Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Wie die Digitalisierung die Medizin revolutioniert
Mecklenburg Rostock Wie die Digitalisierung die Medizin revolutioniert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:25 12.06.2019
 Prof. Dr. Stephan Felix (l.), Chef der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B der Unimedizin Greifswald, und der Karlsburger Klinikchef Prof. Dr. Wolfgang Motz planen im Herzzentrum Vorpommern auch eine telemedizinische 24-Stunden-Überwachung von Herzpatienten. Quelle: Volker Penne
Rostock

Digitalisierung und künstliche Intelligenz beeinflussen schon heute die Alltagsmedizin und Forschung in MV. „Die künstliche Intelligenz wird aber auch in einigen Jahren den Arzt nicht ersetzen.“ Das betonte Prof. Dr. Marek Zygmunt, Präsident der 15. Nationalen Branchenkonferenz der Gesundheitswirtschaft, am Mittwoch in Rostock-Warnemünde. Vielmehr könne sie Medizinern und Schwestern Hilfestellung, etwa bei der Diagnostik, der Erstelllung von Medikationsplänen, der Alarmierung in Notfällen oder der Pflege der Patienten geben, so der Chef der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Unimedizin Greifswald.

Digitale Patientenakte erspart Doppelbehandlungen

Bevor der Patient in der Praxis oder in der Klinik erscheint, kennt der behandelnde Mediziner bereits die aktuellen Befunde, den Medikamentenplan sowie erfolgte Leistungen durch Pflegedienste. Möglich wird dies durch die „digitale Patientenakte“. Zum Einsatz kommt diese seit März 2018 in der Uecker-Randow-Region und in Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Es handelt sich um ein bundesweites Pilotprojekt der AOK Nordost, der Kassenärztlichen Vereinigung MV und des HaffNets. Letzteres ist ein Ärztenetzwerk. Ihm gehören 46 niedergelassene und sechs angestellte Ärzte sowie die Ameos Kliniken in Ueckermünde und Anklam an.

Der Arzt ist gut vorbereitet. „Das spart Zeit. Die Diagnostik wird vereinfacht. Doppel-Untersuchungen entfallen“, erklärt der Direktor des Ueckermünder Ameos-Krankenhauses, Stefan Fiedler. Derzeit arbeite man daran, nach der Behandlung im Krankenhaus den niedergelassenen Kollegen quasi eine neue Art des Arztbriefes zukommen zu lassen.

Herzschwäche frühzeitig erkennen

Interesse an der „digitalen Patientenakte“ hat auch beispielsweise das Klinikum Karlsburg. Zumal das Herz- und Diabetes-Zentrum mit der Unimedizin Greifswald das Herzzentrum Vorpommern aufbaut. Hier wird auch die Telemedizin, etwa bei der Behandlung herzkranker Patienten, eine große Rolle spielen.

„Wird beispielsweise das verminderte Pumpvermögen der linken Herzkammer zu spät erkannt, verschlechtert sich der Zustand des Patienten in der Regel dramatisch. Deshalb braucht es eine Art Frühwarnsystem“, betonte Prof. Dr. Stephan Felix. Konkret könne dies mit dem Einsetzen von Mikrosensoren in die Lungengefäße erfolgen, sagte der Chef der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B der Unimedizin Greifswald. Der etwa einen Zentimeter lange Sender wird in der Pulmonalarterie, also dem Blutgefäß, in dem das Blut vom Herzen zu den Lungen gelangt, dauerhaft implantiert. Der Sender misst permanent den Druck in der Arterie. Die entsprechenden Daten werden einmal am Tag über ein kleines tragbares Antennen-Gerät, das der Patient zu Hause aufstellt, gesendet. „Wir können bis zu 25 Tage im Voraus erkennen, ob dem Patienten eine akute Luftnot droht. Entsprechend kann die medikamentöse Einstellung des Kranken verändert werden“, sagte der Karlsburger Klinikchef Prof. Dr. Wolfgang Motz. Der Effekt: Die Lebensqualität des Patienten steigt und die Sterblichkeit sinkt. Eine telemedizinische 24-Stunden-Überwachung ist geplant. Gerade für ein Flächenland wie MV, wo Patienten mitunter 80 bis 90 Kilometer bis zum nächsten Kardiologen zurücklegen müssten, sei dieser Effekt durch die Telemedizin von allergrößtem Wert, so Prof. Motz.

