schuhschrank aus Europaletten, im Wohnzimmer ein Regal aus Obstkisten. Blickfang im Garten ist ein Stelzenhaus mit Rutsche, das er für seinen Sohn gebaut hat. Und weil sich früh übt, was ein Meister werden will, besitzt der Filius eine eigene Werkbank. Vincents erster Eigenbau: ein mannshohes Insektenhotel. „Er war eineinhalb. Ich hab’ den Akkuschrauber gehalten, er hat den Knopf gedrückt“, erzählt Martin Bednarz.

Schrauberschlacht in der Kita

Heimwerker-Nachwuchs bildet Martin Bednarz auch im Job aus: Der zweifache Vater ist Kita-Erzieher. Mit seinen Schützlingen nimmt er auch schon mal defekte Kettensägen auseinander, um zu sehen, was drin steckt. In seiner Freizeit schraubt er seit neustem an einem alten Wohnmobil rum.

Es gibt immer was zu tun

Material für neue Projekte hat er en masse: Zwei Keller sind randvoll mit Holz, Metall und allem möglichen Klimbim. Lange liegen wird das hier wohl nicht. Martin Bednarz ist ein Dickbrettbohrer – fleißig und bereit, knifflige Dinge anzupacken. So wird es wohl nicht lange dauern, bis ihm die nächste Blitzidee in den Kopf schießt und der Heimwerker loslegt. Schließlich heißt es in einem bekannten Baumarkt-Werbeslogan nicht umsonst: Es gibt immer was zu tun!

Skurrile Fakten zum Heimwerken

Heimwerker-Hauptstadt

Das Heimwerker-Paradies Mecklenburg-Vorpommerns ist Schwerin. Dem Fachverlag Dähne zufolge ist die Baumarktdichte nirgendwo im Land so hoch wie hier.

Blessuren inklusive

Leitersturz, Stromschlag oder schmerzhafter Kontakt mit der Kreissäge: Pro Tag passieren laut Statistik bundesweit etwa 800 Unfälle beim Heimwerken.

Anziehende Anpacker

Etwa die Hälfte der deutschen Singlefrauen findet heimwerkende Männer sexy. Wesentlich attraktiveres Hobby: Kochen.

Hunnies fürs Hobby

Um die 270 Euro geben die Deutschen pro Kopf und Jahr im Baumarkt aus. Zum Vergleich: Die US-Amerikaner sollen angeblich mehr als das Dreifache für Werkzeug und Baumaterial locker machen.

Antje Bernstein