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Rostock Braumeister der Rostocker Brauerei: Dieser Mann braut sogar in seiner Freizeit
Mecklenburg Rostock Braumeister der Rostocker Brauerei: Dieser Mann braut sogar in seiner Freizeit
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05:03 17.05.2019
Braumeister Holger Köpcke (58) braut zu Hause sein eigenes Bier. Die Kleinbrauanlage hat er sich vor zwei Jahren zum Spaß und Experimentieren zugelegt. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

 „Ein gutes Bier benötigt sechs Wochen, bis es ausgereift ist“, sagt Holger Köpcke (58). Er muss es wissen, denn der Bierliebhaber ist einer von drei Braumeistern der Hanseatischen Brauerei Rostock – und das seit 32 Jahren.

Insgesamt hat er bereits 42 Jahre Berufserfahrung bei „Rostocker“ sammeln dürfen. „Mit 16 habe ich die Ausbildung zum Mälzer und Brauer begonnen, später habe ich ein Braumeisterstudium draufgesetzt. Ich war vom ersten Tag an begeistert“, erzählt Köpcke. Dabei wollte er zunächst zur See fahren, doch eine Farbsinnstörung verwehrte ihm alle technischen Berufe.

Ein guter Geschmacksnerv ist wichtig

Viel Technik findet sich aber auch in den Abläufen der Brauerei: „Während des Brauverfahrens laufen die meisten Prozesse maschinell ab. Eine meiner Aufgaben ist es, sie zu überwachen“, so Köpcke. Daneben ist er Lehrausbilder sowie Mitglied des Verkosterteams. „Regelmäßig finden Blindverkostungen von Bieren statt, die wir bewerten“, erzählt der Braumeister. Für diesen Job sollte man daher nicht nur gerne Bier trinken, sondern auch einen geschulten Geschmacksnerv haben. Laut Köpcke gibt es rund 5000 Biere in Deutschland und „viele sind nur Nuancen voneinander entfernt“.

Dass Köpckes Beruf auch seine Berufung ist, zeigt sich darin, dass er sich vor zwei Jahren dachte, „nimmste mal ein bisschen Arbeit mit nach Hause“, und sich eine Kleinbrauanlage anschaffte. In der Brauerei ist Experimentieren schwierig, da aus einem Sud – also einem Brauvorgang – 50 000 Liter Bier hervorgehen. „Zu Hause kann ich so viel ausprobieren wie ich möchte. Da sind im Zweifel nur 24 Liter im Eimer“, lacht der Bierliebhaber.

Da es für die Standardbiere von „Rostocker“ ohnehin feste Rezepturen gibt, sorgt die Heimbrauanlage vor allem für Spaß: „Für Freunde mache ich aus dem Bierbrauen gerne kleine Events und beschenke meinen Familien- und Bekanntenkreis. Selbstgebrautes Bier ist einfach etwas Tolles.“

Teilnehmer müssen anpacken

Deshalb sollen diese Erfahrung auch erstmals einige Gäste des diesjährigen Brauereihoffests machen. Fünf Bewerber wurden ausgelost, die in die Kunst des Bierbrauens reinschnuppern dürfen. „Interessant für die Teilnehmer ist zum einen, dass sie die Prozesse beobachten können, was in der Großbrauerei nicht möglich ist“, sagt Köpcke. Zum anderen können sie mit anpacken: „Um zu zeigen, wie anstrengend der Beruf einst ohne technische Hilfsmittel war, müssen sie das Malz mit einer Mühle schroten.“ Insgesamt werden die Kandidaten den Brauvorgang über acht Stunden begleiten.

„Sorgfalt und Hygiene sind die obersten Gebote“, so Köpcke. Jeder Schritt erfordert hohe Präzision – die Temperaturen beim Erhitzen und Abkühlen müssen exakt stimmen. „Alle biochemischen Prozesse brauchen außerdem ihre Zeit“, erklärt der Braumeister weiter. Wegen des Zeitfaktors wird am Festtag lediglich der „Heißbereich“ – der erste Abschnitt des Brauens – durchgeführt. „Allein die Gärzeit beträgt circa zehn Tage. Danach sollte das Bier vier Wochen in den Flaschen reifen“, sagt Köpcke.

Verkosten dürfen die Kandidaten ihr Werk natürlich trotzdem: „Nach der Reifezeit werden sie alle ein paar Flaschen ihres Bieres bekommen.“ Tipp des Braumeisters: Bier sollte immer kühl und dunkel gelagert werden, um nicht an Geschmack einzubüßen.

„Am liebsten Rostocker Pils“

„Das wird sicher ein Erlebnis“, sagt Dieter Eickhoff (65), einer der Bierbrauteilnehmer. Der Rentner bewarb sich als Kandidat, da er interessiert ist, hinter die Kulissen des Rostocker Traditionsbetriebs zu blicken. Außerdem habe er früher als Landwirt Braugerste angebaut und wolle sich nun einmal ansehen, wie sie weiterverarbeitet wird. „Generell trinke ich gerne Bier aus der Region. Ich bin gespannt, wie unseres schmecken wird“, so Eickhoff weiter.

Auch Köpcke ist „Lokalpatriot“, wie er selbst sagt, und trinkt am liebsten Rostocker Pils. „Als isotonisches Getränk ist der Genuss von Bier in Maßen sogar gesund. Für die Nieren wirkt es spülend“, sagt der Braumeister.

Rostocker Dunkel als Festbräu

Das Brauereihoffest hat neben dem Bierbraukurs natürlich weitere Highlights zu bieten. Los geht es um 11.30 Uhr mit dem Anstich des Festbräufasses, das als Freibier ausgeschenkt wird. „In diesem Jahr haben wir uns anlässlich des 600. Jubiläums der Universität Rostock etwas Besonderes überlegt: Unser Rostocker Dunkel, das wir bisher nur an Gastronomen als Fassbier verkauften, ist als Festbräu limitiert in Flaschen erhältlich“, berichtet Alexander Köthe, Marketingmitarbeiter der Hanseatischen Brauerei. Erhältlich sind dieses und weitere Rostocker Biere am Festtag zum „Freundschaftspreis“.

Neben der Möglichkeit, die Brauerei sowie das Museum zu besichtigen, wird mit verschiedenen musikalischen Programmpunkten und Spielen wie dem Bierkrugstemmen für Unterhaltung gesorgt. Um 20 Uhr erreicht das Brauereihoffest mit dem Auftritt von Christian Steiffen und seinem „Gott of Schlager“-Programm den Höhepunkt.

Im Anschluss können die Besucher im Theater des Friedens bei der Aftershowparty weiterfeiern. Köthe: „Mit 13 000 Besuchern war unser Hoffest im vergangenen Jahr fantastisch besucht. Wir sind top gerüstet und gespannt, wie groß der Besucheransturm dieses Mal sein wird.“

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