Der lange Weg zum biologischen Herzschrittmacher

„Auch wenn es oft so scheint, den Arzt möchte niemand ersetzen“, sagt auch Markus Wolfien. Um aber den Traum beispielsweise vom biologischen Schrittmacher mit Leben zu erfüllen, seien gigantische Datenmengen zu verarbeiten, erläuterte der Bio-Ingenieur. Seit sechs Jahren arbeitet er am Lehrstuhl für Systembiologie und Bioinformatik der Uni Rostock. Gemeinsam mit der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Unimedizin der Hansestadt sucht man nach sogenannten Schrittmacherzellen. Diese entscheiden über den richtigen Herzrhythmus. Das Problem: „Jede Zelle besitzt quasi eine Art Lochkartenmuster an aktiven Genen. Die Zehntausenden von Genen wiederum verfügen über Hunderttausende von Varianten“, so der Informatiker. Um die relevanten Schrittmacherzellen zu selektieren – es gibt nur wenige Tausend – muss man mit verschiedenen mathematischen Modellen arbeiten. Es geht hier um Datenvolumen von etwa zehn Terrabyte. Das sind zehn Millionen Megabyte. „Das kommt dem Suchen nach der Nadel im Heuhafen gleich“, verdeutlicht Klinikchef Prof. Dr. Gustav Steinhoff. Und doch haben die Forscher und Mediziner schon einen Stück des Weges zurückgelegt. „Wir konnten bereits Stammzellen zu Schrittmacherzellen programmieren“, erläutert sein Kollege Prof. Dr. Robert David.

Schneller und präziser Nierencheck

Die Diagnose bei Nierenerkrankungen will das in Gründung befindliche Start-up-Unternehmen Nipoka in Greifswald revolutionieren. Das verdeutlichte die zum Gründerteam gehörende Professorin Nicole Endlich. Angesicht der Tatsache, dass in MV 17 Prozent der Menschen – weltweit sind es zehn Prozent – an Nierenproblemen leiden, sei dies dringend erforderlich. Dabei kommt die Superresolution-Mikroskopie zum Einsatz. Beim neuen Analyseverfahren wird die Veränderung der sogenannten Prodozyten durch 15 bis 19 „optische Schnitte“ sichtbar. Datenmengen von 1,5 Gigabyte sind hier zu verarbeiten. Die Untersuchung lasse Rückschlüsse auf die Funktion der Niere zu und ermögliche den unverzüglichen Start notwendiger Therapien, so die Expertin.

Mehr lesen:

Geniale Erfindung: Informatiker der Uni Rostock helfen Medizinern

In Mecklenburg-Vorpommern fehlen Ärzte und Pflegekräfte

Volker Penne

Das Hanse Jobcenter hat zu einem Fußballturnier in Rostock geladen. Über 50 Teilnehmer, bestehend aus Arbeitssuchenden und Arbeitgebern, kamen so in ungewöhnlicher Art und Weise in Kontakt.

12.06.2019

Seit einer Woche läuft der Aufbau für das Rammstein-Konzert im Rostocker Ostseestadion auf Hochtouren. Bis zu 400 Mitarbeiter werden im Einsatz sein und allein 60 Trucks müssen am Stadion geparkt werden.

12.06.2019

Nach dem Tod eines zehnjährigen Mädchens am 3. Juni im Freibad „Südsee“ in Tessin findet am 13. Juni eine Gedenkveranstaltung an der Kirche der Kleinstadt statt.

12.06.2019