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Rostock Bomben-Fund: 10 000 Rostocker müssen raus aus der City
Mecklenburg Rostock Bomben-Fund: 10 000 Rostocker müssen raus aus der City
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10:11 27.03.2019
Bei Bauarbeiten im Rostocker Rosengarten an der August-Bebel-Straße ist am Montagvormittag eine 500 Pfund schwere US-amerikanische Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Das öffentliche Leben in Rostocks Innenstadt – am Mittwoch kommt es zum Erliegen: Wegen eines Bombenfundes auf einer Baustelle im Rosengarten muss die Innenstadt komplett geräumt werden. Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Behörden und Gerichte ebenfalls. Auch die größte Einkaufsmeile des Landes ist betroffen: Geschäfte und Restaurants, Arztpraxen und Büros in der City dürfen nicht öffnen.

Das Rathaus spricht von der vermutlichen größten Evakuierungsaktion seit Jahrzehnten in MV. „Insgesamt werden rund 10 000 Bürger ihre Häuser verlassen müssen“, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). „In diesem Ausmaß habe ich das noch nie erlebt.“

Dieser Bereich muss evakuiert werden Quelle: Benjamin Barz

Böser Fund am Rosengarten

Am Rosengarten am Rande der Altstadt planen Rostocker Wohnungsgenossenschaften bis 2022 insgesamt 155 neue Wohnungen. Dass auf dem Gelände noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnte – davon waren die Experten ausgegangen: Seit Wochen wird das Gebiet untersucht. Am Montag gegen 11 Uhr stießen die Kampfmittelräumer nun auf eine 250-Kilo-Sprengbombe. „Eine amerikanisches Modell mit zwei Zündern“, sagt Fred Tribanek vom Munitionsbergungsdienstes des Innenministeriums. Aktuell gehe von dem Sprengkörper keine Gefahr aus. „Wir haben sie zum Schutz wieder mit Erde abgedeckt.“

Auf einer Baustelle am Rosengarten in Rostock ist eine Fliegerbombe gefunden worden.

Experte Willi Buth von der Kampfmittel-Entsorgungsfirma MAKS ergänzt: „Nur unter großer Gewalteinwirkung oder bei großer Hitze lösen die Zünder aus.“ Die Bombe hätte noch weitere „100 Jahre“ im Erdreich liegen können, ohne das etwas passiert wäre. Nun müssen die Zünder ausgebaut werden. Erst dann kann die 250 Kilo schwere Bombe abtransportiert und entsorgt werden.

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Bis 8 Uhr müssen alle Bewohner in Sicherheit sein

In dieser Zeit muss die Innenstadt komplett evakuiert werden: Ab 8 Uhr müssen alle Bewohner ihre Wohnungen am Mittwoch verlassen haben. Die Rostocker Stadthalle wird zur Notunterkunft. Betroffen sind mehr als 100 Arztpraxen, drei Schulen und sieben Kitas. Für Schüler wird eine Notbetreuung organisiert. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen sich frei nehmen an dem Tag. Auch zwei Senioren- und Pflegeheime müssen geräumt werden, zudem 14 Hotels und Pensionen. „Wir haben für solche Szenarien Notfallpläne. Ab 7 Uhr bringen wir unsere Gäste in die Stadthalle“, sagt Alexander Winter, Chef der Arcona-Hotelgruppe, die unter anderem mit dem Steigenberger Hotel „Sonne“ betroffen ist.

Bereits ab 7.30 Uhr wird der Bus- und Straßenbahnverkehr in der Innenstadt eingestellt. Auch der Mühlendamm wird gesperrt. Pendler sollen die Innenstadt weiträumig umfahren. „Im Umkreis von einem Kilometer um den Fundort der Bombe geht nichts mehr“, so Senator Bockhahn. „Krieg ist Mist – auch 74 Jahre danach.“ Rostock war zwischen Juni 1940 und August 1944 insgesamt 21 Mal Ziel Alliierter Luftangriffe. Die britischen und amerikanischer Bomber hatten es dabei auf die Rüstungsindustrie – die Heinkel-Flugzeugwerke etwa – und auch gezielt auf die Altstadt abgesehen. Insgesamt wurden fast 3000 Tonnen Bomben auf die Hansestadt abgeworfen.

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Rostock zählt am 1. Mai 1945 zu den am stärksten zerstörten Städten Deutschlands.Die Abbildungen stammen aus dem Band „Bomben auf Rostock“, erschienen 1995 im Konrad Reich Verlag Rostock

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Andreas Meyer

Während des zweiten Weltkrieges zerstörten zahlreiche Bombardements große Teile der Stadt. Die schwersten Angriffe flog die Royal Air Force vom 24. bis 27. April 1942. Flächenbombardements zerstörten die Innenstadt, während ein kleiner Verband die für die deutsche Rüstungsindustrie wichtigen Heinkel-Werke im Tiefflug angriff. Bis heute werden bei Bauarbeiten in der Stadt immer wieder tödliche Relikte des Krieges gefunden.

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