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Rostock Brand auf Recyclinghof unter Kontrolle
Mecklenburg Rostock Brand auf Recyclinghof unter Kontrolle
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14:13 31.05.2018
Auf einem Recyclinghof in Rostock ist am Mittwoch ein Feuer ausgebrochen. Inzwischen ist es unter Kontrolle. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

 Auf einem Stapel nasser Schläuche sitzen zwei Feuerwehrmänner. Erschöpft und durchgeschwitzt. Seit Mittwochabend sind sie im Einsatz im Ortsteil Hinrichsdorf, kämpfen gegen den Großbrand auf dem dortigen Recyclinghof. Nun brauchen sie eine Pause – eine Flasche Wasser und belegte Brötchen, geschmiert vom Roten Kreuz. Die Arbeit aber ist noch nicht getan: Bei Veolia brennt es immer noch. Und noch immer steigt Qualm aus vereinzelten Brandnestern auf. Für die Retter ist es einer größten Einsätze seit vielen Jahren in der Hansestadt.

Bei dem Feuer ist am Mittwochnachmittag in Rostock ein Sachschaden von Hunderttausenden Euro entstanden.

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„Wir haben die Lage komplett unter Kontrolle“, sagt am Donnerstagmorgen Johann Edelmann, Leiter des Brandschutz- und Rettungsamtes und Chef der Berufsfeuerwehr. Das sah wenige Stunden zuvor noch anders aus: Kurz nach 15 Uhr hatten Mitarbeiter den Brand auf dem Gelände der Firma Veolia gemeldet. Augenzeugen schildern, dass es nur Minuten gedauert habe, bis der komplette Hof in Flammen stand. Insgesamt 1000 Kubikmeter Recycling-Müll – allen voran „gelbe Säcke“ – fingen Feuer. Die Flammenwand war fast zehn Meter hoch und die riesige pechschwarze Rauchsäule nach Angaben von Veolia selbst noch in 30 Kilometern Entfernung zu sehen. Problem für die Retter: Zwischenzeitlich wurde das Löschwasser knapp. Dennoch gelang es den Rettern ein Übergreifen der Flammen auf die Hauptsortierhalle, auf das angrenzende Gewerbegebiet und Wohnhäuser zu verhindern. „Wir hatten in Spitzenzeiten 150 Retter aus der gesamten Hansestadt und dem Landkreis hier im Einsatz“, sagt Edelmann.

Mittlerweile ist es 9.30 Uhr am Morgen danach und die Lage hat sich ein wenig entspannt: Der Geruch von verbrannten Plastik liegt in der Luft – selbst in Bad Doberan noch. Doch aus der Rauchsäule sind graue Nebelschwaden geworden. Auch Flammen sind auf dem Recyclinghof nicht mehr zu sehen. „Das heißt aber nicht, dass das Feuer aus ist“, betont Edelmann. Mit schweren Gerät – unter anderem mit Baggern des Technischen Hilfswerks (THW) – verteilen die Einsatzkräfte den Müll: „Es brennt noch in den Abfallbergen. Sobald da Luft rankommt, lodert es wieder auf“, erklärt der FeuerwehrChef. Die Probleme mit der Wasserversorgung bestätigt auch Edelmann: „Wir haben in diesem Bereich nur zwei große Leitungen. Die liegt aber auf der anderen Seite der Hinrichsdorfer Straße.“ Deshalb musste auch gestern die wichtige Route gesperrt werden. Es kam zu Staus bis in den Seehafen.

Was das Feuer ausgelöst hat, ist noch immer unklar: „Die Rostocker Kriminalpolizei wird nach Abschluss der Löscharbeiten den Brandort mit einem Experten untersuchen“, sagt Dörte Lembke, Sprecherin der Polizei in der Hansestadt. „Erst dann können wir sagen, ob es überhaupt für strafrechtliche Ermittlungen gibt.“ Auch Veolia will abwarten, bis die Polizei sich die Schäden ansehen konnte. Derzeit deute für das Unternehmen aber Vieles auf „Selbstentzündung“ hin, sagt Konzernsprecher Andreas Jensvold. Insgesamt 50<TH>000 Tonnen Abfall – Gewerbemüll und so genannte „Leichtverpackungen“ – werden in der Anlage pro Jahr sortiert. Der größte Teil werde verwertet, nur ein kleiner Teil gehe in die Verbrennung. „In dem Müll finden Verrottungsprozesse statt. Zum Teil ist es in diesen Haufen 70 Grad warm“, so Jensvold. Eine Scherbe, viel Sonne und Wind könnten ausreichen, um einen Brand zu entfachen. Die Reste werden nun im Labor untersucht. Dann werde entschieden, was wie entsorgt wird. Die Sortieranlage sollte gestern am Nachmittag wieder in Betrieb gehen.

Veolia spricht von einem Schaden von „mehreren Hunderttausend Euro“. Auch ein Knick am Rande des Recylingshofs wurde in Mitleidenschaft gezogen. „Bis der Hof beräumt ist und wir wieder voll arbeitsfähig sind, wird es sicher noch eine Woche dauern“, erklärt der Unternehmenssprecher. Erst vergangene Woche sei die Anlage vom TÜV kontrolliert worden: „Alles war in Ordnung.“ Für die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden, versichert Feuerwehr-Chef Edelmann: „Es stinkt zwar, aber das ist harmlos.“ Bei dem Einsatz hätten sich einige Feuerwehr- Männer aber leicht verletzt: „Es war so heiß, dass sich Kameraden selbst in den Einsatzstiefeln Brandblasen an den Füßen zugezogen haben.“

Cora Meyer

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